USA
Bild

Von links nach rechts: Beto O'Rourke, Stacey Abrams und Andrew Gillum.

Diese 3 jungen Demokraten sind der Albtraum der Republikaner

Unverbraucht und progressiv: Stacey Abrams, Beto O’Rourke und Andrew Gillum jagen den Republikanern einen Heidenschrecken ein.

Philipp Löpfe / watson.ch

Jahrzehntelang haben in den USA die Politiker ihr Heil in der Mitte gesucht. Progressive Positionen zu vertreten mag an Universitäten angesagt gewesen sein, im Wahlkampf galt es als politischer Selbstmord. Auch oder vor allem bei den Demokraten.

Bild

Totes Gürteltier auf gelben Streifen in der Mitte einer Strasse in Texas.

In Texas sah dies der linksliberale Polit-Guru Jim Hightower immer schon ein bisschen anders. "Das Einzige, was man in der Mitte der Strasse sieht, sind gelbe Linien und tote Gürteltiere", pflegt er zu spotten.

Diese Erkenntnis gewinnt bei den Demokraten an Beliebtheit. An den Zwischenwahlen treten nicht nur auffallend viele Junge, Frauen und Farbige an. Sie vertreten oft progressive Positionen: Ausbau von Medicare zu einer staatlich kontrollierten Krankenkasse, höhere Mindestlöhne und eine Gefängnisreform gehören dabei zu den zentralen Forderungen.

Was vor kurzem noch als "sozialistisch" und "unamerikanisch" verdammt wurde, findet heute Gehör. Mehr als 70 Prozent der Wählerinnen und Wähler wollen, dass die Krankenkassen keine höheren Prämien für höhere Risiken wie Diabetes verlangen dürfen – ein Kernpunkt von Obamacare. Auch die Forderung nach Mindestlöhnen findet eine Mehrheit, genauso wie die Reform des Strafwesens.

Die roten Staaten werden lila

Kommt dazu, dass sich die Demografie vor allem in den Südstaaten gewandelt und einstige republikanische Hochburgen ins Wanken gebracht hat. In Orange County im Bundesstaat Florida beispielsweise hat die Anzahl von Schwarzen und Latinos um 40 Prozent, im Bundesstaat Georgia die Anzahl der Schwarzen um eine Million zugenommen.

Diese einst tiefroten, will heißen republikanisch dominierten, Staaten sind lila geworden. Die Demokraten haben eine gute Chance, dort Sitze zu gewinnen. Und ausgerechnet in diesen Staaten treten drei ihrer wichtigsten Zugpferde an.

Stacey Abrams

Der Republikaner Brian Kemp muss als Staatsschreiber die Wahlen in Georgia überwachen. Gleichzeitig tritt er selbst als Kandidat für den Gouverneursposten an. Er nutzt seine Stellung schamlos aus: 53.000 Menschen will er das Wahlrecht streitig machen, weil es kleinste Unstimmigkeiten in ihren offiziellen Papieren gibt, beispielsweise ein fehlender Leerschlag in der Adresse.

Bild

Stacey Abrams: Wird sie die erste schwarze Gouverneurin der USA? bild: ap

Dass rund 70 Prozent von ihnen schwarz sind, ist kein Zufall. Kemp fürchtet eine hohe Wahlbeteiligung, und er fürchtet seine Gegenkandidatin Stacey Abrams. Dazu hat er allen Grund. Die 45-jährige Abrams ist intelligent, schwarz – und sehr populär. Sie stammt aus sehr einfachen Verhältnissen. Dank ihrer herausragenden Intelligenz konnte sie an der Eliteuniversität Yale Jura studieren und macht kein Geheimnis daraus, dass sie deswegen heute noch 50.000 Dollar Schulden abstottern muss.

Abrams ist furchtlos und kämpft auch in Bezirken um Stimmen, die bisher als hoffnungslos galten. Das beeindruckt selbst Trump-Wähler. Dank ihrer pragmatischen Art gelingt es ihr, Wählerinnen und Wähler über die Parteigrenzen hinaus anzusprechen. Sie hat auch einen beachtlichen Leistungsausweis. Als Anführerin der Minderheit im Abgeordnetenhaus von Georgia ist es ihr gelungen, eine massive Steuererhöhung für die Mittelklasse zu verhindern.

Der Ausgang der Gouverneurswahlen ist ungewiss, es wird auf jeden Fall sehr eng werden. Abrams wäre die erste schwarze Frau, die in den USA Gouverneurin eines Bundesstaates würde.

