Coronavirus
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Virologe Alexander Kekulé lieferte bei "Deutschland fragt zu Corona" die steilste These des Abends. Bild: screenshot pro sieben

Virologe: "Die Chinesen haben uns am Anfang nicht die Wahrheit gesagt"

Das Coronavirus behält Deutschland im Griff. Wohl so ziemlich jeder fragt sich gerade, wie es weitergehen soll. Den drängendsten Fragen stellten sich am Mittwochabend unter anderem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, Bundesfinanzminister Olaf Scholz sowie der Virologe Alexander Kekulé bei "Deutschland fragt zu Corona" auf Pro Sieben. Zuschauer konnten über Skype, Whatsapp und viele andere Wege ihr Anliegen vorbringen. Und viele machten von der Möglichkeit Gebrauch.

Mit einer besonders steilen These fiel dabei Alexander Kekulé auf. "Die Chinesen haben uns am Anfang nicht die Wahrheit gesagt", erklärte der Wissenschaftler auf die Frage des Moderators Stefan Gödde, ob junge Menschen das Virus zu Unrecht unterschätzen.

"Sie meinten zuerst, es sterben nur Alte und Kranke." Der Grund dafür sei ganz einfach, führte Kekulé weiter aus. "Die wollten einfach schnell viele Helfer nach Wuhan reinbringen, deswegen haben sie das so dargestellt."

Inzwischen habe man aber andere Erkenntnisse. Man wisse, dass auch ein Teil der gesunden, jungen Leute einen schweren Krankheitsverlauf aufweise. Das seien zwar nicht viele, etwa 90 Prozent seien ältere Menschen. Außerdem räumte Kekulé, dass weltweit bisher niemand unter 19 Jahren an dem Virus gestorben sei. Kekulé gab aber zu bedenken, dass es neben den direkten Folgen des Virus auch indirekte geben könne.

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"Die Chinesen haben uns nicht die ganze Wahrheit gesagt", ist Alexander Kekulé überzeugt. Bild: screenshot pro sieben

"Gerade, wenn ihr jung seid, kann es doch sein, ihr fahrt mit dem Fahrrad und brecht euch den Fuß. Da kann es doch keiner wollen, dass das Krankenhaus ein gefährlicher Ort ist, wo man nicht mehr hin kann."

Alexander Kekulé, Virologe

Der Service, den man gewohnt sei, dass man immer sofort an einen Arzt komme, sei dann eben nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Damit war der überraschendste Moment der Sendung schon relativ früh am Abend erreicht. Ansonsten gab es viele beruhigende Worte, vor allem von den beiden Politikern. Söder betonte eingangs nochmal, wie schwer ihm die letzten Sonntag verabschiedeten Einschränkungen gefallen seien, verwies aber erneut darauf, dass Bayern an Österreich und Italien grenze. "Diese Maßnahmen sind die einzigen, die vertretbar waren", gab er sich überzeugt.

Auf die Frage einer Hebamme, ob es stimme, dass Väter bei der Geburt eines Kindes nicht mehr in den Kreißsaal dürften, erwiderte er, man habe zwar starke Einschränkungen für Besuche in Krankenhäusern erlassen, aber nicht bei Geburten. Kekulé stimmte ihm zu. "Ich gehe davon aus, dass Menschen, die ein Kind zusammen bekommen, schon vorher Kontakt hatten", erklärte der Wissenschaftler mit einem verschmitzten Grinsen. Deshalb gebe es auch keinen Grund, sie ausgerechnet bei der Geburt eines Kindes zu trennen.

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Markus Söder (l.) war wieder sehr staatsmännisch. Bild: screenshot pro sieben

Söder erklärt, was erlaubt ist und was nicht

Gleich zwei Fragesteller wollten von Söder wissen, ob sie denn noch innerhalb Deutschland reisen dürften. Eine Frau wollte von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg fahren, um dort ihr Enkelkind zu betreuen. Ein Mann wiederum hatte vor, von Stuttgart nach Berlin zu reisen, um dort seiner Tochter beim Umzug zu helfen. Beiden erklärte Söder, dass es zwar theoretisch erlaubt sei, es aber nur bedingt zu empfehlen sei. Eigentlich empfehle man Älteren, möglichst keinen Kontakt zu Jüngeren zu haben, führte er an die Frau gerichtet aus. Dem Mann riet er: "Wenn es aufschiebbar ist, wäre das besser."

Beiden drohten aber keine Sanktionen, stellte er klar.

"Sanktionen und Strafen sind vor allem da vorgesehen, wo es um Unvernunft oder sogar Boshaftigkeit geht"

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern

Der Ministerpräsident, der früher losmusste, hatte noch ein paar beruhigende Worte zum Abschied dabei. "Wir werden da durchkommen", sagte er. "Es ist nur die Frage, wie." Alle müssen sich darauf konzentrieren, Politik, Medizin, die Unternehmen.

Apropos Unternehmen: In Sachen Wirtschaft mahnte Söder zur Vorsicht. Deutschland dürfte nicht zum großen Übernahmekandidaten werden, denn die Länder, die schneller aus der Krise kämen als wir, hätten jede Menge Kapital und könnten dementsprechend alles hier aufkaufen. Auch Europa mache ihm Sorgen. "Es tut mir weh, wie Italien bisher allein gelassen wird."

"Die wirtschaftliche Herausforderung wird uns genauso beschäftigen."

Markus Söder

Finanzminister Scholz durfte indes fast nur Fragen zum Thema Wirtschaft beantworten, bis auch er früher gehen musste. Es gebe eine Reihe von Maßnahmen für alle betroffenen Wirtschaftszweige, erklärte der Hanseate. "Wer bis Ostern wegen der Betreuung seiner Kinder nicht zur Arbeit kann, hat einen Anspruch bei seinem Arbeitgeber, den der sich wiederum bei den Behörden wiederholen kann. Das heißt, der Lohn wird vom Staat abgesichert."

Krise als Chance - für die Digitalisierung

So weit, so beruhigend. Die Frage, die wohl viele von uns am meisten beschäftigt, konnte die Runde, in der außerdem noch Frank Thelen ("Höhle des Löwen") saß, nicht beantworten: Wann kehrt in Deutschland wieder so etwas wie Normalität ein?

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Frank Thelen (l.) sieht in der Krise auch eine Chance. Bild: screenshot pro sieben

Immerhin Frank Thelen konnte der Krise noch etwas abgewinnen: Dank der Erfahrungen, die man während der Quarantäne gemacht habe, werde die Digitalisierung nun sicher schneller vorangetrieben werden.

"Man hat doch jetzt gesehen, dass Videokonferenzen funktionieren."

Frank Thelen, Investor

Das könne für Deutschland einen Evolutionssprung bedeuten, war Thelen sich sicher. Hoffen wir mal, dass er damit recht behält.

(om)

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