Nach der Explosion in einer Müllverbrennungsanlage in Leverkusen geht die Suche nach den Vermissten weiter.
Nach der Explosion in einer Müllverbrennungsanlage in Leverkusen geht die Suche nach den Vermissten weiter.
Bild: dpa

Nach schwerer Explosion in Chempark Leverkusen mit mindestens fünf Toten: Suche nach Vermissten geht weiter

30.07.2021, 08:36

Nach der gewaltigen Explosion in einer Müllverbrennungsanlage in Leverkusen mit mindestens fünf Toten werden zwei Menschen weiter vermisst. "Die Suche geht heute weiter", sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen. Die Hoffnung, die Vermissten noch lebend zu finden, war bereits am Donnerstagabend verschwindend gering gewesen.

Schwerverletzter stirbt in Krankenhaus

Bislang wurden vier Menschen tot aufgefunden. Ein Schwerverletzter starb zudem im Krankenhaus. Nach der Detonation am Dienstag hatten im Leverkusener Chempark - einem Gelände mit Chemie-Unternehmen - Tanks gebrannt, in denen nach Angaben der Betreiberfirma Currenta "organische Lösungsmittel" lagerten.

Rund um den Explosionsort liegt ein Trümmerfeld. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Explosion gegen unbekannt. Sie will herausfinden, ob menschliche Fehler zu der Katastrophe führten. Viele Anwohner warten zudem weiter gespannt auf das Ergebnis einer Analyse der bei dem Unglück freigesetzten Stoffe.

Hochgiftige Stoffe in Rauchwolke

Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (LANUV) geht nach der Explosion im Leverkusener Chempark von "Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen" aus, die über die Rauchwolke in umliegende Wohngebiete getragen wurden.

Nach Informationen des Amtes hätten in den betroffenen Tanks unter anderem auch chlorierte Lösungsmittel gelagert, teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. "Daher gehen wir derzeit davon aus, dass über die Rauchwolke Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen in die umliegenden Wohngebiete getragen wurden", hieß es.

In welcher Konzentration dies tatsächlich geschehen sei, werde aber aktuell noch untersucht. Die Untersuchungen seien recht aufwendig.Die Explosion hatte sich am Dienstagmorgen im Leverkusener Chempark ereignet.

Nach der Detonation brannte ein Tanklager im Entsorgungszentrum. Anwohner werden angehalten, kein Obst- oder Gemüse aus dem Garten zu essen, auf dem sich Ruß abgelagert hatte.

Hoffnung, Vermisste lebend zu finden, schwindet

Die Hoffnung, Vermisste noch lebend zu finden, werde immer geringer, so ein Sprecher des Chemparks am Mittwochmorgen. Mit zunehmender Dauer und auch zunehmender Annäherung der Einsatzkräfte an den Brandherd verringere sich die Wahrscheinlichkeit, Überlebende zu finden.

"Es hat sich um eine heftige Detonation gehandelt, die zu einer großen Schadenslage geführt hat", verdeutlichte der Sprecher. Beim Löschen sei zudem Schaum zum Einsatz gekommen. Deshalb sei dieser Bereich unübersichtlich. Das erschwere auch die Suche nach den Vermissten. Feuerwehrleute seien weiterhin vor Ort. Der Einsatz dauere an.

Explosion noch viele Kilometer entfernt zu hören

Die gewaltige Explosion, die nach Zeugenberichten im Umkreis von vielen Kilometern zu hören war, ereignete sich im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig. Die Ursache für die Explosion war zunächst weiter unklar. Das Unternehmen rechnete damit, dass es noch einige Zeit dauern könnte, bis es erste Erkenntnisse gibt.

Autobahnen am Kölner Ring gesperrt

Die Polizei bat, den Bereich großräumig zu meiden und die Straßen für Einsatzkräfte frei zu halten. Zuvor waren bereits die Autobahnen in unmittelbarer Nähe am viel befahrenden Kölner Ring voll gesperrt worden.

Anwohner des Chemiebetriebs wurden aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten.

BBK gibt Warnstufe "Extreme Gefahr" aus

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete das Ereignis in dem Chemiepark in die Warnstufe "Extreme Gefahr" ein.

Das Unternehmen Currenta berichtete, Einsatzkräfte der Werksfeuerwehr und Luftmesswagen seien im Einsatz. Die Auswirkungen der Explosion im Stadtteil Wiesdorf waren laut einer Stadtsprecherin zunächst unklar. "Ausmaß und Ursache der Schadenslage sind aktuell noch nicht bekannt", erklärte auch die Polizei in einer Mitteilung.

A1 bei Leverkusen gesperrt

Wegen der größeren Schadenslage wurde die vielbefahrene Autobahn 1 bei Leverkusen gesperrt, wie die Polizei via Twitter mitteilte. Von der Vollsperrung betroffen seien das Autobahnkreuz Leverkusen-West sowie die A1 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und Köln-Nord.

Der Chempark ist nach eigenen Angaben einer der größten Chemieparks Europas. An den drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen sind über 70 Firmen angesiedelt.

(fgr/dpa)

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