Analyse
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
FILE - In this May 25, 2017 file photo, US President Donald Trump, center, speaks with European Council President Donald Tusk, second right, and European Commission President Jean-Claude Juncker in Brussels. The Trump administration announced Thursday, May 31, 2018 that it will impose tariffs on steel and aluminum imports from Europe, Mexico and Canada after failing to win concessions from the American allies. (AP Photo/Olivier Matthys, File)

Bild: Olivier Matthys/AP

3 Gründe, warum Trump es Europa im Handelsstreit so richtig zeigen will

fabian reinbold, washington

Donald Trumps Handelspolitik mit der Brechstange hat jetzt auch Europa getroffen. Zweimal war die Europäische Union noch mit Schonfristen davon gekommen, doch ab Freitagmorgen werden die US-Importzölle auf Stahl- und Aluminium aus der EU in Kraft treten.

Europas Produkte werden in den USA teurer, Europa wird im Gegenzug Hunderte US-Erzeugnisse von Erdnussbutter bis zu Harley-Motorrädern mit einem kräftigen Aufschlag versehen. Der Handelskonflikt zwischen Europa und den USA bewegt sich auf einen Handelskrieg zu.

Trump wagt damit einen massiven Konflikt an drei Fronten:

Jeder dieser Handelskonflikte wäre für sich genommen schon massiv, angesichts der Bedeutungen dieser Wirtschaftsbeziehungen. Die EU, China, Kanada und Mexiko sind die vier größten Wirtschaftspartner der USA. Dass Trump sie parallel angeht, sorgt in Washington für Kopfschütteln.

Dabei ist die Motivation des US-Präsidenten gar nicht so schwer zu entschlüsseln. Trump ist wie immer auf kurzfristigen Gewinn aus und hat dabei drei Ziele im Blick.

 Trump schaut auf seine Basis

Erstens will Trump mit dieser Handelspolitik in der Heimat punkten: Alle seine Themen von chinesischer Produktpiraterie zu deutschen Autos bis zum Gelöbnis, die heimische Industrie zu schützen, waren schon Wahlkampfhits. Mit den Zöllen will er das Wahlversprechen einlösen.Als Trump am 8. März die Stahl- und Aluminiumzölle ankündigte, tat er dies im Kreise von Vertretern von Stahl- und Aluminiumfirmen sowie Arbeitern in voller Montur. Die Symbolik: Der Präsident kümmert sich um Industrie und Arbeiterklasse.

Bild

8. März: Trump unterschreibt das Zolldekret umringt von Stahlarbeitern (Quelle: Leah Millis/Reuters)

All das geschieht vor dem Hintergrund der nahenden Kongresswahlen im November. Für Trump sind sie enorm wichtig – sollten seine Republikaner die Mehrheit verlieren, wird für ihn alles schwieriger: Gesetze durchzubringen oder seine Affären zu überstehen. Also muss Trump bei seiner Wählerbasis punkten. Zwar fürchten sich auch viele Amerikaner vor einem Handelskrieg. Doch Trumps Anhänger und Republikaner befürworten die Zölle.

Laut einer im Mai veröffentlichen Umfrage des "Pew Research Center" sagten 58 Prozent der Republikaner, die Stahl- und Aluminiumzölle seien "gut für das Land", nur 26 Prozenten sahen sie als "schlecht" an. Bei den Demokraten war es in etwa umgekehrt. Trumps Wähler glauben ihrem Präsidenten.

Es ist allerdings auch eine heikle Wette. Einige Regionen Amerikas sind eng mit der deutschen Industrie verknüpft. Noch ist unklar, wie laut der Protest ausfällt, wenn dort Auswirkungen des Konflikts spürbar werden sollten. Bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstag in Nashville erwähnte Trump die Zölle oder seine Klage über deutsche Autos etwa mit keiner Silbe. Kein Wunder: Zwei Stunden entfernt steht ein großes VW-Werk, das Tausende Arbeitsplätze bietet.

