Unfälle
 BEIRUT, LEBANON - AUGUST 7, 2020: Pictured in this video screen grab are workers of Emercom Russian Emergency Situations Ministry continuing search and rescue efforts among the ruins of a grain elevator destroyed by the August 4 explosion in the port area. The resulting shockwave rocked half the city, killing over 140 citizens, injuring around 5,000, another 300,000 left homeless. Russian rescuers already discovered and retrieved three bodies from the debris. Best quality available. Emercom/TASS THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS0E2745

In Beirut wird mit allen Mitteln nach Vermissten gesucht. Bild: imago images / ITAR-TASS

Wettlauf gegen die Zeit – Internationale Helfer suchen in Beirut nach Überlebenden

Im Wettlauf gegen die Zeit bekommen einheimische Helfer nach der Explosionskatastrophe von Beirut Unterstützung von Bergungsteams aus dem Ausland – darunter aus Deutschland, Frankreich und Italien. Mit Spürhunden und Ortungsgeräten versuchten sie am Freitag, Vermisste auf dem von der Wucht der Detonationen komplett zerstörten Hafengelände zu finden.

Eine unheimliche Stille im Hafen von Beirut

Unter den Augen verzweifelter Angehöriger suchten Einsatzkräfte den dritten Tag in Folge nach Überlebenden in den Trümmern. "Ich warte darauf zu hören, dass du lebend aus den Trümmern gezogen wurdest, mein Liebling", schrieb Emilie Hasruti, die Schwester eines vermissten Hafenbeamten.

Über den einst geschäftigen Hafen hat sich seit der Explosionskatastrophe ein unheimliches Gefühl der Ruhe gelegt. Zu hören ist fast nichts mehr außer den schweren Maschinen, die sich den Weg durch verdrehte Eisenstangen und Berge von Betonschutt bahnen, um einen Weg für die Retter freizumachen.

Mehr als 300.000 Menschen obdachlos: "Alles ist pulverisiert worden"

Am Freitagmorgen bargen französische Einsatzkräfte nach eigenen Angaben vier weitere Leichen unter den Trümmern. Damit stieg die Zahl der Toten durch das Unglück auf 153. Nach offiziellen Angaben wurden bei der Katastrophe mehr als 5000 Menschen verletzt. Weite Teile Beiruts wurden durch die beiden Explosionen am Dienstag beschädigt, bis zu 300.000 Menschen wurden obdachlos. "Alles ist pulverisiert worden", sagte der Einsatzleiter eines 55-köpfigen französischen Einsatzteams.

Hilfsflüge aus dem Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sollten am Freitag im Libanon landen, gefolgt von weiteren aus Frankreich, Kuwait, Katar und Russland. Die EU gab 33 Millionen Euro an Soforthilfe frei, auch die US-Armee schickte am Donnerstag drei Flugzeugladungen mit Wasser, Nahrungsmitteln und medizinischem Material. 

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr in Beirut

Erste Helfer aus Deutschland waren am Mittwoch in Beirut eingetroffen: Ein Team von 50 Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) sollte erste Einsatzstellen sondieren und die deutsche Botschaft unterstützen, teilte die Zentrale in Bonn am Donnerstag mit. Kräfte aus der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (Seeba) sollen demnach mit vier Suchhunden und präzisem Gerät in den Trümmern nach Verschütteten suchen. 

Auch Einsatzkräfte der Bundeswehr haben ihre Arbeit in Beirut aufgenommen. Die Korvette "Ludwigshafen am Rhein" liegt nach Angaben des Verteidigungsministeriums zwölf Seemeilen vor der Stadt. Auch ein Erkundungsteam ist demnach in Beirut gelandet. Ein schnell verlegbares Luftrettungszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sei in Alarmbereitschaft versetzt worden. Ein weiteres Team für die Koordination und Steuerung der Hilfe sollte am Freitag eintreffen.

Viele medizinische Fachkräfte bieten Hilfe an

Die Malteser entsendeten drei Nothilfe-Experten aus Deutschland, um die Kräfte im Libanon zu unterstützen. In Deutschland sei die Hilfs- und Spendenbereitschaft für die betroffenen Menschen sehr hoch, erklärte der Landeskoordinator für den Libanon von Malteser International, Clemens Mirbach. "Es melden sich viele medizinische Fachleute und Pflegekräfte, um ihre Hilfe anzubieten."

Der deutsche Feuerwehrverband warnte unterdessen vor unorganisierten Reisen zum spontanen Hilfseinsatz in der Region. "Nur der offizielle und geordnete Rahmen kann gewährleisten, dass der Einsatz auch gewollt und effektiv ist und nicht noch die Ressourcen vor Ort weiter belastet", sagte der Vizepräsident des Verbandes, Hermann Schreck. 

(vdv/afp)

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