Politik
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Soldaten erfanden brutalen Angriff von Migranten – weil sie zu spät zum Dienst kamen

Die Meldung von einem Angriff auf zwei Bundeswehrsoldaten im hessischen Bad Hersfeld sorgte in der vergangenen Woche für helle Aufruhr. Politiker schalteten sich ein und warnten vor Gewalt gegen Soldaten. Jetzt kam heraus: Der Angriff war wohl frei erfunden. Die Soldaten hatten nach einer Ausrede gesucht, weil sie zu spät zum Dienst erschienen waren.

Das sollte angeblich passiert sein:

Ein 19-jähriger Soldat ist zu Fuß und in Uniform unterwegs. Als er auf einen Kameraden wartet, um gemeinsam zur Kaserne zu fahren, wird er von drei Männern angegriffen und beleidigt: "Nazi"; "Hurensohn" und "Kindermörder" rufen sie ihm zu und bespucken ihn. Als der Soldat die Männer zur Rede stellen will, schlagen sie ihm unvermittelt ins Gesicht. Just in dem Moment kommt sein Kamerad zur Hilfe, zieht einen der Täter von dem am Boden liegenden Opfer weg. Dabei versucht ein anderer, ihm ins Gesicht zu schlagen, der dritte schlägt ihm mit der Faust in den Rücken. Anschließend können die Täter fliehen.

Diese Version der angeblichen Geschehnisse vom vergangenen Mittwoch verbreitete die Polizei Osthessen in einer Pressemitteilung – unter Berufung auf die beiden vermeintlichen Opfer. In der Polizeimeldung ist auch eine Täterbeschreibung enthalten:

"Sie waren allesamt zwischen 20 und 30 Jahre alt, schlank und hatten schwarze kurze Haare, stark gebräunte Haut und dunkelbraune Augenfarbe. Außerdem trugen sie drei-Tage-Bärte."

Das waren die Reaktionen auf den "Angriff":

Die Bundeswehr verurteilte den vermeintlichen Angriff, ein Sprecher sagte "der Ausbruch von Verrohung und Hass habe sich offenbar gegen die Bundeswehr als uniformierte Institution des Landes gerichtet." (Deutschlandfunk)

Auch der CDU-Politiker Peter Tauber äußerte sich.

Durch die Beschreibung der angeblichen Täter als vermeintliche "Südländer" wurde der Vorfall auch zur rassistischen Stimmungsmache genutzt. Das Mitgliedermagazin der AfD fragte auf Twitter etwa: "Täter mit 'arabisch-orientalischem Hintergrund'?"

In vielen Kommentaren in Sozialen Medien stand fest: "Respektlose Ausländer greifen unsere Soldaten an!"

Tatsächlich war der Angriff offenbar frei erfunden

Das teilte die Polizei Osthessen am Montag mit, fünf Tage nach der vermeintlichen Attacke. Die beiden Soldaten hätten den Angriff den bisherigen Erkenntnissen zufolge erfunden, weil sie wegen eines Staus zu spät zum Dienst gekommen seien. Sie hätten wegen der Verspätung arbeits- und dienstrechtliche Konsequenzen befürchtet.

Die Verletzungen hätten sie sich selbst zugefügt. Soweit der Ermittlungsstand des polizeilichen Staatsschutzes.

Was nun auf die beiden Soldaten zukommt ist auf jeden Fall schwerwiegender, als ein Rüffel wegen einer Verspätung. Sie müssen sich nun wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat verantworten.

(fh)

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