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Der erfahrene ZDF-Journalist Kleber gestand bei " Maybrit Illner": "Ich habe Angst." Bild: Sceenshot ZDF

Nicht Trump-Wiederwahl: Claus Kleber sagt bei "Illner", was ihm Angst macht

Alexandra Karg

Donald Trump gegen Joe Biden – in dieser Woche lieferten sich der amtierende US-Präsident und sein Herausforderer ihr erstes TV-Duell. Trump und Biden bescherten ihren Wählern dabei ein Wortgefecht samt sprachlicher Entgleisungen, sie lieferten sich eine Schlammschlacht. Dabei können die Menschen in den USA derzeit nicht noch mehr Chaos vertragen. Am 3. November steht die US-Präsidentschaftswahl an und die Gesellschaft im Land ist gespalten wie nie. Doch was passiert, wenn Donald Trump es schafft, sein Amt zu verteidigen? Diese Frage diskutierte Moderatorin Maybrit Illner unter dem Titel Wahl, Wut, Verschwörung – was, wenn Trump bliebe?

Die Gäste am Donnerstagabend:

Hat Donald Trump eine Chance die Wahl gegen Joe Biden zu gewinnen und sich die nächsten vier Jahre zu sichern?

Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin wollte keinen Tipp wagen: "2016 lagen wir in den Prognosen alle daneben. Wir sind 33 Tage vor der Wahl, alles ist möglich, alles ist offen."

Damit machte die Leiterin einer Berliner Denkfabrik direkt zu Anfang der Sendung deutlich: Die Zukunft, in die die Gäste bei "Maybrit Illner" an diesem Abend blicken, ist ungewiss – und offenbar düster.

Claus Kleber: "Zum ersten Mal habe ich Angst"

Finster sind die Befürchtungen von ZDF-Moderator Claus Kleber. Seit Jahrzehnten ist Kleber als US-Wahlbeobachter tätig, nie war ihm jedoch derart bange vor dem Ausgang einer Wahl. Er gab zu: "Zum ersten Mal habe ich Angst, denn ich glaube, dass eine Wiederwahl von Donald Trump nicht der Worst Case ist. Der Worst Case wäre ein Zusammenbruch des amerikanischen Systems."

Publizistin Marina Weisband ging in ihrer Prognose gar einen Schritt weiter: Eine Wiederwahl Trumps könne gar eine Gefahr für die nationale Sicherheit in den USA bedeuten.

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Politikwissenschaftler Peter Rough gerät bei den Gästen im Studio immer mehr in die Kritik. screenshot: zdf

Während sich darüber im Studio von "Maybrit Illner" alle grundsätzlich einig waren, schätzte US-Politikwissenschaftler Peter Rough, selbst Mitglieder Republikaner, die Lage anders ein. Trump eine Gefahr für die nationale Sicherheit – das nennt er "überbewertet".

Was, wenn Donald Trump Ernst macht mit seinen Andeutungen aus der Vergangenheit und eine verlorene Wahl nicht akzeptieren will? Peter Rough wischt auch diese Vermutung vom Tisch: "Wir sind doch nicht Mali! Was würde er tun, sich einbunkern?" Rough bekräftigt:

"Trump wird sich nicht mit einer Miliztruppe auf die Straße stellen. Das ist völlig absurd."

Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin erklärte eine Anfechtung der Wahlergebnisse Trumps dagegen für wahrscheinlich. Eine Gefahr bestünde besonders, wenn Joe Biden in letzter Sekunde durch die Briefwähler einen Sieg erreichen würde. Puglierin machte deutlich: "Dann ist alles möglich. Ich gehe davon aus, dass Trump bis zum letzten Blutstropfen darauf besteht, dass er der einzige Präsident ist." Damit verwies die Politikwissenschaftlerin auch auf Trumps Nähe zu rechten Gruppen wie den sogenannten "Proud Boys", die er im TV-Duell gegen Biden sogar noch bekräftigte.

