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Bild: screenshot youtube

Hier werden 5 Festplatten vernichtet – warum das für Österreichs Ex-Kanzler brisant ist

Kurz vor Kurz' Rücktritt ließ sein Social-Media-Manager fünf Festplatten vernichten. Brisant: Bei der Aktenvernichtungsfirma Reisswolf meldete er sich unter falschem Namen an.

Letzte Woche wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter von Kurz' Regierung eine Festplatte schreddern ließ. Laut Österreichs Ex-Kanzler nur ein ganz "üblicher Vorgang", ein Mitarbeiter seiner Partei habe nur seine Pflicht getan.

Neue Videoaufnahmen des österreichischen "Falter" zeigen nun aber, dass das nur die halbe Wahrheit ist.

Was ist passiert?

Ein paar Tage nach der Aufdeckung der Ibiza-Affäre kommt ein mysteriöser Kunde in einen Wiener Aktenentsorgungsbetrieb namens Reisswolf. Der Kunde lässt fünf Festplatten schreddern. Aber offenbar reicht ein Mal nicht aus. Ein zweites und drittes Mal lässt er die Überreste durch den Vernichter laufen. Während des Prozesses ist er anwesend und nimmt die pulverisierten Überreste mit. "Walter Maisinger" sei sein Name, sagt er, und lässt die passende E-Mail-Adresse in die Besucherliste eintragen. Die Firma: "Privat."

Das Video des "Falter":

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Video: YouTube/FALTER

Das Problem: Der junge Mann heißt nicht Walter Maisinger, sondern Arno M. und ist Social-Media-Chef des österreichischen Kanzleramts.

Wie kam es ans Licht?

Das seltsame Gebaren des jungen Mannes hinterließ bei den Mitarbeitern von Reisswolf einen bleibenden Eindruck. So heißt es im Protokoll des Entsorgungsbetriebs:

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Bild: screenshot youtube/falter

"Kunde bei Vernichtung anwesend, geschredderte Festplatten wieder mitgenommen (Material wurde gesamt 3x geschreddert)."

Protokollauszug

Und Siegfried Schmedler, der Chef der Firma, erklärt gegenüber dem "Falter", dass das Verhalten "absolut unüblich" sei. Die Rechung von 76 Euro und 45 Cent bleibt wochenlang unbezahlt.

Fünf Tage nach dem Schreddern wird Kanzler Kurz in einem Misstrauensvotum abgewählt. Die Mitarbeiter von Reisswolf verfolgen die Abschlussrede im Fernsehen. Und erkennen hinter Sebastian Kurz "Walter Maisinger". Schmedler erstattet Anzeige bei der Polizei:

"Nachdem wieder über die Frist hinaus kein Zahlungseingang erfolgt ist, habe ich mich dazu entschlossen, eine Betrugsanzeige zu machen."

Siegfried Schmedler, Chef von Reisswolf

Wie geht's jetzt weiter?

Der Fall wird nun von der Sonderkommission "Ibiza" untersucht, die im Auftrag der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt. Außerdem hat Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein eine interne Untersuchung angeordnet.

Und was meint das Bundeskanzleramt in Wien? Gegenüber dem "Spiegel" heißt es: "Die Löschung bestimmter sensibler, nicht dem Bundesarchivgesetz unterliegender Daten entspricht der üblichen Praxis bei Regierungswechsel." Und: "Aufgrund laufender Ermittlungen [werden] derzeit keine weiteren Angaben [gemacht]."

Das Fazit des "Falter"-Chefredaktors Florian Klenk: "Was also bleibt? Eine Staatsaffäre? Eine Posse? Ein Sittenbild der Republik und des Kabinett Kurz ist diese Causa allemal."

(jaw)

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