Kriminalität
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Ermittler haben Probleme, die Opfer von Zwangsprostitution zum Reden zu bringen – Einblick in das Gewerbe gibt auch ein Fall aus Bonn (rechts oben). imago-montage

Wie die nigerianische Mafia den Strich in NRW regiert

Dietmar Seher

Sie schaffen hilflose Landsleute nordwärts. Das Geschäftsmodell: sexuelle Ausbeutung. Menschenhändler aus Westafrika geraten zunehmend ins Visier deutscher Fahnder. Sie beeinflussen junge nigerianische Frauen mit absurdem Zauber, foltern sie mit mit Rasierklingen oder in tagelanger Dunkelhaft mit Hunger, zwingen sie so zu absolutem Gehorsam und schicken sie unter Drohungen in Europa auf den Strich.

Während des Treue-Schwurs musste die 20-Jährige eine afrikanische Nuss und ein Hühnerherz essen und eine Flüssigkeit trinken, den Zaubertrank. Danach hatte sie Slip, Finger- und Fußnägel und eine Haarsträhne herzugeben. Sie werde zur verachteten "Pennerin" oder sterben, wenn sie den Schwur breche, hatte man ihr mit auf den Weg gegeben.

Ein Schweizer Bundesgericht hat noch grausamere Rituale ermittelt. Aus einem Urteil von 2016 geht hervor, dass den Frauen vor der Abreise Schnitte mit Rasierklingen beigebracht werden und das dabei fließende Blut in Päckchen mit den Namen des Opfers verwahrt wird.

Anzahl der Täter und Opfer steigt

Schon seit zehn Jahren wird dieser Trend der organisierten Kriminalität beobachtet. Nach Erkenntnissen von Europol sind nigerianische Staatsangehörige europaweit die vorherrschende afrikanische Nationalität im Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung. Dabei scheuen die Täter auch nicht vor der verwerflichsten aller Kriminalitätssparten zurück: dem Menschenhandel mit Kindern, wie die europäische Polizeibehörde Europol feststellt. Zwischen 2015 und 2017 registrierte sie 268 Fälle mit rund 1.000 minderjährigen Opfern. Zielländer dieser Schleusung sind vor allem die Regionen Europas nördlich der Alpen einschließlich Deutschland.

Weit umfangreicher ist trotzdem die Prostitution Erwachsener. Seit der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 sind etwa 20.000 Frauen aus dem bürgerkriegsgepeinigten westafrikanischen Land übers Mittelmeer nach Europa gekommen. Das Bundeskriminalamt glaubt: Neun von zehn dieser Frauen werden hier Opfer der Banden der organisierten Kriminalität und landen in der Prostitution.

Doch das ist nur eine Schätzung:

Die Dunkelziffer ist riesig, die Tendenz dagegen klar: Stark zunehmend. Acht Prozent der im Jahr 2017 festgestellten Prostitutionsopfer in Deutschland sind inzwischen Nigerianerinnen (39 Fälle). Im Jahr zuvor waren es erst sechs Prozent. Der Anstieg gilt auch auf Täterseite: "Nach Erkenntnissen von Europol sind nigerianische Staatsangehörige europaweit die vorherrschende afrikanische Nationalität beim Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung", berichtet das BKA . Mit 29 Fällen verdreifachte sich von 2016 auf 2017 die Anzahl der nigerianischen Tatverdächtigen in diesem Deliktbereich. Das entspricht etwa jedem 20. Ermittlungsverfahren. 

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Landgericht Frankfurt: Im August diesen Jahres beschäftigte sich die Kammer mit einem 24 Jahre alten Mann und einer 27 Jahre alten Frau, denen vorgeworfen wird, zwei Frauen aus Nigeria zur Prostitution in Frankfurt gezwungen zu haben. Beide Frauen sollen zuvor mit einem Voodoo-Schwur belegt und anschließend mit Hilfe von Schleppern nach Deutschland geschleust worden sein. Bild: Jan Huebner/imago

Während herkömmliche Bordell-Banden mit falschen Versprechungen locken, immer öfter Datingportale oder die Loverboy-Methode einsetzen, um die jungen Frauen für kostenpflichtige Liebesdienste gefügig zu machen, gaukeln nigerianische Kriminelle ihren Opfern Jobs in Europa vor. Dann treiben sie sie in eine horrende, abhängig machende Verschuldung von im Einzelfall bis zu 100.000 Dollar und beeinflussen sie mit Zauberei. Dabei spielt das Juju-Ritual die zentrale Rolle mit kultischen Messen, Körperteilen oder -flüssigkeiten und Drohungen mit der Gewalt durch vermeintliche Geister.

Die Frauen würden zu "absolutem Gehorsam" und "Verschwiegenheit" verpflichtet und beugten sich "gezielten Einschüchterungen", schreibt das BKA in seinem Lagebericht zum nigerianischen Menschenhandel. Jeder Widerstand werde gebrochen. "Die Bereitschaft der Opfer, vor Gericht gegen ihre Peiniger auszusagen, ist gering."

Wie in dem Bonner Fall, bei dem die 20-jährige Frau die Einvernahme aus Angst abbrach, stehen die Ermittler in der Folge vor einem massiven Aufklärungsdefizit. Nur gezielte Aktionen wie zuletzt im Jahr 2016 führen manchmal zu polizeilich akzeptablen Ergebnissen. Damals gab es eine europaweite Razzia. 650 Bordelle und die Einreiseposten an Flughäfen in Deutschland wurden gefilzt, hunderte Frauen befreit.

Die Herkunft der Beteiligten:

Täter wie Opfer stammen meist aus dem nigerianischen, christlich oritientierten Bundesstaat Edo und dort aus einem gleichnamigen Stamm. Viele der Täter waren früher als Lederwarenhändler in den Einkaufszonen und an Stränden in Europa unterwegs. Ihre Einfallstore nach Europa sind die Mittelmeeranrainer Italien, Spanien und Portugal. In Italien spielen religiöse Bruderschaften aus Nigeria wie die "Schwarze Axt" schon die Rolle einer fünften Mafiaorganisation und stehen offenbar unter dem Schutz der einheimischen Cosa Nostra. In Ferrara kam es zwischen Gruppierungen zu blutigen Konflikten.

In Deutschland gewinnen die Berichte aus Italien auch politische Brisanz

Vor allem die rechte Szene versucht durch Kommentare in den sozialen Medien Stimmung zu machen. Sie warnen vor der "Invasion" aus Afrika und Tätern, die mit Äxten, Macheten und Pistolen äußerst gewalttätig vorgingen. Dabei sind die Opfer in fast jedem Fall junge Nigerianerinnen, nicht etwa Europäer. Das Thema wird in die Parlamente getragen. Im nordrhein-westfälischen Landtag stellte die AfD jüngst eine Anfrage: "Die Schwarze Axt terrorisiert Italien. Drohen eben solche Verhältnisse auch in NRW?"

Die Düsseldorfer Landesregierung antwortete, dass Tatverdächtige in vier Ermittlungsverfahren "Mitglied einer nigerianischen Bruderschaft" waren – teils mit Kontakten zu Netzwerken im Ausland. "Bezüge zur Schwarzen Axt sind im Rahmen der Ermittlungsverfahren aber nicht bekannt geworden."

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de

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