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Jana Puglierin möchte keine Prognose zum Ausgang der Wahl treffen. screenshot: zdf

Peter Rough fürchtet eine Gefahr durch den Linksextremismus

Rechtsextreme Gruppen könnten Trump unterstützen und ihm helfen, eine weitere Amtszeit notfalls auch mit Gewalt durchzusetzen, so die Einschätzung von Puglierin. Damit ist die Politikwissenschaftlerin nicht allein: Auch Marina Weisband glaubt, Trump habe die Macht, Bewaffnete auf die Straße zu bringen. Einigkeit im Illner-Studio? Nicht ganz. Zwischen den Studiogästen und Politikwissenschaftler und Mitglied der Republikaner, Peter Rough, verhärteten sich an dieser Stelle mehr und mehr die Fronten.

Rough sieht keine Gefahr von Rechts, vielmehr gebe es eine Gefahr von Links. "Wir haben jetzt gegenwärtig stark mit Linksextremismus zu tun. Wenn Trump überraschenderweise die Wahl doch noch gewinnt, dann würden diese Leute umso wütender auf die Straße gehen." Linke seien laut Rough viel organisierter und besser ausgestattet als Rechtsextremisten. Diese Aussage konnte ZDF-Moderator Claus Kleber keinesfalls einfach so stehen lassen. Er widersprach Peter Rough vehement:

"Es ist eindeutig so, dass die rechtsnationalen Kräfte in den USA besser organisiert, besser bewaffnet und geübt sind."

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Marina Weisband ist der Meinung, Donald Trump habe einen Kult um seine Person geschaffen. screenshot: zdf

Auch Marina Weisband pflichtete Claus Kleber bei. Rechtsextremismus mit Linksextremismus gleichzusetzen sei laut Weisband eine Strategie der Republikaner, die rassistische Gewalt mit Sachbeschädigung gleichmachen wolle.

Sigmar Gabriel nimmt Peter Rough ins Kreuzverhör

Während Trumps Corona-Politik und eine kurze Video-Schalte zur demokratischen Abgeordneten Angelika Kausche, die Diskussion in der Studio-Runde kurzzeitig verlangsamt, nahm die Debatte schon bald wieder Fahrt auf.

Ex-Außenminister Sigmar Gabriel wandte sich anschließend direkt an Peter Rough und kritisierte Roughs zurückhaltende Argumentation: "Ich bin entsetzt über die Leichtigkeit, mit der sie über etwas hinweggehen, was die Grundlagen jeder demokratischen Verfasstheit berührt: Nämlich, dass ein amtierender Präsident ein Wahlergebnis möglicherweise nicht anerkennt." Darin liege laut Gabriel der eigentliche Skandal des US-Wahlkampfes. Empört legte er nach: "Dazu, finde ich, sollte man als Politikwissenschaftler durchaus etwas zu sagen."

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Ex-Außenminister Sigmar Gabriel sieht in Trumps Drohung, die Wahl nicht anzuerkennen, einen Skandal. screenshot: zdf

Peter Rough wollte von Leichtigkeit nichts wissen. Er erklärte: "Donald Trump kann sagen was er will, wenn er die Wahl verliert, wird er verlieren." Doch damit nicht genug. Nun stand Rough endgültig im Kreuzfeuer. Jana Puglierin und Claus Kleber bekräftigen noch einmal ihre These, es gebe durchaus die Möglichkeit für Trump, das Wahlergebnis zu unterwandern. Und auch Video-Gast Siri Hustvedt, Mitgründerin der Initiative writersagainsttrump.org, teilt diese Meinung. Trump habe zu einem Flirt mit den Rechten aufgerufen, sagte Hustvedt. Sie vermutet:

"In vier weiteren Jahren Trump könnten wir sehen, dass wir keine Republik mehr haben."

Der Blick in die Zukunft blieb auch zum Ende dieses Abends ungewiss und düster. Abwarten lautete die Devise zum Abschluss. Ähnlich wie im US-Wahlkampf haben sich auch bei Maybrit Illner an diesem Donnerstagabend zwei Fronten gebildet. Eine Schlammschlacht wie sie Trump und Biden ihren Wählern geliefert haben blieb für die TV-Zuschauer allerdings aus.

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