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Epidemiologe Gérard Krause stellt bei "Anne Will" eine neue Idee zu gelockerten Schutzmaßnahmen gegen Corona vor. ARD/Screenshot

Lokal agieren: Epidemiologe hat neuen Vorschlag zur Lockerung der Corona-Maßnahmen

Das öffentliche Leben steht derzeit still in Deutschland. Das nahm "Anne Will" am vergangenen Sonntagabend zum Anlass, um mit ihren Gästen darüber zu diskutieren, wie es mit dem Corona-Ausnahmezustand im Land weitergehen soll. Dabei überraschten vor allem die Vorschläge des Epidemiologen Gérard Krause, der Dinge nannte, die bisher von der Politik noch nicht erwähnt wurden.

Während sich Krankenhäuser intensiv auf einen weiteren Anstieg der Covid-19-Fälle vorbereiten und Bund und Länder ein Milliardenpaket geschnürt haben, um Unternehmen und Arbeitern zu helfen, werden die Schreie nach Lockerung der Einschränkungen bereits lauter. Der Präsident des ifo Instituts, Clemens Fuest, rechnet vor, dass ein einmonatiger Shutdown die deutsche Wirtschaft vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes koste, jede weitere Woche sogar 40 Milliarden Euro.

"Das entspricht dem gesamten Verteidigungsetat in einer Woche."

Clemens Fuest

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Präsident des ifo-Instituts Clemens Fuest ARD/Screenshot

"Wir müssen auf Dauer Strategien entwickeln, die es uns erlauben, die Wirtschaft zu retten und unsere Gesundheit zu schützen", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. "Wir müssen arbeiten gehen und uns dennoch vor einer Ansteckung schützen." Er ist dafür, die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus bald sukzessive zurückzufahren, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt wird. Er glaubt, dass die Epidemie immer wieder zurückkommen wird und wir lernen müssen, damit umzugehen. Deshalb sollen die Maßnahmen bei Ausbruch weiterer Epidemien wellenartig angezogen und wieder gelockert werden.

Altmaier und Tschentscher gegen Lockerungen der Maßnahmen

Doch sowohl Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier als auch der Erste Bürgermeister von Hamburg Peter Tschentscher glauben, dass eine Lockerung verfrüht sei und falsche Signale senden würde. "Es wäre falsch einen Zeitpunkt zu nennen", sagt Altmaier. Derzeit sei es noch zu früh, die Situation abschätzen zu können. Auch Tschentscher, der selbst Arzt ist, plädiert dafür, "die Nerven zu behalten".

"Wir riskieren die Wirkung der Maßnahmen, wenn wir jetzt unvorsichtig sind."

Peter Tschentscher

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Die Gäste bei "Anne Will" (v.l.n.r.): Peter Tschentscher, Clemens Fuest, Peter Altmaier und Susanne Johna. ARD/Screenshot

Während die Gäste versuchen, den wirtschaftlichen gegen den gesundheitlichen Schaden aufzurechnen, hat der Epidemiologe Gérard Krause, der in der Sendung aus Hannover zugeschaltet ist, eine ganz andere Idee: Einerseits ist er der Überzeugung, dass es falsch ist, die Zahlen der Neuerkrankungen als Maßstab anzusetzen.

Derzeit dauert es in Deutschland 4,8 Tage bis sich die Fallzahlen verdoppeln. Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse diese Zahl auf zwölf Tage steigen, um über Lockerungen nachzudenken. Doch für ihn sei die Anzahl der Schwererkrankten, die im Krankenhaus intensivmedizinisch betreut werden müssen, ausschlaggebend. Denn diese Zahl entscheide, ob unser Gesundheitssystem zusammenbreche oder nicht.

Lokale Maßnahmen sinnvoller?

Des Weiteren plädiert er dafür, dass der öffentliche Gesundheitsdienst, der seiner Meinung nach "viel zu schlecht ausgestattet ist", viel besser vom Staat unterstützt wird. "Die kümmern sich um die Kontaktverfolgung von möglicherweise infizierten Personen und über diesen Dienst wird viel zu wenig diskutiert". Krause ist davon überzeugt, dass sich die Epidemie wellenartig verhalten wird und "lokale Brandherde" immer wieder entstehen werden. Deshalb fordert er, dass Maßnahmen auch nur lokal greifen, damit die Wirtschaft drumherum weiterhin funktionieren kann und somit kein gesamtgesellschaftlicher Schaden entsteht.

"Wünschenswert wäre, dass bei einem lokalen Ausbruch auch lokal interveniert wird."

Gérard Krause

Auch die anwesende Ärztin, Susanne John, die Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer sowie dortige Pandemiebeauftragte ist, stimmt ihm zu und weist dabei noch auf einen Punkt hin, der das Gesundheitssystem an seine Grenzen bringen könnte.

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Susanne John ist 1. Vorsitzende des Marburger Bundes. ARD/Screenshot

"Was wir dringend brauchen, ist Schutz für unser Personal. Wir brauchen Schutzausrüstung. Wenn wir die nicht haben, dann sehe ich ein großes Problem." Was sie meint, sind fehlendes Desinfektionsmittel und fehlende Schutzmasken. Sie fordert die Wirtschaft in Deutschland dazu auf umzustellen, sodass Textilproduzenten beispielsweise für eine Zeit Gesichtsmasken herstellen können. "Ich appelliere dazu, das in den Fokus zu nehmen. Wir brauchen das Personal. Uns bringen neue Beatmungsgeräte nichts, wenn kein gesundes Personal da ist, um sich um die Patienten zu kümmern."

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alexandra Violetta 01.04.2020 07:58
    Highlight Highlight Bei regionalen Brandherden regional reagieren. Das wäre sehr wünschenswert! Wir können nicht wochenlang deutschlandweit alles dicht mschen, die Leite trotzdem auf Arbeit schicken und dann hoffen, dass es trotzdem läuft.
    Ich habe nicjt nur Geld, ich bin auch gewillt es auszugeben. Ich kann nur nicht, weil alles geschlossen ist. Aber los rennen und arbeiten, DAS darf ich natürlich noch! Und je "unwichtiger", um so länger gehöre ich zu denen, die weiterhin quer durch die BRD reisen dürfen, mit engem Kundenkontakt usw... 🤦🏼‍♀️

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