Syrien
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Ein Panzerfahrzeug der US-Armee ist unterwegs auf einer Piste bei Rakkah in Syrien. Bild: imago stock&people

Mehrere Gewinner und ein großer Verlierer – das musst du zum US-Rückzug aus Syrien wissen

Die Rückzugserklärung

Das Weiße Haus gab am Mittwoch überraschend bekannt, dass die US-Streitkräfte aus Syrien abgezogen werden. Die Begründung lieferte Präsident Donald Trump per Twitter: "Wir haben den IS in Syrien geschlagen, das war der einzige Grund, während der Trump-Präsidentschaft dort zu sein."

Was steckt dahinter? Wir klären die wichtigsten Fragen. 

Welche Ziele haben die US-Streitkräfte verfolgt?

Bekämpfung des IS

Mehr als 2000 Spezialeinheiten waren im Norden des Landes stationiert. Gemeinsam mit syrischen Kurden bekämpften sie die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Zwar gelang es der Allianz, den IS dort mehrheitlich zu zerschlagen. Allerdings ist die Gefahr noch nicht gebannt.

Zudem rüsteten die Amerikaner die kurdischen Kämpfer mit Waffen aus und sorgten durch ihre Anwesenheit dafür, dass der Konflikt zwischen Kurden und der Türkei nicht ausartete. 

Iran und Russland

Die US-Armee konnte bislang eine Ausweitung des Einflusses von Russland und vom Iran verhindern. Dem Iran wird vorgeworfen, die verbündete Hisbollah im Libanon mit Waffen durch Syrien beliefert zu haben – was eine große Gefahr für Israel darstellt. Teheran hat dies zwar immer bestritten, aber es soll Hinweise dazu geben. 

Russland hatte das syrische Regime militärisch unterstützt und versuchte laufend, mehr Einfluss im Land zu gewinnen. Allerdings wurde das Bündnis durch die Amerikaner in Schach gehalten. So haben die US-Streitkräfte bei einem militärischen Einsatz eine Wiedereroberung von Ölfeldern durch die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad verhindert. Möglich ist, dass bei dem Vorfall auch Dutzende russische Söldner getötet wurden.

Wer profitiert vom Rückzug?

Zu den Gewinnern gehört ganz sicher die Türkei. Präsident Erdogan droht seit Tagen mit einem Angriff auf die kurdischen Kämpfer. Ankara sieht in ihnen eine Bedrohung und hat diese mehrfach als Terroristen bezeichnet. Das Einzige, was Erdogan bislang von einem Angriff auf die Kurden abhielt, war deren Allianz mit den USA – ein Gefecht mit Amerikanern wollte er nicht wagen. Mit dem Abzug sinkt nun Erdogans Risiko auf Null.

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. bild: ap

Russlands Präsident Wladimir Putin gehört ebenfalls zu den Profiteuren. Seine Armee stellt nun die größte und wichtigste in Syrien dar und könnte mit der Armee des syrischen Präsidenten al-Assad weiter Einfluss gewinnen.

Der Syrien-Experte Charles Lister sprach am Mittwoch außerdem von einem "Traum-Szenario" für den IS. Der Kampf gegen die Terrororganisation sei noch nicht vorüber. Zehn Minuten vor Trumps Ankündigung bekannten sich die Terroristen zu einem Anschlag, der in der Stadt Raqqa verübt wurde.

Warum gerade jetzt?

Man weiß (noch) nicht, was Trump dazu veranlasst hat. Laut CNN kommt der schnelle und sofort beginnende Rückzug unerwartet und wirft Fragen auf. Schließlich hätten die USA in Nordsyrien keine temporären Militärbasen aufgebaut. Der Beschluss steht auch in einem Widerspruch zu mehreren großen Interessen der USA. 

U.S. President Donald Trump participates in a roundtable discussion on the Federal the Commission on School Safety report at White House in Washington on December 18, 2018. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY WAPG2018121807 YURIxGRIPAS

Trump wird für seinen Entscheid scharf kritisiert – auch aus den eigenen Reihen. Bild: imago stock&people

Zynische Zungen behaupten, es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sich die Amerikaner aus Syrien verabschieden. Bereits im ersten Golfkrieg hatten sich die USA plötzlich aus dem Krisengebiet zurückgezogen – und die Kurden alleine ihrem Schicksal überlassen. Jetzt droht diesen der Konflikt mit den türkischen Streitkräften. (vom)

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