Brexit
March to Stop Brexit, London, UK London, UK. 23 March 2019. Remain supporters and protesters take part in a march to stop Brexit in Central London calling for a People s Vote. *** March to Stop Brexit London UK London UK 23 March 2019 Remain supporters and protesters take part in a march to stop Brexit in Central London calling for a People s vote

Die Briten fordern einen "People's Vote" Bild: www.imago-images.de

Europa demonstriert gegen Artikel 13 – nur London geht für etwas anderes auf die Straße

Während in zahlreichen deutschen Städten die Demonstrationen gegen Artikel 13 langsam auslaufen, beziehungsweise zum Abend hin erst richtig in Fahrt kommen, demonstrieren die Menschen in England gegen etwas anderes.

Mit Schildern, die Aufschriften wie "Ich liebe die EU" zierten, sind in London am Samstag hunderttausende Menschen für ein zweites Brexit-Referendum auf die Straße gegangen. Die Gegner des Austritts Großbritanniens aus der EU versammelten sich am Hyde Park und zogen in einem riesigen Protestzug durchs Regierungsviertel in Westminster zum Parlament. Premierministerin Theresa May erwog derweil, auf die geplante dritte Abstimmung im Unterhaus über den Austrittsvertrag mit der EU zu verzichten.

Mit dem Protest wollen die Veranstalter von der Kampagne "People's Vote" (Volksabstimmung) Druck auf die Regierung machen und mit einem zweiten Referendum erreichen, den EU-Austritt Großbritanniens doch noch zu verhindern. Die Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmer auf rund eine Million, die Polizei gab zunächst keine offiziellen Teilnehmerzahlen bekannt.

An einer ähnlichen Demonstration im Oktober hatten sich fast 700.000 Menschen beteiligt – es war die größte Demonstration in London seit im Jahr 2003 etwa eine Million Menschen gegen den Irak-Krieg auf die Straße gingen.

Engländer macht deutlich: Wir wollen in der EU bleiben!

Mit EU-Flaggen in Herzform und Schildern mit Aufschriften wie "Ich liebe die EU", "Macht Artikel 50 rückgängig" und "Wir fordern eine Volksabstimmung" machten die Demonstranten in Großbritanniens Hauptstadt deutlich, wie sie zum Brexit stehen. Viele machten Premierministerin May mit Puppen und Karikaturen für die vertrackte Situation verantwortlich.

Im Juni 2016 hatte sich eine knappe Mehrheit von 51.9 Prozent der Briten für den Brexit ausgesprochen. Eigentlich sollte die Frist bis zum Austritt am 29. März auslaufen. Angesichts des anhaltenden Streits über den Brexit-Kurs Großbritanniens hatten die Staats- und Regierungschefs der EU der britischen Regierung am Donnerstag einen Aufschub gewährt.

Auch viele Kinder und Jugendliche waren unter den Demonstranten:

March to Stop Brexit, London, UK London, UK. 23 March 2019. Children are worried about their future. Remain supporters and protesters take part in a march to stop Brexit in Central London calling for a People s Vote. *** March to Stop Brexit London UK London UK 23 March 2019 Children are worried about their future Remain supporters and protesters take part in a march to Stop Brexit in Central London calling for a People s vote

"82% der jungen Leute wollen eine EU-Zukunft, steht sinngemäß auf dem Schild dieses Demonstrantens Bild: www.imago-images.de

Nimmt das britische Parlament das Austrittsabkommen in der kommenden Woche doch noch an, wird der Brexit auf den 22. Mai verschoben. Sollte das Unterhaus den Austrittsvertrag erneut ablehnen, ist der Stichtag der 12. April.

Vor diesem Termin müsste Großbritannien dann "Angaben zum weiteren Vorgehen" machen. Konkret geht es um die Entscheidung, ob das Vereinigte Königreich an der Europawahl teilnimmt oder nicht. Bei einer Nicht-Teilnahme droht der ungeordnete Brexit - bei einer Teilnahme stünde eine weitere Verschiebung des Austrittsdatums an.

Das sind die aktuellen Brexit-Verhandlungen:

May schrieb am Freitag in einem Brief an die Abgeordneten, sie werde das Brexit-Abkommen nur dann erneut zur Abstimmung stellen, wenn sich eine "ausreichende Unterstützung" im Unterhaus abzeichne. Bei zwei Abstimmungen im Januar und Mitte März war allerdings das Abkommen durchgefallen.

