Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel, Deutschland, Berlin, Bundeskanzleramt, Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel im Anschluss an das Gespräch mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder im Zusammenhang mit dem Coronavirus , 15.04.2020 *** Chancellor Angela Merkel, Germany, Berlin, Federal Chancellery, Press conference by Chancellor Merkel following the meeting with the heads of government of the Länder in connection with the coronavirus , 15 04 2020

Die Bundeskanzlerin rechnete am Mittwoch bei einer Pressekonferenz verschiedene Szenarien durch. Bild: imago images/Metodi Popow

Merkels Corona-Rechnung begeistert das Netz – das steckt dahinter

Die Bundesregierung und die Länderchefs wollen die Corona-Regeln ein wenig lockern. Aber vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte am Mittwoch zur Vorsicht, sie sprach von einem "zerbrechlichen Zwischenergebnis", das bisher in Deutschland mit Kontaktbeschränkungen erreicht worden sei. Es gebe wenig Spielräume für Lockerungen.

Wie gering der Spielraum ist, rechnete Merkel auf der Pressekonferenz vor. Zwar sei die Epidemie-Kurve abgeflacht, aber sie könne schnell wieder aussteigen, war ihre Botschaft. Das deutsche Gesundheitssystem könnte dann wieder an seine Grenzen kommen.

Derzeit habe Deutschland eine Ansteckungsrate von eins. Das heißt: Ein Infizierter steckt im Schnitt eine weitere Person mit dem Coronavirus an.

Epidemiologen sprechen hier von einer Basisreproduktionsrate (R0) von 1. Die Angaben für das neuartige Coronavirus gehen von 2 bis etwas über 3 aus, wenn es sich ungehindert verbreiten kann. Deutschland war also erfolgreich, die Ansteckung zu verlangsamen.

Merkel rechnet Szenarien vor

Merkel warnte dann aber: "Schon wenn wir darauf kommen, dass jeder 1,1 Menschen ansteckt, dann sind wir im Oktober wieder an der Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems mit den angenommenen Intensivbetten." Bei 1,2 – "also von fünf Menschen steckt einer zwei an und vier einen", rechnete Merkel – sei die Grenze im Juli erreicht.

"Und bei 1,3, das hört sich nicht viel an, wir kommen von drei bis fünf Ansteckungen, also bei 1,3 sind wir im Juni bei der Belastungsgrenze unseres Gesundheitssystems", sagte Merkel. "Daran sehen Sie also, in welch kleinem Spielraum wir uns aufhalten."

Hier seht ihr die Szene im Video:

Video: watson

Mit dieser Rechnung bezieht sich Merkel wohl auf Modellierungen der Helmholtz-Gemeinschaft, Immunologe Michael Meyer-Hermann nannte am Mittwochabend im Interview mit dem "Heute Journal" die selben Angaben.

Die Reaktionen auf Merkels Rechenkünste

Auf Twitter wurden die Rechenkünste der Kanzlerin begeistert aufgenommen. Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim lobte und scherzte, Merkel sei ihre Vertretung.

Und gerade auch ausländische Journalisten waren vom Fachwissen der Kanzlerin beeindruckt. "Washington Post"-Reporter Michael Birnbaum kommentierte: "Es ist bemerkenswert, dass eine Regierungschefin die grundlegende Mathematik, die den Coronavirus-Beschränkungen zugrunde liegt, klar erklärt."

Benjamin Alvarez von der Deutschen Welle meinte am Mittwochabend: "Dieser Teil der heutigen Pressekonferenz war großartig." Er fügte Untertitel für das englischsprachige Publikum hinzu. Der Tweet bekam über 13.000 Likes.

Merkel wurde anfangs während des Corona-Ausbruchs dafür kritisiert, sich nicht öffentlich an die Menschen gewandt zu haben. Auch die nun angeordneten Lockerungen stehen in der Kritik.

Aber mit ihrer simplen Rechnung bekommt die Kanzlerin bisher größtenteils nur Lob.

(ll)

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