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Warum streicht Donald Trump den Gipfel mit Nordkorea? – 4 Antworten

President Donald Trump walks to the podium to address participants of the annual March for Life event, in the Rose Garden of the White House in Washington, Friday, Jan. 19, 2018. (AP Photo/Manuel Balce Ceneta)

Donald Trump Bild: AP/dpa

Donald Trump sagt zuerst den Gipfel mit Kim Jong Un ab – wegen aggressiver Rhetorik der Nordkoreaner. Doch er lässt die Hintertür weit offen. Was ist da los?

Hier die Analyse, in vier Teilen:

Wie es zur Absage kam

Ganz überraschend erfolgte der Rückzug nicht: In Washington wurde eine Absage in den vergangenen Tagen als immer wahrscheinlicher angesehen. Dabei kamen zwei Entwicklungen zusammen:

Zum einen war die Trump-Regierung offenkundig von scharfen Statements aus Pjöngjang irritiert. Am Mittwoch hatte die nordkoreanische Vizeaußenministerin US-Vize Pence als „politischen Dummkopf“ bezeichnet und mit einem "nuklearen Showdown" gedroht. Darauf bezieht sich Trump, wenn er als Gründe für die Absage den "enormen Zorn und die offene Feindseligkeit" anführt.

Was die US-Regierung so irritierte, war für viele Beobachter allerdings eher Propaganda-Grundrauschen aus Pjöngjang. Klar ist: Die Amerikaner selbst haben durch ständige Vergleiche mit dem Fall Libyen – etwa durch Pence, aber vor allem durch Sicherheitsberater John Bolton – Nordkorea brüskiert.

Lieber selbst absagen, als eine Absage bekommen

Zum anderen sollen die Nordkoreaner in den vergangenen Tagen nicht mehr auf Anfragen auf Washington reagiert haben. Sie hätten gar eine US-Vorab-Delegation in Singapur in der vergangenen Woche sitzen lassen, hieß es aus dem Weißen Haus.

Während die US-Regierung also offiziell weiterplante – eine Gedenkmünze für den 12. Juni wurde geprägt, am Dienstag ging die Einladung an Journalisten für die Singapur-Reise raus – musste sie parallel bereits den Ausstieg vorbereiten: Lieber selbst absagen, als eine Absage bekommen.

Dass Nordkorea am Donnerstag wie angekündigt sein Atomtestgelände Punggye Ri zerstören ließ, sollte an dieser Dynamik nichts mehr ändern.

Trump und sein Außenminister Mike Pompeo haben sich selbst in das Dilemma gebracht: Sie hatten die Erwartungen an das Treffen extrem hoch geschraubt, und das ohne grundlegende Fragen geklärt zu haben: Etwa, was denn Denuklearisierung, die Kim angeblich in Aussicht gestellt hat, konkret bedeutet. Trump, der sich als der große Dealmaker sieht, hat das Treffen überhastet angesetzt, ohne Rückgriff auf Diplomaten. Das hat sich nun gerächt.

Trumps Brief

Den Brief mit der Absage an den “lieben Vorsitzenden” Kim hat Trump tatsächlich selbst diktiert. Und so liest sich das Werk auch: Trump verweist darin etwa auf die "so massiven und mächtigen" Atomwaffen der USA, die, "so bete er zu Gott", hoffentlich nie eingesetzt werden müssten. Trump betont ebenfalls, dass es Nordkorea gewesen sei, das um ein Treffen gebeten habe.

Ansonsten streckt Trump parallel zum Rückzieher die Hand aus. Er freue sich nach wie vor darauf, Kim zu treffen. Er dankt ihm ausdrücklich für die Freilassung der drei amerikanischen Geiseln.

Interessant ist auch, dass Trump in dem Brief erstmals zu bestätigen scheint, dass er bereits direkt mit Kim gesprochen hat. Fragen nach direkten Gesprächen der beiden hat Trump seit Wochen nicht beantwortet. Das verdeutlicht, wie weit die persönliche Annäherung schon vorangeschritten war.

Trump macht mit dem Brief zweierlei: Er weist Nordkorea eindeutig, aber nicht konkret, die Schuld für seine Absage zu, hält die Tür für ein späteres Treffen aber weit offen. Die Botschaft lautet: An mir soll es nicht scheitern. Es soll also eine vorläufige Absage sein.

Was die Absage für Trump bedeutet

In den USA reagierten viele Politikbeobachter auf den Brief mit der Bemerkung: Typisch Trump. Der US-Präsident wolle lieber kein Treffen als ein schlechtes. Sie verweisen auf das charakteristische Pokern Trumps, das er schon zu seiner Zeit als Immobilienunternehmer gezeigt habe. Vielleicht könne Trump Kim mit der Absage noch zu weiteren Zugeständnissen zwingen.

Allerdings ist die Absage eine klare politische Niederlage für Trump. Er hatte den Gipfel zu seiner persönlichen Mission gemacht und in den USA damit einen wahren Nordkorea-Hype ausgelöst. Zuletzt sprach er immer häufiger von seinem Beitrag zum "Weltfrieden", seine treuen Anhänger sahen ihn schon als kommenden Friedensnobelpreisträger.

Was auch immer man davon halten mag: Trump hätte mit diesem Treffen ohne Zweifel Geschichte geschrieben und eine Annäherung erreicht, die seine Vorgänger nicht geschafft haben. Geschichte schreiben, das ist eine zentrale Motivation für ihn.

Allerdings hatte sich Trump in seinen Auslassungen stets die Hintertür offengelassen, das Treffen auch platzen zu lassen. Somit kann er nun die Botschaft senden, er sei auf seiner Linie geblieben: Ein Treffen gibt es nur, wenn es den Amerikanern nützt.  

 Wie geht es weiter zwischen den USA und Nordkorea?

A man watches a TV screen showing file footage of U.S. President Donald Trump, right, and North Korean leader Kim Jong Un, left, during a news program at the Seoul Railway Station in Seoul, South Korea, Wednesday, May 23, 2018. North Korea on Wednesday allowed South Korean journalists to join the small group of foreign media in the country to witness the dismantling of its nuclear test site this week, Seoul officials said. (AP Photo/Lee Jin-man)

Bild: AP

Das weiß bislang noch niemand. Trump hatte mit seiner ungewöhnlichen Offenheit für direkte Kontakte und ein Treffen ungeahnte Dynamik in die feindseligen Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea gebracht. Und auch bereits etwas erreicht, etwa die Freilassung von drei Geiseln.

Was aus dieser Dynamik letztlich noch entstehen kann, war allerdings immer unklar. So gut wie alle Nordkorea-Experten haben Trump etwa nie geglaubt, dass Kim wirklich seine Atomwaffen aufgeben würde. Ob diese Dynamik mit der Absage des Singapur-Treffens erlischt oder in anderer Form fortbestehen wird, ist aktuell nicht abzusehen. Möglich ist auch eine neue Salve an gegenseitigen Provokationen.

Werden die USA nun gar die Sanktionen verschärfen? Am Donnerstagabend hieß es aus dem Weißen Haus, es gebe bei der Strategie des maximalen Drucks gegenüber Pjöngjang noch Luft nach oben.

Dieser Text erschien zuerst auf t-online.de

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