Zu einer Teilnahme an den Europawahlen sagte May, sie sei "zutiefst davon überzeugt", dass dieser Schritt "falsch" wäre.

Eine Parlamentsmehrheit für das Abkommen zeichnet sich aber weiterhin nicht ab. Bereits am Freitag hatte die nordirische DUP, auf deren Stimmen Mays Minderheitsregierung im Unterhaus angewiesen ist, der Premierministerin ein "Versagen" beim EU-Gipfel vorgeworfen. Hinsichtlich des Austrittsabkommens habe sich "nichts verändert", erklärte DUP-Fraktionschef Nigel Dodds.

In London wird nun darüber spekuliert, dass May statt einer dritten Abstimmung über das Austrittsabkommen eine ganze Reihe von Abstimmungen im Unterhaus ansetzen könnte, um herauszufinden, ob es im Parlament eine Mehrheit für andere Szenarien gibt.

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon forderte die Brexit-Gegner am Samstag auf, das Chaos zu nutzen, um den EU-Austritt doch noch zu verhindern. Mit dem Aufschub aus Brüssel habe sich ein "Fenster" geöffnet, sagte Sturgeon. Diese "Chance" müssten die Brexit-Gegner nun nutzen.

"Der Brexit ist ein völliges und heilloses Chaos", erklärte Londons Bürgermeister Sadiq Khan bereits am Vorabend der Proteste. Er werde darum zusammen mit Menschen aus allen Landesteilen und allen Gesellschaftsschichten auf die Straße gehen und fordern, "dass das britische Volk das letzte Wort hat". Eine Online-Petition für ein zweites Referendum haben mittlerweile mehr als 3.7 Millionen Briten unterzeichnet.

(mr) mid/ju (afp)

Es ist nicht das erste Mal, dass die Briten gegen den Brexit auf die Straße gingen:

Noch mehr zum Thema Politik haben wir hier gesammelt:

"Nein, Moment": Bei Söders Antwort auf Maaßen-Frage staunt Maischberger nicht schlecht

Link zum Artikel

CDU-Politiker Amthor diskutiert mit Asylhelferin über Integration: Dann gibt es Tränen

Link zum Artikel

Debatte um Maaßens Parteiausschluss: Es hagelt weiter Kritik für AKK

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Erzieherin: "Was viele Kollegen in Kitas tun, ist eigentlich Kindesmisshandlung"

Link zum Artikel

Maaßen, Sarrazin, Palmer: Warum diese 3 gegen ihre eigene Partei kämpfen

Link zum Artikel

Weltgereister Wutbürger mit Mission: Herr Meier gegen die linksgrüne Welt

Link zum Artikel

Machtkampf in der AfD: Warum sich schon jetzt zeigt, welches Schicksal Meuthen droht

Link zum Artikel

Scientology übernimmt heimlich Luxus-Laden mitten in Münchner Szene-Viertel. Wir waren da

Link zum Artikel

Rechtsextreme bei Polizei und Bundeswehr? Hier diskutieren 2 junge Sicherheitspolitiker

Link zum Artikel

SPD-Ministerin schreibt Grußwort für Homöopathie-Kongress – und erntet Kritik

Link zum Artikel

Ray jagt Lügner im Internet – und warnt vor der WhatsApp-Gefahr bei EU-Wahlen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Psychologe erklärt, warum Greta Thunberg so viel Hass in manchen Menschen weckt

Klimaaktivistin Greta Thunberg erhitzt mit ihrem Einsatz die Gemüter. Für manche ist sie sogar ein Hassobjekt. Warum das so ist, erklärt der Sozialpsychologe Ulrich Wagner im Interview.

Die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg polarisiert: Die einen bewundern das Engagement der jungen Schwedin. Andere sehen in ihr ein Instrument grüner Eliten. Teilweise schlägt dem Teenager blanker Hass entgegen.

Dabei hat sie innerhalb kürzester Zeit viel erreicht: "Fridays for Future" ist eine weltweite Bewegung geworden, Thunberg wird sogar als Favoritin für den Friedensnobelpreis gehandelt. Derzeit reist sie in einer Hochseejacht zum UN-Klimagipfel nach New York.

Ulrich Wagner, …

Artikel lesen
Link zum Artikel