Politik

Nun doch der 12. Juni? Trump schlingert und schadet allen

Philipp Löpfe/team watson

Nachdem der US-Präsident verkündet hatte, die Verhandlungen mit Nordkorea seien geplatzt, meldete sich Kim Kye-Gwan, der stellvertretende nordkoreanische Außenminister, zu Wort. Seine Regierung sei bereit, "jederzeit die anstehenden Probleme zu lösen". Donald Trump hat das scheinbar Unmögliche geschafft: Neben ihm stand plötzlich selbst der irre Kim Jong-Un als Mann der Vernunft da.

Umgehend äußerte sich dann auch Donald Trump am Freitag wieder vor US-Reportern, und änderte wieder seine Fahrtrichtung: Das könne die Friedensverhandlungen wieder auf den Weg bringen, vielleicht sogar am 12. Juni. "Wir werden sehen, was passiert. Wir reden gerade mit ihnen", sagte Trump.

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Überraschen sollte das niemanden. Trump geht stets nach der gleichen Methode vor. Edward Luce fasst sie in der "Financial Times" wie folgt zusammen: "Drohungen, gefolgt von Versöhnung, gefolgt von Tobsucht, gefolgt von Drohungen. Das ist Trumps Dialektik: Waschen, spülen und wiederholen."

"Die US-Autohersteller wollen und brauchen keinen Schutz."

Wall Street Journal

Der abgesagte Gipfel in Singapur und der anschließende Schlingerkurs um dessen Wiederaufnahme ist bloß das jüngste Beispiel dieser Dialektik. Im Handelskrieg gegen China ist Trump genauso vorgegangen: Zuerst hat er massive Strafzölle angekündigt und verlangt, dass China seinen Exportüberschuss mit den USA abbaut (dass er dabei falsche Zahlen genannt hat, ist bloß eine Randbemerkung).

Warum Trumps bisherige Nord-Korea Strategie scheiterte:

Seltsame Dialektik

Dann hat er ein Verhandlungsteam nach Peking entsandt (dass dieses untereinander zerstritten war, war nicht eben hilfreich). Dann lenkte er ein, nachdem China ein paar unbedeutende Konzessionen gemacht hatte. Schließlich hat er erkannt, dass er über den Tisch gezogen wurde. Tobsuchtsanfall, Neuanfang.

Täglich sendet der US-Präsident völlig widersprüchliche Botschaften aus. Am Montag jubelte er, die Strafzölle gegen China nicht einzusetzen, sei "etwas vom Besten gewesen, das unseren Bauern passieren konnte". Tags darauf jammerte er, er sei mit dem Resultat der Verhandlungen "nicht zufrieden". Am Mittwoch jedoch twitterte er: 

"Unser Handels-Deal mit China ist bestens unterwegs."

Dasselbe Muster zeichnet sich mit den angekündigten Strafzöllen auf Autoimporte aus Europa ab. Trump macht zuerst aus einer Mücke einen Elefanten. Gerade mal vier Prozent aller in die USA eingeführten Autos stammen aus Deutschland, was Trump speziell ins Visier genommen hat. Die deutschen Autohersteller haben zudem alle großen Werke in Amerika aufgebaut und sind vor allem im Süden zu wichtigen Arbeitgebern geworden.

Trumps Feindbild: Deutsche Autos

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Selbst das Trump-freundliche "Wall Street Journal" rümpft deshalb die Nase. "Die US-Autohersteller wollen und brauchen keinen Schutz", stellt das Blatt fest und fügt hinzu: "Wir vermuten, dass die Strafzölle auf ausländischen Autos ein weiterer Versuch sind, die Verbündeten in Sachen Handel zur Aufgabe zu zwingen."

Bisher sind die Drohgebärden wirkungslos. Kanada und Mexiko weigern sich, die von den USA verlangten Zusagen im Freihandelsvertrag Nafta zu akzeptieren. Trump läuft die Zeit davon. In Mexiko stehen Wahlen vor der Tür, und der voraussichtliche Wahlsieger, der linke Kandidat Lòpez Obrador, will noch weniger Konzessionen machen.

Die Welt lernt, mit Trump zu leben

Sollte Trump dereinst tatsächlich Strafzölle verhängen, werden amerikanische Konsumenten und amerikanische Bauern die Opfer sein. Die einen müssen mehr für die Importe bezahlen, die anderen verlieren ihren wichtigsten Kunden, die Chinesen.

Auch das Prestige der Supermacht USA nimmt Schaden. Die Welt lernt, mit Trumps berechenbarer Unberechenbarkeit zu leben. Die Asiaten schließen den Freihandelsvertrag TPP ohne die Amerikaner ab, die Europäer suchen nach Wegen, sich mit dem Iran zu arrangieren, und die ganze Welt hält am Pariser Klimaabkommen fest, obwohl Trump es gekündigt hat.

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