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Bild: imago/Mario Aurich, Getty Images, Hella Wittenberg | Montage: watson.de

Den Geheimratsecken die Stirn bieten! Anleitung von einem, der es wissen muss

Gavin Karlmeier
Gavin Karlmeier

Ich schätze, ich war gerade Anfang 20, als ich gemerkt habe, dass meine Haare dünner werden. Natürlich habe ich so reflektiert reagiert, wie jeder andere junge Mann, der merkt, dass seine Haare ausfallen:

Erst Panik, dann Ausblenden, dann Totschweigen: "Ach was, das macht mir überhaupt nichts aus. Außerdem war das schon immer so und das wird gar nicht schlimmer, aber lass uns bitte nie wieder darüber sprechen."

Zum Älterwerden gehört offenbar, sich plötzlich mit Problemen auseinanderzusetzen, von denen man immer glaubte, es gäbe sie nicht: Versicherungen, Lagerschaden in der Waschmaschine und Geheimratsecken bis zum Nacken. 
Ich würde lügen, würde ich sagen, dass das nicht mindestens eine Krise pro Woche ausgelöst hätte.

Und es ist ja vor allem nicht nur der Blick in den Spiegel. Es sind all die aufmerksamen Mitmenschen, die mit Blick (und Zeigefinger!) auf meiner Stirn etwas bemerken, das mir selbst nie aufgefallen wäre. "Da haste auch nicht mehr lange, ne?". Ich weiß nicht so genau, wie oft ich erklärt habe, dass das "schon immer so war" (siehe oben).

Aber das Schlimmste ist: Sie alle haben Recht. Und jeder, der sagt, dass es ihm nichts ausmacht, dass er die Kontrolle über seine Frisur verloren hat, lügt. Denn was Haarausfall zum Problem macht, ist nicht die Tatsache, dass man den Kontakt zu seinem Friseur verliert, sondern die Entscheidungsmöglichkeiten.

Während Menschen mit dauerhaft stabiler Haarlinie selbst entscheiden können, ob sie eine lange Mähne tragen oder den grünen Iro, bleibt für den genetisch Dispositionierten nur irgendwann der Kahlschlag, weil man sich die einzige optische Veränderungsmöglichkeit jeden Morgen ein bisschen mehr herauskämmt.

Doch was wären bis dahin meine Optionen?

Mein Gesicht ergibt mit einer Cap eine lustige Mischung aus Vorschüler und Pfannkuchen, eine Wollmütze lässt sich im Sommer nur schwierig verargumentieren und wer die dünnen Restbestände überkämmt, hat seinen Kopf doch längst aufgegeben.

Dann gibt es ein Medikament namens Finasterid, das – sehr vereinfacht gesagt – das verantwortliche Testosteron zerteilt, in eine gute und böse Hälfte, und so den Haarausfall stoppt.

Studien zeigen leider, dass der Eingriff in den Stoffwechsel jahrelange Impotenz zur Folge haben kann. (Welt)

Ansonsten: Teures Koffeinshampoo? Kurz gegoogelt: Okay, Wirkung nicht komplett bewiesen. Und allein die Vorstellung, dass jemand mit einer Nadel jedes Haar einzeln aus meinem Nacken in meine Stirn näht, bereitet mir Kopfzerbrechen.

Das ist der Ausweg!

Flucht nach vorn, sich die Argumente morgens vor dem Spiegel zurecht legen:

Haare waren mal dazu gedacht, warm zu halten. Als irgendwelche prähistorischen Wesen in Höhlen lebten und sich zwar am Feuer wärmen und mit Blättern bedecken konnten, war der Kopf in freier Wildbahn ständig nervigen Begleitumständen wie Regen oder Schnee ausgesetzt. Aus diesem Grund erfand die Evolution Haare.

Seitdem wir in Häusern leben, in winddichten Räumen schlafen und nicht mehr den ganzen Tag durch den Wald rennen und Tiere jagen, brauchen wir diese Haare also eigentlich gar nicht.

Haarausfall ist also keine Sparmaßnahme, sondern ein Beweis dafür, die Spitze der Evolution zu sein.

Wo wir sind, die mit 40 oben ohne durch die Welt laufen, sind andere erst in 500 Jahren. Oder Millionen. Auf jeden Fall: viel später.

Vielleicht sollte man daraus ja auch ein Movement starten, eine Bewegung. Denn: Sobald Geheimratsecken endlich zum Fashiontrend werden, schlägt unsere große Stunde.

Und bis dahin modellieren wir uns schon irgendetwas, das zumindest bis zur ersten Windböe hält.

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