Politik
President Donald Trump speaks in the Rose Garden of the White House, Monday, June 1, 2020, in Washington. (AP Photo/Patrick Semansky)

Donald Trump will eine Anordnung für eine Polizeireform vorlegen. Bild: ap / Patrick Semansky

Trump kündigt nach Floyd-Protesten Polizeireform an

Der Tod von George Floyd hat die USA erschüttert, nun heizt der Tod eines weiteren Schwarzen die Debatte über Rassismus und Polizeigewalt an. Präsident Trump ist schwer in die Kritik geraten – er will die Vorwürfe mit eigenen Reformen kontern.

Nach wochenlangen Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt infolge des Todes von George Floyd hat US-Präsident Donald Trump eine Anordnung zur Polizeireform angekündigt. "Das übergeordnete Ziel ist, dass wir Recht und Ordnung wollen", sagte Trump am Montag (Ortszeit) im Weißen Haus. "Und wir wollen, dass das fair, gerecht und sicher geschieht." Welche Reformen er konkret plant, wollte Trump erst bei einer Pressekonferenz am Dienstag um 18 Uhr unserer Zeit im Rosengarten des Weißen Hauses anlässlich der Unterzeichnung der Verfügung verkünden.

"Wir werden einige gute Lösungen haben", sagte Trump. Er fügte hinzu, die meisten Polizisten seien "großartige Menschen". Aus dem Weißen Haus hieß es am Montagabend, die Anordnung sehe unter anderem Anreize der Bundesregierung für Polizeibehörden vor, die Beamte besser ausbildeten. "Schlechte Polizisten", die durch übermäßige Gewaltanwendung aufgefallen seien, sollten früher ausgesiebt werden können. Auch sollten Sozialarbeiter verstärkt zum Einsatz kommen.

Die USA werden seit Wochen von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt erschüttert. Auslöser war der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis (Minnesota) am 25. Mai. Ein weißer Polizeibeamter hatte ihm fast neun Minuten lang sein Knie auf den Hals gedrückt, obwohl Floyd ihn darum bat, ihn atmen zu lassen.

Angeheizt wurden die Proteste durch einen erneuten tödlichen Einsatz von zwei weißen Polizisten gegen einen Schwarzen in Atlanta (Georgia) am Freitagabend. Beim Tod von Rayshard Brooks bei einer Polizeikontrolle gab es erhebliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Gewalt. Die Obduktion ergab, dass der 27-Jährige an Organschäden und Blutverlust durch zwei Schussverletzungen im Rücken starb, wie CNN unter Berufung auf die Gerichtsmedizin berichtete.

Protesters stand in front of police Sunday, June 14, 2020, in Atlanta. Rayshard Brooks, 27, was fatally shot by an Atlanta police officer Friday night. (Ben Gray/Atlanta Journal-Constitution via AP)

In Atlanta protestieren nach dem Tod des Schwarzen Rayshard Brooks durch Schüsse aus einer Polizeiwaffe viele Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Bild: ap / Ben Gray

Der Vorfall in Atlanta wurde von der Bodycam eines Polizisten festgehalten. Trump sagte, es habe sich um "eine furchtbare Situation" gehandelt. Der Präsident hat den Tod von George Floyd mehrfach verurteilt und das Recht auf friedliche Demonstrationen betont. Ihm wird jedoch vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und zu wenig Verständnis für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit zu zeigen.

Der Tod Brooks' in Atlanta befeuerte die Debatte um Polizeigewalt, Rassismus und Reformen der Sicherheitskräfte. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, diese Woche über eine Anklage gegen die beteiligten Polizisten entscheiden zu wollen. Videoaufnahmen der Ereignisse in Atlanta am Freitagabend zeigen die Interaktion zwischen zwei weißen Polizisten und Brooks, an dessen Ende einer der Beamten Schüsse auf ihn abgab. Der 27-Jährige starb nach einer Operation im Krankenhaus.

Brooks war am Steuer seines Wagens eingeschlafen, als er in der Schlange an einem Schnellrestaurant wartete. Die Bodycam des eintreffenden Polizisten hielt fest, was dann passierte: Brooks wurde aufgeweckt und angewiesen, sein Auto außerhalb der Schlange zu parken. Er gab an, etwas getrunken zu haben. Die Unterhaltung lief in ruhigem Ton ab - und das länger als 20 Minuten, wie US-Medien berichteten. Brooks verneinte die Frage, ob er eine Waffe bei sich trage, und willigte ein, abgetastet zu werden. Der Beamte bestellte einen Kollegen hinzu, um einen Alkoholtest durchzuführen.

Die Polizisten stellten fest, dass Brooks zu viel getrunken hatte, um Auto zu fahren, und wollten ihm Handschellen anlegen. Dann ging alles ganz schnell: Brooks wollte sich der Festnahme entziehen, die drei Männer fielen auf den Boden. In der Auseinandersetzung gelang es ihm, die Elektroschockpistole (Taser) des Beamten zu greifen und sich zu befreien. Es folgte eine kurze Verfolgungsjagd - vorbei an mehreren Autos, die in der Schlange des Restaurants warteten. Brooks drehte sich im Laufen um und aktivierte den Taser, woraufhin der Beamte hinter ihm seine Dienstwaffe zog und schoss.

Die Bürgermeisterin Atlantas, Keisha Lance Bottoms, kündigte am Montag Polizeireformen an. Polizisten müssten "Beschützer sein, nicht Krieger". Sie erlasse Verordnungen, um die Gewaltanwendung durch Polizisten auf das Nötigste zu begrenzen. Alle Beamte müssten künftig immer wieder in Deeskalation geschult werden, erklärte sie.

Zudem müssten alle Polizisten künftig bei exzessiver Gewaltanwendung durch Kollegen einschreiten und diese auch melden, um Strafen zu entgehen, sagte die Bürgermeisterin. Es gebe keine Maßnahmen, die Brooks zu seiner Familie zurückbringen könnten, aber sie werde sich künftig "jeden Tag dafür einsetzen, dass so etwas nicht wieder passiert". Die nun angeordneten Veränderungen seien nur der "erste Schritt" eines Reformprozesses. Brooks' Tod habe sie "wütend und traurig" gemacht.

Die New Yorker Polizei löst unterdessen eine Einheit zur Verbrechensbekämpfung mit 600 Zivilpolizisten auf, denen besonders oft Gewalt im Einsatz nachgesagt wurde. "Das ist ein großer Schritt", sagte Polizeichef Dermot Shea am Montag in New York. Die Entscheidung seien vergleichbar mit der Abschaffung des grundlosen Durchsuchens ("Stop and Frisk"), bei dem besonders häufig Schwarze brutal vernommen wurden. Die betroffenen Polizisten waren oft auf den Straßen der Millionenmetropole undercover unterwegs, Aktivisten sagten ihnen häufig aggressives Verhalten gegen Minderheiten nach.

(se/dpa)

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