Beto O'Rourke

Beto O’Rourke wird bereits als neuer Barack Obama gefeiert. Dabei ist er weiß, hat irische Vorfahren und ist in El Paso, einem spanisch sprechenden Grenzort zu Mexiko im Bundesstaat Texas, aufgewachsen. Er entspricht jedoch nicht dem Klischee des typischen Texaners: Er macht keine Country-Musik, sondern war Mitglied einer Punk-Band, er trägt keine Cowboy-Stiefel, sondern kommt auf dem Brett angerollt, und er hat an der New Yorker Columbia University Literatur studiert.

Bild

Hat die Texaner aus dem Tiefschlaf gerüttelt: Beto O'Rourke. bild: ap/austin american-statesman

O’Rourke will Ted Cruz seinen Senatssitz streitig machen. Was bis vor kurzem noch mit einem Lächeln abgetan worden wäre – Demokraten haben seit Jahrzehnten etwa die gleiche Chance, in Texas als Senator gewählt zu werden, wie ein Schneeball in der Hölle nicht zu schmelzen –, ist realistisch geworden.

Die Differenz der beiden ist in den Meinungsumfragen so eng geworden, dass Donald Trump eigens aus Washington angeflogen kam, um seinem ehemaligen Erzfeind Cruz seine Unterstützung anzubieten.

O’Rourke seinerseits hat zu Beginn seines Wahlkampfes versprochen, jeden Bezirk in Texas zu besuchen, und er hat dieses Versprechen auch gehalten. Er schreckt auch nicht davor zurück, Trump anzugreifen. So hat er den Protest der schwarzen Football-Stars beim Abspielen der Nationalhymne ausdrücklich verteidigt.

Selbst wenn es für O’Rourke am kommenden Dienstag nicht ganz reichen sollte, hat er viel erreicht. Er hat die Demokraten in Texas aus ihrem Tiefschlaf gerissen – und er hat sich eine Position verschafft, die weit führen kann. Möglicherweise bis ins Weiße Haus.

Andrew Gillum

Dass Andrew Gillum überhaupt zur Wahl als Gouverneur von Florida antreten darf, verdankt er dem Milliardär und Hedge-Fund-Manager Tom Steyer. Dieser hatte im letzten Moment in einem engen Ausscheidungsrennen dem jungen Bürgermeister von Tallahassee eine Million Dollar gespendet.

Democratic candidate for Florida governor Andrew Gillum speaks to students and supporters at Bethune-Cookman University Friday, Oct. 26, 2018, in Daytona Beach, Fla. (AP Photo/John Raoux)

Wird von Trump angegriffen: Andrew Gillum. Bild: AP

Es scheint, dass Steyer sein Geld gut angelegt hat. Gillum führt in Umfragen knapp vor seinem Kontrahenten, dem Trump-Verehrer Ron DeSantis. Das hat Trump so nervös gemacht, dass er mehrere verleumderische Tweets gegen Gillum abgefeuert hat. Es könnte zum Boomerang werden. Dank Gillum sind die Demokraten so motiviert, dass auch Bill Nelson gute Chancen hat, sein Rennen um einen Senatssitz gegen den Republikaner Rick Scott zu gewinnen.

Der Vater war Bauarbeiter 

Gillum mag von einem Milliardär gefördert worden sein. Gekauft ist er auf keinen Fall. Er stammt aus einfachsten Verhältnissen – seine Mutter hat einen Schulbus gefahren, der Vater auf dem Bau gearbeitet –, und er ist mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Der 38-jährige gilt als fleißig und integer. Als Bürgermeister hat er die Kriminalitätsrate in Floridas Hauptstadt massiv gesenkt, ohne dabei zu harten Polizeimethoden zu greifen.

Ebenfalls setzt er sich dezidiert für anständige Mindestlöhne ein. Das kommt vor allem bei den vielen Angestellten in Disneyland gut an. 2016 hat Trump knapp die Elektorenstimmen in Florida geholt und damit die Wahlen für sich entschieden. Sollte Gillum gewählt werden, wäre dies ein deutliches Zeichen, dass die Stimmung im Sunshine-State umgeschlagen hat. Gillum ist ein harter Kritiker des Präsidenten und tritt für ein Impeachment ein.

