Iran
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Kommt es zum Krieg gegen den Iran? Das spricht dafür und das dagegen

Die Golfregion ist ein notorischer Unruheherd. Nun haben die Spannungen zwischen den USA und Iran massiv zugenommen. Ein Krieg liegt in der Luft, aber es gibt auch Gründe, die dagegen sprechen.

Peter Blunschi / watson.ch

Das martialische Signet ist unvergessen. Mit "War in the Gulf", unterlegt durch dramatische Musik, leitete der Fernsehsender CNN 1991 seine Berichterstattung über die Operation "Desert Storm" ein. Damals vertrieb eine internationale Streitmacht unter Führung der USA die Iraker aus dem besetzten Kuwait.

Fast 30 Jahre später stehen die Zeichen in der Region erneut auf Sturm.

Es droht ein Krieg zwischen den USA und Iran. Vor einem Jahr kündigten die Amerikaner das Atomabkommen und führten neue Sanktionen gegen die Islamische Republik ein, die sie seither laufend verschärften. Das Ziel der Regierung Trump ist offenkundig: Sie will den Iran finanziell ausbluten und einen politischen Kurs- oder Regimewechsel in Teheran erzwingen.

Zusätzlich verlegten die Amerikaner eine Bomberstaffel und Kriegsschiffe in die Golfregion, angeführt vom Flugzeugträger "Abraham Lincoln". Am Dienstag wurden zudem Pläne des Verteidigungsministeriums bekannt, bis zu 120.000 Soldaten zu entsenden für den Fall, dass Iran amerikanische Truppen angreifen oder die Entwicklung von Atomwaffen vorantreiben sollte.

Damit nicht genug: Am Montag soll es vor der Küste des Golfemirats Fudschira zu Sabotageakten auf vier Handelsschiffen aus verschiedenen Ländern gekommen sein, darunter zwei saudische Tanker. Die Urheber des mysteriösen Vorfalls sind nicht bekannt, der Verdacht richtete sich jedoch gegen Iran. Dessen Regierung forderte eine "lückenlose Untersuchung" des Zwischenfalls.

Erinnerung an Tonkin

Unabhängige Experten sind skeptisch: Iran brauche die Gewässer vor Fudschira selber, um Öl umzuladen und die Sanktionen zu umgehen. Es sei ein schlechter Ort für Sabotage. Beobachter fühlen sich an den Tonkin-Zwischenfall erinnert. 1964 behauptete die US-Regierung, nordvietnamesische Schnellboote hätten zwei Kriegsschiffe im Golf von Tonkin angegriffen.

Der Vorfall hatte nie stattgefunden, doch der Kongress gab danach grünes Licht für ein direktes Eingreifen der USA in den Vietnamkrieg. Nun fürchten nicht wenige eine Wiederholung dieses Szenarios und einen erneuten Krieg am Golf. Wie groß ist das Risiko wirklich?

Das spricht dafür

Apr 11, 2019 - Washington, District of Columbia, U.S. - President DONALD TRUMP and President MOON JAE-IN of the Republic of Korea with MIKE POMPEO and JOHN BOLTON in the Oval Office of the White House. President Moon is expected to ask President Trump to reduce sanctions on North Korea in an attempt to jump-start nuclear negotiations between North Korea and the US. Washington U.S. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAz03_ 20190411_sha_z03_127 Copyright: xShealahxCraigheadx

Bild: www.imago-images.de

Als Ober-Kriegstreiber gilt John Bolton, der Sicherheitsberater von Donald Trump. Er war schon in den unseligen Irak-Krieg 2003 involviert und hält diesen bis heute für einen Erfolg, weil das Land als Bedrohung für die USA ausgeschaltet wurde. Die chronische Instabilität seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein, die den Aufstieg des "IS" ermöglichte, blendet er aus.

Bolton sporne den Präsidenten an, Iran in die Ecke zu drängen, schreibt die "New York Times" unter Berufung auf Mitarbeiter von Militär und Geheimdiensten in den USA und Europa. Ein namentlich nicht genannter Amerikaner bezeichnete die angebliche Bedrohung durch den Iran als aufgebauscht. Die Trump-Regierung wolle Teheran in einen bewaffneten Konflikt hineinziehen.

