08.03.2021, Gro

Boris Johnson und die Briten sind not amused. Bild: dpa / Hannah Mckay

Impfstoff-Streit: EU-Vertreter ins Londoner Außenministerium zitiert

In einer neuen Eskalation des Impfstoff-Streits zwischen Brüssel und London ist ein Vertreter der EU ins britische Außenministerium einbestellt worden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen in London am Dienstagabend. Grund sei eine Äußerung von EU-Ratspräsident Charles Michel zu einer angeblichen Sperre für Impfstoff-Exporte des Landes gewesen. Es handle sich dabei um eine Falschbehauptung, die auf verschiedenen Ebenen innerhalb der EU immer wieder vorgebracht worden sei, so die Quelle.

"Die britische Regierung hat nicht einmal den Export einer einzigen Covid-19-Impfung blockiert", teilte ein Downing-Street-Sprecher am Dienstagabend mit. Alle Verweise auf ein britisches Export-Verbot oder jegliche Einschränkungen für Impfstoffe seien komplett falsch. Ein gleichlautendes Schreiben schickte der britische Außenminister Dominic Raab zudem an den EU-Ratspräsidenten.

EU-Ratspräsident Michel sorgte in London mit Aussage für Wirbel

Michel hatte zuvor in seinem Newsletter das Programm zu Impfstoffbeschaffung der EU-Kommission verteidigt. Behauptungen, die EU betreibe Impf-Nationalismus seien schockierend, schrieb er. Beispielsweise stamme der größte Teil des in Israel verabreichten Impfstoffs aus Belgien. Die EU habe nie aufgehört zu exportieren.

European Council President Charles Michel participates in a video conference with German Chancellor Angela Merkel at the European Council building in Brussels, Friday, March 5, 2021. (John Thys, Pool via AP)

EU-Ratspräsident Charles Michel. Bild: ap / John Thys

Anders sei das in den USA und Großbritannien. "Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten haben eine regelrechte Sperre verhängt für den Export von Impfstoffen oder Impfstoff-Komponenten, die auf ihrem Gebiet produziert werden", schrieb Michel. Später legte er sogar noch nach. Er suggerierte dabei, Großbritannien habe die Exporte auf indirektem Wege gestoppt. "Froh, wenn die britische Reaktion zu mehr Transparenz und erhöhten Exporten in die EU und Drittländer führt", schrieb er auf Twitter und fügte hinzu: "(Es gibt) verschiedene Wege, um Sperren oder Beschränkungen für Impfstoffe/Medikamente einzuführen."

London hatte Brüssel kürzlich wegen des Stopps einer Lieferung von Astrazeneca-Impfstoff an Australien kritisiert. Die EU hatte einen Export-Kontrollmechanismus eingeführt, nachdem das britisch-schwedische Unternehmen seine Lieferzusage erheblich gekürzt hatte. Großbritannien ist von den Lieferproblemen Astrazenecas aber nicht betroffen. Nach Angaben von Geschäftsführer Pascal Soriot hat London in seinem Vertrag mit Astrazeneca vereinbart, dass die Werke auf britischem Boden zuerst nur für den britischen Markt produzieren dürfen. Das scheint aber der Abmachung mit Brüssel zu widersprechen.

(hau/dpa)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Englische Uni stellt Thunberg-Statue auf – Kritik von Studenten

Trotz Kritik von Studierenden hat eine Universität in England diese Woche eine Statue der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg enthüllt. Die Bronze-Skulptur stellt sie mit langem geflochtenem Haar und ausgestreckter Hand dar. Es handelt sich nach den Angaben um die weltweit erste lebensgroße Statue der inzwischen 18 Jahre alten Schwedin.

"Greta ist eine junge Frau, die trotz der Schwierigkeiten in ihrem Leben eine weltweit führende Umweltaktivistin geworden ist", hieß es in einer …

Artikel lesen
Link zum Artikel