Coronavirus
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Jörg Pilawa, als Moderator bei seinen Quiz-Shows immer familientauglich und verbindlich, spricht bei Maischberger Klartext. null / screenshot ard

Pilawa kritisiert Drosten bei "Maischberger": "Finde ich riskant"

dirk krampitz

Er will CDU-Parteivorsitzender, Kanzlerkandidat der CDU und 2021 dann auch Kanzler werden. Doch zuletzt lief es für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ganz so gut. Diskussionen um zu frühe Öffnungen bei Corona, Masseninfektionen beim Fleischproduzenten Tönnies. Nun versucht er sich neu zu positionieren.

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Armin Laschet bei "Maischberger". bild: screenshot ard

Die Corona-Lage sei angespannt, sagt Laschet. "Keiner darf sich jetzt zu sicher fühlen", man müsse alle Bürger daran erinnern, dass die Regeln noch gelten. Die Infektionszahlen seien nach den Sommerurlauben gestiegen. "Wir haben überall Fälle in Deutschland, wo wir nachsteuern müssen." Während Laschet vor allem das Reiseverhalten als Grund für die erhöhten Ansteckungszahlen sieht, und von Reisen "ins Risikoausland" dringend abrät, hat SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Laschet selbst und sein frühes Öffnungsverhalten für die Entwicklung verantwortlich gemacht. Laschet kontert leicht angesäuert: "Naja, Wahlkampf. Ist auch in Ordnung, aber ernst nehmen tu‘ ich es nicht."

Ganz im Gegenteil, Laschet sieht sich als Vorreiter: "Die Erkenntnis, dass man Kindern nicht ein halbes Jahr Bildung vorenthalten darf, ist heute Allgemeingut, damals war ich alleine." Für Armin Laschet steht fest:

"Wir werden noch lange mit der Pandemie leben müssen."

Armin Laschet

Nämlich zumindest "viele, viele Monate". Ob man aus den Corona-Fällen bei Fleischfabrikanten Tönnies nichts gelernt habe, will Sandra Maischberger von ihm wissen? "Die Branche hat erkannt, sie muss irgendetwas tun. Aber das ist keine Sicherheit. Die Fleischindustrie ist überall auf der Welt ein Hotspot."

Söder hat es "gut gemacht"

Gegenüber dem noch immer denkbaren Kanzlerkandidaten Markus Söder (CSU) gibt er sich großzügig. Söder war Hardliner bei Corona, hat aber aktuell mit hohen Zahlen und Fehlern zu kämpfen. "Pannen können bei jedem passieren. Ich finde, er hat das gut gemacht." Armin Laschet lag zuletzt bei einer Umfrage unter CDU-Abgeordneten, wem sie die Kanzlerschaft am ehesten zutrauen, ziemlich weit hinten (sechs Prozent) – dahinter liegt nur noch Norbert Röttgen mit vier Prozent. "Wie kann das passieren?", fragt Maischberger. "Das analysiere ich nicht." Die Hochrechnungen vor den Wahlen in NRW seien auch schlecht gewesen. "Sechs Wochen später haben wir die Wahl gewonnen. Insofern messe ich mich da nicht mit irgendjemandem."

In den Umfragen liegt Friedrich Merz deutlich vor ihm. Der hat allerdings jüngst mit seiner Antwort auf die Frage, ob er sich einen schwulen Kanzler vorstellen könne, für eine Welle der Entrüstung gesorgt. Merz sagte, er habe damit kein Problem, Sexualität sei Privatsache, solange sie innerhalb der Gesetze verlaufe und es sich beispielsweise nicht um Pädophilie handele. Laschet hingegen hat es drauf. So unangreifbar, aber auch so farblos bleibt er an diesem Abend bei "Maischberger".

Im Gegensatz zu Merz hat Laschet den staatsmännischen Ton drauf: "Ich finde, dass man im Jahr 2020 nicht mehr über die Frage diskutieren sollte, wer wen und wie liebt." Er wolle Merz‘ Aussage nicht bewerten und glaubt nicht, dass er homophob ist. "Das geht, glaube ich, zu weit." Merz sei wichtig für die CDU, er habe "eine große Bindungskraft für viele Menschen" und Laschet beteuert: "Ich schätze ihn."

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Journalist Hajo Schumacher. bild: screenshot ard

Überhaupt nicht schätzt Journalist Hajo Schumacher Friedrich Merz, der neben dem Pädophilie-Zitat auch noch einen über faule Deutsche rausgehauen hat. Man dürfe sich nicht dran gewöhnen, nicht zu arbeiten. Für Schumacher eine Frechheit in diesen Zeiten, wo viele in Kurzarbeit geschickt wurden oder sogar arbeitslos sind. Er wettert gegen Merz:

"Viele Menschen würden gerne arbeiten, sie können einfach nicht. Da muss man schon ein sehr satter Millionär sein, um so herablassend auf sein Land zu gucken."

Hajo Schumacher

Pilawa greift Drosten an

Auch Jörg Pilawa, als Moderator bei seinen Quiz-Shows immer familientauglich und verbindlich, spricht bei Maischberger Klartext. Er wehrt sich in Corona-Zeiten gegen Panikmache. "Angst ruft immer eine Reaktion hervor, die kontraproduktiv sein kann. Die Eigenverantwortung hat in Deutschland ja von Anfang an gut funktioniert", findet er. Und so holt er dann auch gegen den Virologen Christian Drosten und seine jüngsten Aussagen aus.

Drosten hatte bilanziert, dass Deutschland seiner Meinung nach im Kampf gegen Corona nichts anders gemacht hätte, als seine viel stärker von Corona betroffenen Nachbarländer. Der günstige Verlauf hierzulande sei einzig dem Punkt geschuldet, dass Deutschland erst viel später und insofern vorbereiteter von den Infektionen getroffen worden sei. "Ich finde auch, was Herr Drosten heute gesagt hat, nicht richtig, sogar riskant. Man hätte erwähnen können, dass wir Deutschen das gut gemacht haben."

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Maischberger (r.) und ihre Gäste. bild: screenshot ard

Auch Wissenschafts-Journalistin Christina Berndt ("Süddeutsche Zeitung") findet Drostens Aussagen "destruktiv".

Förster sorgt sich um deutschen Wald

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Förster und Waldkenner Peter Wohlleben. bild: screenshot ard

Als Letztes ist in der Woche, in der US-Präsident Donald Trump seine kruden Thesen über österreichische Walddörfer und explodierende Bäume kund getan hat, der Förster und Waldkenner Peter Wohlleben eingeladen. Ihm täten die Waldbrände in Amerika in der Seele weh, sagt er. Für Deutschland zeichnet er leider ein düsteres Bild: In zehn bis 15 Jahren werde Deutschland die Hälfte seiner Waldflächen verloren haben. Der Grund: Weil man den Wald hierzulande zu industriell bearbeitete, durch schwere Maschinen den Boden verdichtet und auf Monokulturen setzt.

"Der Borkenkäfer ist nicht das Problem, er gibt den Wäldern nur den Rest – und durch den Klimawandel ist die Schraube überdreht." Wohlleben spricht auch nicht von Tannenwäldern, sondern "Nadelplantagen". "Der Unterschied zwischen Ölpalme auf Borneo und Fichtenplantagen ist nicht sehr groß", fasst er seinen Eindruck zusammen. Sein Tipp: "Wir müssen die Natur zurückkommen lassen."

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