Treibende Kraft neben John Bolton ist Außenminister Mike Pompeo. Die beiden wollten den ahnungslosen Trump zu Schritten verleiten, die in einen Krieg münden könnten, bevor der Präsident dies realisiere, sagten europäische Regierungsbeamte der "New York Times". Dieses Szenario scheint plausibel, denn Trump ist bekanntlich leicht zu beeinflussen.

Eine trübe Rolle spielt auch Saudi-Arabien. Seit Teheran in Irak, Syrien und Libanon immer mehr Einfluss ausübt und die Huthi-Rebellen in Jemen unterstützt – das Ausmaß ist umstritten –, fühlen sich die Saudis zunehmend "umzingelt" und durch das Atomprogramm bedroht. Sie drängten bereits die Regierung Obama erfolglos zu einem Krieg gegen Iran. Bei Trump könnte es gelingen.

Das spricht dagegen

April 18, 2019 - West Palm Beach, Florida, United States Of America - WEST PALM BEACH, FL - APRIL 18: US President Donald Trump along with his wife First Lady Melania Trump greet supporters as they arrive on Air Force One at the Palm Beach International Airport to spend Easter weekend at Mar-a-Lago resort , Earlier in the day Trump Declared victory after the release of the Mueller Report. Also on board was Mick Mulvaney Director of the Office of Management and Budget, White House attorney Pat Cipollone and Daniel Scavino Jr. the White House Director of Social Media on April 18, 2019 in West Palm Beach, Florida....People: President Donald Trump, Melania Trump West Palm Beach United States Of America PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAs214 20190418_zaa_s214_136 Copyright: xSMGx

Bild: www.imago-images.de

Donald Trump ist eigentlich ein klassischer amerikanischer Isolationist. Er will die militärischen Abenteuer beenden und die US-Soldaten nach Hause holen. Er weiß dabei das kriegsmüde Volk auf seiner Seite. Außerdem ist er bereits im Wiederwahl-Modus. Einen Krieg, der die Benzinpreise nach oben und die Aktienkurse nach unten treiben dürfte, kann er nicht gebrauchen.

Seine Mitarbeiter sagten der "New York Times", Trumps Abneigung gegen langwierige Konflikte in Übersee sei die beste Hoffnung, um eine militärische Eskalation zu verhindern. Er sei sich bewusst, dass Boltons Haltung gegenüber dem Regime in Teheran zu einem Krieg führen könnte. Tatsächlich hat der Sicherheitsberater wiederholt militärische Schläge gegen Iran gefordert.

Es gibt auch objektive Gründe, die gegen einen Krieg sprechen. Iran ist ein anderes Kaliber als der Irak, bevölkerungs- und flächenmäßig fast viermal größer. Das Regime von Saddam Hussein war durch jahrelange Sanktionen auch militärisch geschwächt. Es hatte seine Massenvernichtungswaffen zerstört, entgegen den Behauptungen der Bush-Regierung.

Iran hingegen verfügt laut der "Washington Post" über das größte und vielfältigste Raketenarsenal im Nahen Osten. Die iranische Marine besitzt Minen und U-Boote, mit denen sie die für die globale Erdölversorgung enorm wichtige Straße von Hormus sperren kann. Hinzu kommen diverse von Iran unterstützte Milizen, die ebenfalls amerikanische Ziele angreifen könnten.

Anders als 2003 müssten die Amerikaner wohl ohne europäische Unterstützung auskommen. Auch die ihnen damals treu ergebenen Briten gehen auf Distanz. Der britische General Chris Ghika sagte am Dienstag, es gebe keine erhöhte Bedrohung durch von Iran unterstütze Kräfte in Irak und Syrien. Außenminister Jeremy Hunt warnte am Montag vor einem "Krieg aus Versehen".

Dies ist vielleicht die größte Gefahr. Die beiden Länder könnten in einen Krieg hineinstolpern. Im Pulverfass Golfregion genügt dafür ein Funke. Wer die Verantwortung tragen würde, ist klar. Der Nahost-Experte Vali Nasr von der Johns Hopkins Universität in Baltimore sprach gegenüber der "New York Times" Klartext: "Diese Krise wurde ausschließlich von der Trump-Regierung erzeugt."

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