AfD

Alleinerziehend mit Hartz IV: Achtjährige sammelt Flaschen, um Taschengeld zu bekommen

Die RTL-Moderatorin Vera Int-Veen macht mal wieder das, was sie gerne tut. Sie besucht Menschen in Armut. Am Dienstagabend besuchte Int-Veen für die Sendung "Vera unterwegs – Zwischen Mut und Armut" einen sozialen Brennpunkt in Leipzig.

Im Ortsteil Grünau will Int-Veen Gründe für die ostdeutsche Unzufriedenheit finden. Der Hausmeister Peter Ilpke begleitet Int-Veen durch die von ihm betreuten rund 500 Wohnungen an der Stuttgarter Allee. Der "Hausmeister mit Sozialfunktion", so sein Jobtitel, sieht deprimierende Zustände in Leipzig-Grünau: Die Bewohner würden Essensreste einfach aus den Fenstern werfen, viele hätten hier aufgegeben.

Er meint: "Mit den Ausländern kann ich reden, die krieg ich hin. Nur unsere krieg ich nicht hin." Int-Veen wirkt da ein wenig enttäuscht. Zusammen besuchen sie den Flur eines Wohnhauses – und finden: Müll und andere Hinterlassenschaften einer Partynacht.

Alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin kann ihrer Tochter kein Taschengeld finanzieren

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Die alleinerziehende Hartz-IV-Bezieherin Anja wohnt auch in dem Wohnblock. Mit ihrer Tochter Celin wohnt Anja seit der Trennung von ihrem Mann in dem Wohnblock. Um ihre Tochter durchzubringen, spart Anja an sich selbst. Die Miete von 450 Euro zahlt der Staat. Nach Abzug aller Kosten bleiben den beiden 300 Euro zum Leben.

Anja erzählt: "Man muss dem Kind schon sehr oft nein sagen." Ihre Tochter gibt sich tapfer: "Dann machen wir das halt nächsten Monat." Celin ist nicht allein in Leipzig-Grünau: In dem Stadtteil lebt jedes dritte Kind in ärmlichen Verhältnissen auf, berichtet Int-Veen in der Sendung.

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Das Schulessen ihrer Tochter kann sich Anja nicht leisten, Celin muss nach dem Unterricht nachhause kommen. Das "Gute Kita"-Gesetz von Bundesfamilienministerin Barley verspricht Besserung.

Die kleine Celin hat es nicht leicht: Die Achtjährige geht Flaschen sammeln, um auch ein Taschengeld zu bekommen. Celins Mutter Anja ist aufgrund einer Handverletzung krankgeschrieben – bis zur nächsten OP wird die Mutter aus Leipzig nicht arbeiten können. Die kleine Celin wird weiter Flaschen sammeln. Verzweiflung lässt sich das Mädchen nicht anmerken.

RTL-Moderatorin geht Hartz-IV-Empfänger persönlich an

Dabei ist die Verzweiflung in ihrem Stadtteil groß: Bei der Landtagswahl gewann die rechtspopulistische AfD drei der vier Wahlbezirke in Grünau. Immer wieder begegnet Int-Veen in Leipzig-Grünau Menschen, die rechte Ressentiments äußern. Angst hätten sie, sprechen von "Messern" und "Lärm".

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Eine Bürgerin, die über Migranten lästert und selbst nicht arbeiten will, geht die Moderatorin in der RTL-Sendung persönlich an: "Weißt du, wer deine Wohnung bezahlt? Warum zahle ich deine Wohnung, weißt du das?" Int-Veen meint: "Ich will von euch nicht hören 'Unser System ist scheiße.' Ihr lebt von unserem System." Widerspruch ist in der Sendung nicht zu hören.

Dann zieht Int-Veen von dannen, für ihre Sendung müssen weitere Verzweifelte gefunden werden.

(pb)

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  • Apollo 13.09.2019 09:48
    Highlight Highlight Genau, habe auch als Kind mein Taschengeld selbst verdient.....wir haben 50 DM Kindergeld bekommen......wenn ich sehe, was die heute alles kriegen und sind immer noch nicht zufrieden......so lernt man mit Geld umzugehen und richtig einzuschätzen, was das Geld wert ist......das hat noch niemanden geschadet .......kenne auch aus der Nachbarschaft H4-Empfanger, also wenn ich sehe, was die für Markenkleidung, Handys und weiss Gott was sonst noch alles haben, da frag ich mich manchmal, wo kommt dass alles her....
  • Zweiundvierzig 11.09.2019 15:26
    Highlight Highlight Jaja kein Geld für das Kind aber für 'ne schicke Tasche und Färben beim Friseur.

    Ach ja, und wo ist der Erzeuger des Kindes - wo bleibt der Unterhalt?

    Warum soll ich diese Dame mit meinen Steuern alimentieren, wenn es einen Vater gibt der zahlungspflichtig ist?

    P.S. habe zu Schulzeiten auch Pfandflaschen gesammelt und Zeitungen ausgetragen - hilft einem Respekt vor dem Wert des Geldes und eines eigenen Einkommens zu bekommen.

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