Trump geht es nicht um Stahl, sondern um das Handelsdefizit

Zweitens geht es Trump darum, die Handelsregeln umzuschreiben, und das mit Einzeldeals zum Vorteil seines Landes. In diesem Punkt sind die Stahl- und Aluminiumzölle eher ein Mittel zu dem Zweck, Zugeständnisse abzupressen.

Bei manchen Handelspartnern hat dieses Manöver bereits funktioniert: Südkorea hat Veränderungen an seinem Handelspakt mit den USA zugestimmt und wird 30 Prozent weniger Stahl und Aluminium nach Amerika exportieren.

Zu solchen Quoten wollte Trumps Wirtschaftsminister Wilbur Ross auch die Europäer drängen. Doch die wissen, dass Trump anschließend immer mehr verlangen könnte. Tatsächlich geht es dem US-Präsidenten darum, die amerikanischen Handelsdefizite allgemein abzubauen. Diese sind mit EU und Deutschland besonders groß. Dass Trump daran rütteln will, hätte eigentlich keinen EU-Politiker überraschen dürfen, schließlich spricht Trump seit Jahrzehnten über diese Themen.

Dabei vermischt der Präsident munter alle Aspekte miteinander: Klagen über Handelsüberschüsse, über deutsche Autoexporte und Europas Einführzölle auf amerikanische Wagen, über Berlins niedrige Verteidigungsausgaben, über die russisch-deutsche Pipeline Nordstream 2 und den Marktzugang für amerikanisches Flüssiggas. Er will eben mit allen Mitteln dafür sorgen, dass die Europäer mehr US-Produkte und die Amerikaner weniger europäische Produkte kaufen.

Deshalb sind auch seine Drohungen ernstzunehmen, Zölle auf Autoimporte zu erlassen. Dies wäre eine Eskalation, die Deutschland erheblich treffen würde.

Die EU irritiert Trump zutiefst

Drittens kommt für Trump im Falle Europas etwas Grundsätzliches hinzu, das die "Washington Post" am Donnerstag wie folgt zusammenfasste: "Die aus 28 Nationen bestehende EU symbolisiert alles, was Trump an der Globalisierung hasst." Der US-Präsident hält tatsächlich nichts vom Staatenbund und von Multilateralismus, wie er hier Ausdruck findet.  

Er will lieber mit einzelnen Staaten "dealen". Als Emmanuel Macron Ende April zu Besuch war, sagte Trump es ganz offen heraus: "Ich würde lieber mit Frankreich verhandeln", die Europäische Union sei so hart zu den USA.

Trump ist sichtlich irritiert darüber, dass die Federführung für Handelsfragen in Brüssel liegt und seine Regierung mit EU-Handelskommissarin Cecilia Malmströmreden muss. Und seine Berater wurmte es, dass sich die EU von der Drohkulisse nicht allzu sehr beeindrucken ließ.

Trump dürfte deshalb gewillt sein, gegenüber Europa weiterhin besondere Härte zu zeigen. Schon zur zweimaligen Schonfrist, die der EU anfangs gewährt wurde, musste er laut Medienberichten von seinen Beratern überredet werden. Das alles wird die Gespräche, die Washington und Brüssel fortführen wollen, nicht leichter machten.

Dieser Text erschien zuerst auf t-online.de

Das könnte dich auch interessieren:

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Kramp-Karrenbauer hat nicht einfach einen Witz gemacht – sie denkt wirklich so

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer steht nach ihrer "Comedy-Einlage" beim Stockacher Narrengericht in der Kritik. Sie befördere LGBTI-feindliche Stimmungen, sagen die einen. Sie habe nur einen Witz gemacht und werde nun zum Opfer einer Empörungskultur, meinen andere.

Kramp-Karrenbauers Auftritt ist jedoch mehr als ein dumpfer Fastnachts-Gag. Denn mehrere Äußerungen aus den vergangenen Jahren zeigen: Die CDU-Chefin denkt wirklich so.

AKK handelt sich nicht zum ersten Mal einen …

Artikel lesen
Link zum Artikel