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An oil tanker is seen after it was attacked at the Gulf of Oman, June 13, 2019. ISNA/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVES

Die "Front Altair" der norwegischen Reederei Frontline am Donnerstagmorgen. Bild: X80001

Zwei Tanker in Flammen: US-Militär veröffentlicht Video, das den Iran belasten soll

Im Golf von Oman sind zwei Öltanker angegriffen worden. Die USA beschuldigen den Iran, die wichtige Handelsroute zu sabotieren. Auch die EU ist alarmiert.

Der Iran hat die Vorwürfe der USA, Schuld an den Angriffen auf Öltanker am Golf zu sein, scharf zurückgewiesen. "Der Iran weist die unbegründete Behauptung der Vereinigten Staaten zu den Öltanker-Vorfällen am 13. Juni kategorisch zurück (...)", teilte die UN-Mission des Landes am Donnerstag in New York mit. "Der ökonomische Krieg und Terrorismus der USA gegen das iranische Volk sowie ihre massive Militärpräsenz in der Region sind weiterhin die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der weiteren Persischen Golfregion."

US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Donnerstag Teheran beschuldigt, hinter den Angriffen auf zwei Öltanker zu stecken. "Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam", sagte Pompeo in Washington. Es handele sich um eine "nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran".

Pompeo sagte, die US-Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, auf den eingesetzten Waffen und auf ähnlichen Angriffen in jüngster Vergangenheit.

Das US-Militär veröffentlichte dazu ein Video, das die iranischen Revolutionsgarden belasten soll. Das US-Zentralkommando Centcom, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt, teilte am Donnerstag (Ortszeit) mit, das Video zeige, wie ein Boot der Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufahre. Die Menschen an Bord des iranischen Schnellbootes vom Typ "Gaschti" seien dabei "beobachtet und aufgenommen" worden, wie sie eine nicht explodierte Haftmine wieder vom Schiffskörper entfernten.

Auf dem Video ist zu erkennen, wie sich Menschen an Bord eines Schnellbootes an der Wand eines Öltankers zu schaffen machen und von dort etwas zu entfernen scheinen. Das Boot fährt danach wieder weg von dem Tanker. Centcom sprach von einem "Haftminenangriff" im Golf von Oman.

"Wir haben keinerlei Beweise diskutiert", sagte der kuwaitische UN-Botschafter Mansur al-Otaibi nach einem Treffen des Gremiums am Donnerstag. Kuwait steht dem Gremium momentan vor. Auch habe der Sicherheitsrat zunächst keine Maßnahmen angesichts der steigenden Spannungen beschlossen. Es müsse seiner Ansicht nach eine unabhängige und gründliche Untersuchung geben.

Und auch Großbritannien geht zunächst davon aus, dass der Iran für die Angriffe auf die beiden Tankschiffe im Golf von Oman verantwortlich ist. Sein Land werde zwar eine eigene Überprüfung der Vorfälle vornehmen, erklärte Außenminister Jeremy Hunt am frühen Freitagmorgen. Zunächst glaube man aber den Erklärungen des Verbündeten USA. Die Vorfälle seien "sehr besorgniserregend und kommen zu einer Zeit von ohnehin schon großen Anspannungen", erklärte Hunt. "Wir nehmen das sehr ernst und meine Botschaft an den Iran ist, dass, wenn sie darin verwickelt sind, es eine äußerst unkluge Eskalation ist, die eine ernste Gefahr für die Aussicht auf Frieden und Stabilität in der Region darstellt."

Man haben keinen Grund, an den Angaben von US-Außenminister Mike Pompeo zu zweifeln, sagte dessen saudiarabischer Kollege Adel al-Dschubeir am Donnerstag dem US-Sender CNN. Der Iran habe bereits in der Vergangenheit Derartiges getan. Die Regierungen in Riad und Teheran sind Erzrivalen. Saudi-Arabien hatte den Iran bereits für den Angriff auf vier Tanker Mitte Mai verantwortlich gemacht. Auch damals wies der Iran die Vorwürfe zurück.

Die Spannungen in der Golf-Region nahmen nach dem Angriff auf Zwei Handelsschiffe bedrohlich zu. Betroffen waren am Donnerstag ein von einem deutschen Unternehmen gemanagter Frachter sowie ein Schiff einer norwegischen Reederei. Die norwegische Seefahrtsbehörde bestätigte einen Angriff auf den Öltanker "Front Altair". Das norwegische Unternehmen Frontline meldete eine Explosion und einen Brand an Bord.

A picture of the Kokuka Courageous, one of two that were hit in suspected attacks in the Gulf of Oman, is displayed during a news conference by the ship owner Kokuka Sangyo Ltd. at the company office in Tokyo, Japan June 13, 2019, in  in this photo released by Kyodo. Mandatory credit Kyodo/via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. MANDATORY CREDIT. JAPAN OUT.

