Politik
Munich, Germany - October 01, 2013: People enjoy the ride on a carousel during a sunny afternoon at the Oktoberfest in Munich (Germany). The Oktoberfest is the biggest beer festival of the world with over 6 million visitors each year.

Björn Höcke, Mike Mohring, Bodo Ramelow: In Thüringen geht die Suche nach einer Regierung weiter. Bild: Getty/imago images / Jacob Schröter/karina hessland/jens schicke/montage

Das Parteien-Karussell in Thüringen: Diese Koalition sind möglich

Die Linke hat die Thüringer Landtagswahl gewonnen, ihre bisherigen Koalitionspartner SPD und Grüne wurden von den Wählern allerdings gerupft. Doch auch fast eine Woche nach der Wahl in Thüringen ist noch vieles unklar.

Ob die FDP überhaupt in den Landtag kommt, wird sich erst am 7. November entscheiden. Aktuell hängt es an einer Handvoll Stimmen. Zuerst hatte die "Thüringer Allgemeine" berichtet, dass das FDP-Ergebnis um vier Stimmen nach unten korrigiert worden sei. Damit lägen die Liberalen eine Stimme über der Fünf-Prozent-Hürde. Laut dem MDR wurden aber auch in weiteren Wahlkreisen die FDP-Ergebnisse korrigiert – insgesamt liege die FDP 24 Stimmen über der Fünf-Prozent-Hürde. Noch aber heißt es: abwarten.

Außerdem ist die wichtigste Frage überhaupt noch nicht geklärt: Wer soll künftig in Thüringen regieren?

Wir haben die möglichen Koalitionen für euch einmal durchgespielt und überlegt, was sie bedeuten würden.

Linke & CDU: Die Hass-Ehe, die es noch nie gab

Die absolute Hass-Konstellation der Bundesparteien. Gab es noch nie und wird regelmäßig in Interviews ausgeschlossen.

Pro

Contra

Das würde uns inhaltlich erwarten:

Inhaltlich wird es schwierig, bei CDU und Linken Übereinstimmungen zu finden. Zwar ist Bodo Ramelow kein klassischer Linker, sondern sehr pragmatisch unterwegs, aber die Wahlprogramme könnten gegensätzlicher nicht sein.

Vielleicht könnte jeder ein bisschen was von seinem Wahlprogramm umsetzen, aber wirklich glücklich wird wohl keine der Parteien.

Linke & SPD & Grüne & FDP: Der Kompromiss

Favorisiert von Bodo Ramelow. Die bisherige Rot-Rot-Grün-Regierung plus FDP, bekannt unter dem "Star Wars"-mäßigen Namen R2G2.

Pro

Contra

Das würde uns inhaltlich erwarten:

Für Linke, SPD und Grüne sind soziale Themen wie bezahlbare Mieten der große gemeinsame Nenner. Es wird jedoch schwierig, soziale Inhalte mit der wirtschaftsliberalen FDP umzusetzen. Ohne sie geht es aber nicht, möchte man eine Minderheitsregierung verhindern.

Das war es dann auch schon mit den Regierungen mit einer stabilen Mehrheit, denn sicher ist:

Wenn es keine Koalition zwischen Linke und CDU gibt und die FDP nicht in den Landtag kommt, bleibt nur die Möglichkeit einer Minderheitsregierung. Das geht, weil im dritten Wahlgang für den Ministerpräsidenten die relative Mehrheit ausreicht. Der größte Nachteil ist, dass eine Minderheitsregierung extrem instabil ist, weil sie ständig neue Mehrheiten im Parlament schaffen muss und auf die Mitarbeit der Opposition angewiesen ist. Das kann auch bedeuten, dass die Regierung bald wieder platzt und es Neuwahlen gibt.

CDU & SPD & Grüne & FDP: Das Kuddelmuddel

Das ist die Regierung, die Mohring eine "Minderheitsregierung aus der Mitte" nennt. Spöttisch könnte man sie auch als Koalition der Loser bezeichnen. Ansonsten hat sie noch den Namen "Simbabwe".

Pro

Contra

Das würde uns inhaltlich erwarten:

Inhaltlich sind die vier Parteien sich überhaupt nicht grün.

CDU & AfD: Wer will das?

Pro

Contra

Das würde uns inhaltlich erwarten:

Die absolut unwahrscheinlichste Konstellation, auch wenn es inhaltlich beim Thema Migration Gemeinsamkeiten gibt.

Fazit

Keine der Optionen kann überzeugen. Aber wenn es die FDP doch noch in den Landtag schaffen sollte, wäre eine Zusammenarbeit zwischen Linke, SPD, Grüne und FDP wohl die wahrscheinlichste Option.

Entweder in Form einer Koalition – oder in Form einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung, die sich immer wieder Unterstützung sucht bei den Liberalen (oder der CDU). Bodo Ramelow hat mit dem Wahlerfolg der Linkspartei gezeigt, dass er ein beliebter Ministerpräsident ist und mit der Fortführung von Rot-Rot-Grün in Kombination mit der FDP wäre zumindest eine stabile Mehrheit sicher.

(lw)

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