Mehr News zu Trump:

Trump-Sprecherin weiß, warum er Präsident wurde – und macht sich zum Gespött 🤣😇

Link zum Artikel

Sie ist die neue Hassfrau von Trump und Fox-News – jetzt fürchten sie auch die Reichen

Link zum Artikel

In der Ehe zwischen Trump und Fox News kriselt es – und zwar heftig!

Link zum Artikel

Trump sitzt in der Mauer-Falle – aber es gibt einen (sehr zweifelhaften) Ausweg

Link zum Artikel

Trump nimmt mit seinen Mauer-Märchen Hunderttausende als Geisel 

Link zum Artikel

Heute startet Trump den Truppen-Abzug aus Syrien – das könnten die Folgen sein

Link zum Artikel

Trump und die Russen – 14 Fakten, die auf eine Verbindung hindeuten 

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Drei Fälle in kurzer Zeit: Arzt erklärt, was hinter Fehlbildungen bei Babys stecken kann

Link zum Artikel

Lena Meyer-Landrut geht erstmals aufs Oktoberfest – und leistet sich böse Stil-Entgleisung

Link zum Artikel

Amthor führt bei Lanz alle hinters Licht – jetzt will er Teile des Rezo-Videos liefern

Link zum Artikel

Wolfgang Joop über Heidi Klums Ehe: "Hat sich mit jedem Mann verändert"

Link zum Artikel

Nach ZDF-Eklat: Oliver Welke macht in "heute show" bösen Höcke-Witz – Raunen im Publikum

Link zum Artikel

Ter Stegen top, Neuer aber auch – jetzt gibt es einen Verlierer im Torwart-Zoff

Link zum Artikel

Dagmar Michalsky wurde mit 58 schwanger – bei Lanz spricht sie von "neun Monaten Horror"

Link zum Artikel

Torwart-Zoff: Hoeneß hat mit einer Sache recht – doch er wird dem FC Bayern schaden

Link zum Artikel

Lena rappt über Sex mit sich selbst bei "Gemischtes Hack"

Link zum Artikel

Diese Szenen zeigen: Nicht mal die Experten sind von der Hartz-IV-Show "Zahltag" überzeugt

Link zum Artikel

Barça-Keeper vor Linie: Wieso der VAR bei größter BVB-Chance nicht eingriff

Link zum Artikel

"Steh auf" – Rammstein-Sänger verstört Fans mit Video

Link zum Artikel

Tiere: 11 Fotos, die zeigen, wie lustig es in der Natur manchmal zugeht

Link zum Artikel

Helene Fischer verdient an "Herzbeben" – Songwriterin verrät, was sie für den Hit bekam

Link zum Artikel

Hai pirscht sich an ahnunglosen Surfer heran: Dann kommt Hilfe – von oben!

Link zum Artikel

Brief ans Jobcenter: Hört auf, meine über 60-jährige Mutter in Jobs zu drängen

Link zum Artikel

Gottschalk über Helene Fischer und Florian Silbereisen: "Hatte immer schlechtes Gefühl"

Link zum Artikel

Luke Mockridge macht Andrea Kiewel in seiner Show ein Angebot – die blockt ab

Link zum Artikel

Kontakt mit 2 Bundesliga-Stars – warum der FCB trotz allem keinen Lewandowski-Backup holte

Link zum Artikel

Luke Mockridge traf Kiwi kurz vor ZDF-Auftritt: Er täuschte beim "Fernsehgarten" alle

Link zum Artikel

Hartz-IV-Show "Zahltag": Wie die Sendung falsche Hoffnungen schürt

Link zum Artikel

Helene Fischer und Thomas Seitel: Polizei spricht von Einsatz auf ihrem Anwesen

Link zum Artikel

7 Zitate, die zeigen, wie "bürgerlich" Alexander Gauland wirklich ist

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die Trumps posierten grinsend mit Waisenkind, dessen Eltern in El Paso getötet wurden

Wie weit gehen Donald Trump und First Lady Melania für ein Foto? Die beiden haben am Mittwoch die US-Städte El Paso und Dayton besucht, in denen zwei Schützen am vergangenen Samstag insgesamt 31 Menschen getötet hatten. Der Fernsehsender CNN berichtete nun, dass für den Trump-Besuch in El Paso extra Patienten zurück in ein Krankenhaus gebracht worden seien, die zuvor bereits entlassen wurden. Darunter auch ein Baby, dessen Eltern bei dem Attentat getötet wurden.

Das Bild allein sorgte bereits …

Artikel lesen
Link zum Artikel