May 11, 2021: Gaza, Palestine. 12 May 2021. Palestinian Civil Defence extinguish a fire at the Sheikh Zaid residential tower in Beit Lahia, in the northern Gaza Strip, following a bombardment by Israeli warplanes of the building. The escalation of violence between the Gaza Strip and Israel has continued on Wednesday for the third day, with Israeli fighter jets intensifying their bombardment on the Palestinian enclave and targeting sites belonging to Palestinian armed groups as well as civilian buildings and apartment blocks. Fierce confrontation continue between Gaza and Israel with 53 Palestinians killed in Gaza by the air raids and six Israelis killed by the rockets fired from Gaza. Tensions have been running high since last week protests - ZUMAd99_ 20210511_zap_d99_036 Copyright: xAhmadxHasaballahx

Bild der Zerstörung in Gaza. Bild: imago images / Ahmad Hasaballah

Furcht vor neuem Krieg zwischen Israel und der Hamas

Anhaltender Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen, massive israelische Vergeltungsangriffe und Ausschreitungen in jüdisch-arabischen Orten: Die jüngsten Auseinandersetzungen treiben Israelis und Palästinenser an den Rand eines neuen Kriegs. Israels Verteidigungsminister Benny Gantz kündigte am Mittwoch weitere Angriffe an, um eine "vollständige" Ruhe im Gazastreifen zu erzwingen. Auch die zweite Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats endete ohne eine gemeinsame Erklärung.

Nach israelischen Angaben feuerten militante Palästinenserorganisationen wie die Hamas und der Islamische Dschihad seit Montag mehr als tausend Raketen in Richtung Israel ab. Viele von ihnen wurden von der Raketenabwehr abgefangen, während andere in Wohngebieten einschlugen. In Tel Aviv und in umliegenden Städten heulten am Dienstagabend die Alarmsirenen, am internationalen Flughafen von Tel Aviv wurde der Flugverkehr vorübergehend eingestellt.

Schwerste Angriffe seit 2014

Als Reaktion auf die Attacken flog die israelische Luftwaffe die schwersten Angriffe seit dem Gaza-Krieg 2014. Sie bombardierte bei hunderten Einsätzen Einrichtungen der radikalislamischen Hamas und anderer militanter Gruppen im Gazastreifen. Dabei wurde unter anderem ein Hochhaus im Stadtzentrum von Gaza komplett zerstört, in dem sich auch mehrere Büros der Hamas befanden.

Am Mittwoch wurde bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen am Mittwochabend ein weiteres Hochhaus im Stadtzentrum von Gaza zerstört. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, wurde das zehnstöckige Al-Scharuk-Haus, in dem sich unter anderem Büros des Fernsehsenders Al-Aksa befanden, zerstört. Es handelt sich bereits um das dritte große Gebäude, das seit Montag durch israelische Luftangriffe im Gazastreifen zerstört wurde. Am Dienstagabend war bereits ein Hochhaus in Gaza, in dem sich auch mehrere Büros der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas befanden, vollständig eingestürzt.Die Hamas erklärte unterdessen, sie habe als Reaktion auf den Angriff auf das Al-Scharuk-Haus 130 Raketen auf Israel abgefeuert. In Israel heulten am Abend wieder die Sirenen, neben mehreren Städten im Süden des Landes auch in der Großstadt Tel Aviv.

Nach palästinensischen Angaben wurden bei den Luftangriffen insgesamt 56 Menschen getötet, unter ihnen 14 Kinder. Die Hamas bestätigte den Tod mehrerer ihrer militärischen Anführer, darunter auch der Chef ihres bewaffneten Arms in Gaza, Bassem Issa. In Israel wurden insgesamt sieben Menschen durch den Raketenbeschuss getötet, unter ihnen eine indische Staatsbürgerin.

Laut dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet wurde auch der Leiter des Hamas-Cyberkommandos, Dschumaa Tahle, ihr Forschungsleiter Dschamal Sibde, der leitende Produktionsingenieur Hasem Hatib, sowie ein Dutzend weiterer Mitglieder des Forschungs- und Entwicklungsbereichs der Hamas getötet. Der Cyberspezialist Tahle war demnach auch dafür zuständig, die Zielgenauigkeit der Raketen zu verbessern. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte, die tödlichen Angriffe seien "nur der Anfang".

Zwangsräumungen als Auslöser

Auslöser der jüngsten Gewalteskalation ist die drohende Zwangsräumung von rund 30 Palästinensern aus ihren von jüdischen Israelis beanspruchten Wohnungen in Ost-Jerusalem. Bei den heftigsten Zusammenstößen seit Jahren zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern in Ost-Jerusalem waren in den vergangenen Tagen hunderte Palästinenser und dutzende Polizisten verletzt worden.

Auch im von Israel besetzten Westjordanland nahmen die Spannungen zu. Dort wurden drei Palästinenser bei verschiedenen Vorfällen von israelischen Soldaten erschossen. 

Die Lage verschärfte sich durch Zusammenstöße in mehreren jüdisch-arabischen Städten, in denen Demonstranten mit palästinensischen Flaggen durch die Straßen zogen, Autos anzündeten und sich Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten. In Lod verhängten die israelischen Behörden in der Nacht zum Mittwoch den Ausnahmezustand. In der im Zentrum des Landes gelegenen Stadt war es nach dem gewaltsamen Tod eines arabischen Israelis zu Ausschreitungen der arabischen Minderheit gekommen. 

Israels Präsident spricht von "Pogrom" in Lod

Der israelische Präsident Reuven Rivlin verurteilte die Gewalt mit scharfen Worten. In Lod habe ein "Pogrom" stattgefunden, erklärte das Staatsoberhaupt. Die derzeitigen Unruhen im Land würden durch einen "blutrünstigen arabischen Mob" verursacht, der Menschen verletze und sogar "heilige jüdische Orte" angreife. Die sei "unverzeihlich".

Israels Verteidigungsminister Gantz kündigte weitere Angriffe auf militante Palästinensergruppen im Gazastreifen an. Erst wenn eine "vollständige und langfristige Ruhe" erreicht sei, "werden wir über eine Waffenruhe reden können". Hamas-Führer Ismail Hanijeh erklärte, falls Israel die Lage eskalieren lassen wolle, "dann sind wir bereit dafür".

Die Bundesregierung hob am Mittwoch Israels Recht auf Selbstverteidigung hervor. Die fortdauernden Angriffe auf israelische Städte seien durch nichts zu rechtfertigen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte das sofortige Ende der "schweren Eskalation". 

Alle internationalen Appelle zur Zurückhaltung verhallten bislang ungehört. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich erneut auf keine gemeinsame Erklärung einigen. Übereinstimmenden Berichten zufolge lehnten die USA als einziges der 15 Ratsmitglieder die Erklärung ab. Sie scheinen nicht daran zu glauben, dass dies "zur Deeskalation beitragen" könnte, sagte ein Diplomat.

(ogo/afp)

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