Das ist die "Kokuka Courageous" der deutschen Reederei BSM. Bild: X01481

Die deutsche Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) teilte mit, auch der mit Methanol beladene Tanker "Kokuka Courageous" sei im hinteren Teil beschädigt und ein Besatzungsmitglied sei leicht verletzt worden. Die 21 Seeleute an Bord wurden von einem US-Marineschiff aufgenommen, wie ein Londoner Sprecher des in Singapur ansässigen Schiffsmanagement-Unternehmens sagte. Die Ladung sei intakt, der Frachter drohe nicht zu sinken. Auch die japanische Firma Kokuka Sangyo erklärte, ihr Tanker "Kokuka Courageous" sei betroffen.

GRAFIK --- Lokalisierungskarte (90 X 58mm quer) vom Donnerstag, 13. Juni 2019 (KEYSTONE/Gerhard Riezler) |

Bild: picture alliance/KEYSTONE

Die Bundesregierung zeigte sich besorgt. Der Vorfall sei außerordentlich beunruhigend, sagte Außenminister Heiko Maas. Dies seien Ereignisse, die zu einer Eskalation führen könnten. Sabotageakte seien generell eine Bedrohung für offene Handelswege und "aktuell auch eine Bedrohung für den Frieden".

Die Hintergründe der Vorfälle unweit der Küste des Irans waren zunächst ebenso unklar wie die Verantwortlichen. Bereits seit Wochen wachsen in der Region die Spannungen zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und seinen Verbündeten einerseits sowie dem schiitischen Iran andererseits. Das Königshaus in Riad wirft der Führung in Teheran vor, sich in die inneren Angelegenheiten arabischer Staaten einzumischen und die Region zu destabilisieren.

Ein Sprecher der iranischen Flotte erklärte, mehrere Expertenteams seien mit Hubschraubern über dem Seegebiet im Einsatz, um die Zwischenfälle zu untersuchen. Der BSM-Sprecher konnte nicht sagen, was bei dem Zwischenfall genau passierte. Aufgrund der verschiedene Medienberichte gehe er von "etwas Feindseligem" aus. Die Besatzung habe das Schiff aus Sicherheitsgründen verlassen.

Die betroffene Meerenge ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Straße von Hormus läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Die Rohölpreise stiegen nach den Zwischenfällen deutlich.

Die EU warnte nach den Vorfällen vor vorschnellen Reaktionen. "Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen", sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Das norwegische Seefahrtsamt erhöhte seine Sicherheitsstufe für das betroffene Gebiet. "Wegen der Angriffe und der unklaren Umstände" rate man Schiffen unter norwegischer Flagge, sich von iranischen Territorialgewässern fernzuhalten.

Erst vor vier Wochen hatten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe in derselben Region gemeldet. Nach saudi-arabischen Angaben wurden zwei Tanker des Landes schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar.

US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die "fast sicher" der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von "lächerlichen Behauptungen".

Die USA waren vor einem Jahr einseitig aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran ausgestiegen und setzen das Land seitdem wieder mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck. Das US-Militär verlegte einen Flugzeugträger und eine Fernbomberstaffel in die Region, was Sorgen vor einem militärischen Konflikt aufkommen ließ.

Nach den neuen Zwischenfällen meldete die norwegische Seefahrtsbehörde, es sei von drei Explosionen auf der "Front Altair" berichtet worden. Die Reederei Frontline wies zugleich Berichte zurück, das Schiff sei gesunken. Sie bestätigte auch nicht die Angaben der norwegischen Seefahrtsbehörde, die von einem Angriff gesprochen hatte.

Die US-Marine erklärte, sie habe zwei Notrufe erhalten. US-Schiffe in der Region leisteten Hilfe, teilte die 5. Flotte der US-Marine in Bahrain mit. Es gebe Berichte, dass dort zwei Tanker angegriffen worden seien.

Der Zwischenfall ereignete sich diesen Angaben zufolge in etwa 70 Seemeilen Entfernung vom arabischen Emirat Fudschairah und etwa 14 Seemeilen vor der iranischen Küste. Weiterer Anrainer der dortigen Meerenge ist das arabische Sultanat Oman.

Der 2016 gebaute Öltanker "Front Altair" fährt unter der Flagge der Marschallinseln. Er war nach Angaben des Dienstes "Marine Traffic" auf dem Weg von den VAE nach Taiwan. Frontline gilt als Betreiber der größten Tankerflotte der Erde. Sie ist im Besitz des norwegischen Milliardärs John Frederiksen. Die "Kokuka Courageous" ist unter der Flagge Panamas unterwegs und hatte "Marine Traffic" zufolge vor drei Tagen in Saudi-Arabien abgelegt, um nach Singapur zu fahren. Die Bernhard Schulte Shipmanagement gehört zur Schulte Group, deren Holdinggesellschaft die Hamburger Bernhard Schulte GmbH & Co. KG ist.

Der Verband Deutscher Reeder zeigte sich über die Vorfälle im Golf von Oman besorgt: "Die zivile Schifffahrt, insbesondere unschuldige Seeleute, derartig feige und brutal zu attackieren, ist verantwortungslos", erklärte Verbandspräsident Alfred Hartmann.

(as/hd/afp/rtr/dpa)

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