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In vielen deutschen Städten fanden wie hier in Berlin Demonstrationen wegen des Nahost-Konflikts statt. Bild: www.imago-images.de / Bernd Elmenthaler

Deutschlandweite pro-palästinensische Demonstrationen überwiegend friedlich – Ausschreitungen in Berlin

Bei pro-palästinensischen Demonstrationen in mehreren deutschen Städten ist es überwiegend friedlich geblieben. Nur in Berlin kam es am Nachmittag zu Ausschreitungen.

3500 in Berlin – Demo wegen fehlendem Abstand aufgelöst

In Berlin demonstrierten nach Polizeiangaben rund 3500 Teilnehmer in Neukölln. Aus den Reihen der Demonstranten, die sich angesichts der Gewalteskalation im Nahen Osten zu dem Protest versammelt hatten, wurden Steine und Flaschen auf die Polizei geschleudert, auch Feuerwerkskörper flogen gegen die Sicherheitskräfte. Demonstranten schlugen auf Polizisten ein. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Ob Demonstrationsteilnehmer festgenommen wurde, konnte ein Polizeisprecher zunächst nicht bestätigen.

Die Polizei hatte den Protest wegen des Verstoßes gegen die Corona-Hygieneregeln für aufgelöst erklärt. Da sich Demonstrationsteilnehmer nicht an die Anordnung hielten, schritten die Beamten auf der Sonnenallee in Neukölln gegen sie ein. Aus der Demonstration wurden Rufe wie "Kindermörder Israel", "Frauenmörder Israel" und "Free Palestine" laut.

Zuvor war eine andere Demonstration mit rund 120 Teilnehmern vom Hermannplatz zum Rathaus Neukölln friedlich verlaufen. Am Nachmittag sollte es eine weitere Demonstration gehen. Gefordert wurde in einem Aufruf der Kampf für "ein freies Palästina, vom Jordan bis zum Mittelmeer". Insgesamt waren 360 Polizisten im Einsatz.

800 Demonstranten in Köln

Rund 800 Menschen haben am Samstag in Köln gegen Israel und für Palästina demonstriert. Sie schwenkten palästinensische Flaggen und Schilder mit Aufschriften wie "Freiheit für Palästina" und "Stop the Genocide" (Stoppt den Genozid), aber auch "Gegen Zionisten - nicht gegen Juden". Da etwa doppelt so viele Menschen gekommen waren wie angemeldet, konnten die Corona-Abstände auf dem für die Kundgebung vorgesehenen Platz in der Kölner Altstadt nicht eingehalten werden. Deshalb habe die Versammlungsleiterin die Demonstration vorzeitig beendet, sagte ein Polizeisprecher.

Zwei Teilnehmer kletterten während der Kundgebung auf ein Reiterstandbild und entrollten dort eine palästinensische Flagge. Auf Aufforderung der Polizei – die mit massiven Kräften anwesend war – kamen sie aber wieder herunter.

Pro-Israelischer Gegenprotest in Leipzig

Mehrere hundert Menschen sind am Samstag in der Leipziger Innenstadt gegen die Gewalt im Nahen Osten auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Polizei nahmen an einer "Pro-Palästina"-Demonstration zeitweise bis zu 400 Menschen teil. Ihnen standen den Schätzungen zufolge etwa 200 Teilnehmer einer Kundgebung "Pro Israel" gegenüber. Anfangs sei die Stimmung kurz aufgeheizt gewesen, zwischen beiden Seiten hätten sich einige Demonstranten Wortgefechte geliefert, sagte ein Polizeisprecher. Die Situation sei aber nicht weiter eskaliert und habe sich beruhigt.

Pro-palästinensische und pro-israelische Demos in Hannover

Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot haben in Hannover am Samstag unterschiedliche Gruppen auf die militärische Eskalation im israelisch-palästinensischen Konflikt aufmerksam gemacht. An den Veranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen nahmen laut Polizei bis zum Nachmittag insgesamt zunächst etwa rund 800 Personen teil. Ein Polizeisprecher beschrieb die Lage als ruhig. Am Abend sollte es eine abschließende Bilanz geben. In der Innenstadt war die Polizei mit starken Kräften präsent. Auch Wasserwerfer parkten in der Nähe der Veranstaltungsorte.

Viele Demonstranten verurteilten die Militäraktionen Israels im Gaza- Streifen und forderten eine Ende der "Unterdrückung des Palästinensischen Volkes". Am Hauptbahnhof gab es eine Kundgebung unter der Motto "Gegen jeden Antisemitismus – Solidarität mit Israel". Eine andere Demonstration wandte sich laut Polizei gegen die "Angriffe der Türkei auf Südkurdistan". In Hildesheim nahmen rund 130 Demonstranten an einer Versammlung mit dem Thema "Krieg in Israel" teil. Die Veranstaltung sei grundsätzlich friedlich und störungsfrei abgelaufen, so die Polizei.

Auch in anderen deutschen Städten waren am Samstag Demonstrationen geplant. Anlass des Protestes war neben der eskalierenden Gewalt auch der Tag der "Nakba" (Katastrophe), den Palästinenser am 15. Mai begehen. Sie gedenken damit der Vertreibung und Flucht Hunderttausender Palästinenser im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

(om/dpa/afp)

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