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Eine junge Frau in New York trägt wegen der Corona-Krise eine Atemschutzmaske. Bild: ZUMA Wire / Marie Le Ble

Viele schwere Covid-19-Fälle bei Jungen in USA: Experten erklären, woran es liegt

Zuerst hieß es, das Coronavirus betreffe eigentlich nur ältere und kranke Menschen. Dann hieß es, okay, alle können es bekommen, aber die schweren Verläufe betreffen vor allem Ältere und Kranke. Neue Zahlen aus den USA zeigen nun, dass jüngere Patienten dort einen beträchtlichen Anteil an der Gesamtzahl der schweren Fälle darstellen.

Es handelt sich um Zahlen des Centers for Disease Control and Prevention, einer Behörde des US-Gesundheitsministeriums.

Dazu kommt, dass selbst Jugendliche und Kinder schon am Coronavirus gestorben sind. So erlagen etwa eine 16-jährige Französin sowie ein 13-jähriger Junge aus England ihren jeweiligen Covid-19-Erkrankungen.

Am Anfang nur auf Sterberate fixiert

Auch eine aktuelle Studie aus Shenzhen in China legt nahe, dass junge Leute sich genauso oft mit dem Coronavirus anstecken wie ältere. Epidemiologe Timothy Brewer aus Los Angeles meint, am Anfang der Pandemie sei man mehr auf Sterberaten fixiert gewesen. Diese seien unter jungen Leuten tatsächlich deutlich niedriger, erklärt er dem "Guardian".

"Ich glaube, die Leute haben das so interpretiert, dass junge Menschen es nicht bekommen können, und wenn doch, dass ihre Krankheitsverläufe nicht schwer sein könnten."

Jetzt, wo mehr Daten zur Verfügung stünden, sehe man, dass es auch bei vielen jungen Patienten zu schweren Verläufen komme. Der Unterschied sei eben nur die geringere Sterblichkeit.

Kinderärztin nennt US-spezifische Gründe

Die Kindermedizinerin Edith Bracho-Sanchez erklärt der Zeitung außerdem, dass es auch spezifische Gründe für die hohe Rate an jungen Infizierten mit schweren Verläufen in den USA geben könnte. Es gebe große Unterschiede, was den allgemeinen gesundheitlichen Zustand der amerikanischen Bürgerinnen angehe, sagt sie und nennt ein Beispiel:

"Fast zwei von zehn Kinder in diesem Land sind stark übergewichtig, bei den jungen Erwachsenen sind es fast vier von zehn."

Zahlen sind nur eine Momentaufnahme

Allerdings ist bisher nicht bekannt, ob es einen Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht und schweren Covid-19-Erkrankungen gibt. Das betont Christopher Murray, Gesundheitsstatistiker aus Washington, gegenüber dem "Guardian": "Wir brauchen einfach mehr genaue Daten, um das zu verstehen."

Apropos Daten: Alle drei US-Experten verweisen darauf, dass die bisher erhobenen Daten nicht mehr als eine Momentaufnahme seien. Schließlich stehen wir immer noch am Anfang der Pandemie.

Virologen hierzulande haben schon immer darauf verwiesen, dass das Coronavirus auch jüngere Patienten treffen kann. Woran das konkret liegt? Dazu gibt es verschiedenste Einschätzungen, die bisher jedoch alle nur Vermutungen sind (mehr dazu hier).

(om)

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