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Coffee shop woman owner working with face mask and gloves, cleaning and disinfecting counter.

Auch in Bars gelten die Corona-Regeln. Aber reichen sie auch aus? Bild: iStockphoto / Halfpoint

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Nach Corona-Verstößen in Hamburger Bars: Diese Maßnahmen müssten her

Vergangene Woche wurde bekannt, dass es in der Hamburger Szenekneipe "Katze" im Schanzenviertel zu mehreren Corona-Fällen gekommen war. Am Wochenende wurden zwei weitere Läden auf der Reeperbahn präventiv geschlossen, da sie sich nicht an die Corona-Regeln hielten, berichtet die Mopo.

Und auch in München und Berlin machen Feiernde den Ordnungsämtern Sorgen, da sie oft zu dicht und ohne Maske zusammenkämen. Dass es dabei früher oder später zu einem Corona-Fall wie eben jetzt in der Hansestadt kommen musste, überrascht Experten wie Markus Scholz nicht. Der Epidemiologe plädiert im Gespräch mit watson für neue Maßnahmen, um solche Fälle zu verhindern. Zu dem Corona-Ausbruch in einer Hamburger Bar sagt er:

"Für mich ist das nicht unerwartet, da gerade beim Nachtleben die AHA-Regeln nicht eingehalten werden."

Menschen flirten, Gruppen durchmischen sich, wandern von Bar zu Bar – so ist es im beliebten Schanzenviertel gang und gäbe. Bewegung ist da, im Herbst kommt ein verstärkender Risikofaktor hinzu, erklärt der Wissenschaftler der Universität Leipzig: "Zusammenkünfte finden verstärkt in geschlossenen, schlecht gelüfteten Räumen statt, was die Ansteckung aufgrund der Aerosolanreicherung begünstigt."

Welche Maßnahmen sind Quatsch?

Für Bars herrschen weiter strikte Regeln zum Corona-Betrieb. So müssen Kontaktdaten der Gäste aufgenommen werden, was in vielen Fällen jedoch eine Farce ist. In Hamburg sucht das Gesundheitsamt so noch nach etwa 100 Gästen, die Scherznamen wie "Lucky Luke" angegeben haben sollen. Außerdem gilt auch in Kneipen ein Abstandsgebot, weswegen tanzen nicht erlaubt ist. Nicht alle Betreiber halten sich jedoch an diese Regeln oder schaffen es, ihre Gäste dazu anzuhalten.

Wären Türsteher vor Kneipen also eine gute Lösung? Wenn sie den Gästestrom kontrollieren, schon, so Prof. Scholz: "Es ist sicherlich sinnvoll, die Anzahl der Gäste in geschlossenen Räumen so weit wie möglich zu begrenzen." Von der Idee, nur Gästen mit Corona-App Einlass zu gewähren, hält er wiederum nichts. Scholz: "Ich glaube nicht, dass dies das Problem löst, da die Wirkung der App aktuell als gering eingeschätzt werden muss", gibt er zu bedenken. Sie funktioniere schlicht nicht gut: "Zwar haben viele die App installiert, offenbar werden aber die Warnungen nur unzureichend abgesetzt. Hieran müsste vordringlich gearbeitet werden."

Welche Maßnahmen helfen wirklich?

Die Arbeitsgruppe rund um Prof. Scholz betreibt seit 15 Jahren Infektionsforschung und untersucht aktuell auch die Corona-Pandemie. Scholz nennt fünf entscheidende Punkte, die umgesetzt werden müssten, um das Nachtleben wieder sicherer zu machen: "Erstens: Möglichst kleine Gesamtpersonenzahlen. Zweitens: Möglichst kleine Gruppengrößen. Drittens: Möglichst große Abstände zwischen den Gruppen. Viertens: Gute Belüftungssysteme. Und fünftens: Eventuell Temperaturmessung am Eingang".

Ein Türsteher mit Fieberthermometer? Das klingt verrückt. Doch im Februar hätte sich wohl auch keiner vorstellen können, einen Drink mit Mundnasenschutz zu bestellen. Ob umsetzbar oder nicht, zur Eindämmung von Corona wäre das eine "sinnvolle Maßnahme", so der Wissenschaftler.

(jd)

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