Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Yellow map of Germany with federal state Saxony isolated in red. Vector EPS10

Bild: iStockphoto/dpa/collage

Wikipedia sperrt 62.000 sächsische Rechner wegen gelöschtem Rassismus-Absatz

lars wienand

Sächsische Landesbedienstete und Mitarbeiter im Landtag sind derzeit weitgehend vom Schreiben in der Wikipedia ausgeschlossen. Ein Wikipedia-Administrator hat am Mittwoch alle Rechner aus dem Sächsischen Verwaltungsnetz von der Bearbeitung ausgeschlossen. Gesperrt wurde der komplette Adressbereich von mehr als 2000 Adressen, das betrifft auch die Rechner im Landtag.

Mehrere heikle Änderungen

Ein Bot, der automatisiert anonyme Änderungen von Wikipedia-Einträgen aus Bundeseinrichtungen und dem Bundestag meldet, hatte Nutzer hellhörig gemacht: Aus dem Netz war anonym der Eintrag von "Sachsen" kosmetisch geändert worden.

Der komplette Absatz über Rassismus in Sachsen war gelöscht worden. Von der gleichen Adresse aus waren auch Änderungen zur Bewertung von Pegida und zu einem sächsischen AfD-Abgeordneten vorgenommen worden.

Doch den Adressbereich hat das Bundesinnenministerium dem Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste überlassen, die Änderung kam also von einem Rechner, der über das Netz des Landes online ist. Nach Angaben des Staatsbetriebs Sächsische Informatik Dienste (SID) geht es um 62.000 Arbeitsplätze, auch in Schulen und Kommunen, in der Staatskanzlei und im Landtag. Angesichts des Umstands, dass alle sächsischen Einrichtungen betroffen seien, "erscheint die Reaktion seitens Wikipedia überzogen", kritisiert SID-Sprecherin Karti Rössel.

Sperre gilt für einen Monat

Um 14.25 Uhr am Mittwoch hatte Wikipedia-Administrator "Nolispanmo" Konsequenzen gezogen: Der komplette Adressbereich des Landes Sachsen ist seither für einen Monat von der anonymen Bearbeitung ausgeschlossen. Mit bereits registrierten Accounts ist das Schreiben weiter möglich.

Generell kann jeder an der Wikipedia mitarbeiten, Ergänzungen oder Änderungen mit entsprechenden Belegen und Begründungen können auch anonyme Nutzer vorschlagen.

Von fünf Adressen des Landesnetzes war das in den vergangenen Wochen auch geschehen. Zum Großteil ging es um sachliche Ergänzungen völlig unpolitischer Themen.

Lösch-Begründung: "Ist nur Meinung"

Doch am Mittwoch hatte dann ein Nutzer das wenig schmeichelhafte Kapitel Rassismus tilgen wollen. Begründung: „Hier fehlen die Belege, ein reiner Meinungsartikel“. Erfolgreich war er damit nur für Sekunden, dann revidierte ein Administrator die Löschung bereits.  

Der Fall löste aber Aufmerksamkeit aus – und warf Fragen zu anderen Änderungsvorschlägen auf: So war von der anonymen Adresse der Beitrag der früheren DDR-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe geändert worden. Barbe, CDU-Mitglied und bis vor einem Jahr Mitarbeiterin der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, ist Pegida-Mitglied. Und im Beitrag der Enzyklopädie wurde aus der "fremdenfeindlichen" Pegida-Bewegung plötzlich eine "islamkritische".

Auch der Eintrag des AfD-Landtagsabgeordneten André Wendt war umgeschrieben worden: Hier löschte der anonyme Nutzer die Information, dass Wendt öffentlich die Verfolgung von Homosexuellen als Asylgrund abgelehnt hat.

Spur führt zunächst nur zu Vermittler-Rechner

Das sächsische Innenministerium erklärte auf Twitter, es werde nun geprüft, ob sich die Adresse eingrenzen lässt. Der zuständige Staatsbetrieb Informatik antwortete auf eine Anfrage von t-online.de, man könne die Adresse im zentralen Sächsischen Verwaltungsnetz nur zu einem Proxy auf der nächsttieferen Ebene verfolgen. Der Proxyserver vermittelt Anfragen von den jeweiligen Rechnern in das Netz, es erscheint die Proxyadresse, nicht die eines konkreten Rechners. Das ist also eine Art Sammeladresse, die in der Regel der entsprechenden zentralen Stelle des jeweiligen Ressorts zugeordnet sei.

Allgemein erklärte das SID, eine Recherche nach dem konkreten Rechner hinter dem Proxy könnte gegen Dienstvereinbarungen mit dem jeweiligen Personalrat verstoßen, weil die Protokollierung der Daten unterschiedlich lange gespeichert werden dürfen.

Wechselnde Kinderzahl beim Justizminister

Andere Änderungen aus dem Sachsennetz, offenbar von einem anderen Rechner, betrafen die Zahl der Kinder des sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow. Sie wurde seit Oktober mehrfach von zwei auf drei geändert. Administratoren machten das jeweils rückgängig, selbst als sich eine Nutzerin als Mitarbeiterin des Politikers kenntlich machte und die Angabe wieder auf drei änderte. Ohne eine öffentliche Quelle ist die Wikipedia-Aufsicht unerbittlich.

Am Donnerstag schließlich konnte sich das dritte Kind auch in der Wikipedia durchsetzen: Ein Nutzer hatte die Zahl auf der Seite des Bundesrats gefunden. Ansonsten hätte dieser Artikel Beleg sein können: Jörg Herold, Pressesprecher des sächsischen Justizministeriums, bestätigte t-online.de am Donnerstag: "Er hat drei Kinder, ich habe sie alle schon gesehen."

In der Wikipedia toben manchmal regelrechte Editier-Schlachten. Der erst Ende 2012 angelegte Eintrag der Alternative für Deutschland wurde bereits fast 9000 Mal geändert. Damit findet er sich auf Platz sieben der meist editierten Seiten. Am häufigsten angefasst wurde "Deutschland" mit mehr als 15.000 Änderungen, besonders intensiv gerungen wird auf Platz 2 auch um "Kultur Deutschlands".

Und auch der Wikipedia-Eintrag von Sachsen änderte sich am Donnerstag. Am Nachmittag war das Kapitel "Rassismus" umbenannt in "Rechtspopulismus und Rechtsextremismus" – und war gekürzt.

Dieser Text erschien zuerst bei t-online.de

Das könnte dich auch interessieren:

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Rechte Hooligans sind in einem Essener Karnevals-Umzug mitgefahren

In den rheinischen Hochburgen Köln und Düsseldorf ist der Karneval am Rosenmontag auf seinem Höhepunkt angekommen. In anderen Städten fanden auch am Sonntag schon Karnevalsumzüge statt. Bei einem Stadtteilumzug in Essen haben gewaltbereite rechte Hooligans mit einem eigenen Wagen mitgemacht. Darauf: Ein Spruch, der als Gewaltaufruf gegen Linke verstanden werden kann.

Die "Steeler Jungs" sehen sich selbst als "Bürgerwehr". Zu Dutzenden sind sie seit dem vergangenen Jahr im Wochenrythmus vor allem …

Artikel lesen
Link zum Artikel