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An Afghan security force officer carries a child rescued from the building of Ministry of Communication and Information Technology in Kabul, Afghanistan April 20, 2019. REUTERS/Mohammad Ismail

Ein afghanischer Soldat rettet ein Kind in Kabul. Bild: reuters

Mehrheit der getöteten Zivilisten in Afghanistan geht nicht auf das Konto der Taliban

Sarah Serafini / watson.ch

Am Mittwoch legte die UNO in einem Bericht offen, dass von den USA unterstützte Kriegstruppen im laufenden Jahr mehr afghanische Zivilisten getötet haben als die Taliban und andere bewaffnete Anti-Regierungsgruppen.

Laut dem Bericht der Hilfsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) haben die "regierungsfreundlichen Kräfte", darunter die Nato, afghanische und internationale Truppen, in den ersten drei Monaten dieses Jahres 305 Zivilisten getötet. Im Vergleich dazu kamen 227 Zivilisten durch "regierungsfeindliche Kräfte" wie die Taliban oder den IS zu Tode.

Tadamichi Yamamoto, der Leiter der UN-Hilfsmission in Afghanistan sagte: "Eine schockierende Zahl von Zivilisten wird weiterhin jeden Tag getötet und verstümmelt." Er forderte alle Parteien ausdrücklich auf, die Zivilbevölkerung aus dem Visier zu nehmen. Um die Zahl der Todesopfer zu minimieren, brauche es jetzt Sofortmaßnahmen bei Luftangriffen, so Yamamoto.

Denn die meisten zivilen Opfer sterben durch Luftoperationen. Im Bericht heisst es, dass im ersten Quartal des laufenden Jahres 43 Luftoperationen durchgeführt wurden. Diese haben 145 Zivilisten das Leben gekostet. Bei der Hälfte der zivilen Opfer handelte es sich um Frauen und Kinder.

Weiter starben bei Suchaktionen 102 Zivilisten. Die Mehrheit dieser Suchaktionen wurden vom afghanischen Geheimdienst durchgeführt, der von den USA, Großbritannien und Deutschland finanziert wird. Im UNO-Bericht wurde die Besorgnis darüber geäußert, dass diese Kräfte außerhalb ihrer Befehlskette und ungestraft zu handeln scheinen.

Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Dave Butler sagte gegenüber dem Nachrichtensender "Al Jazeera": "Wir behalten uns das Recht auf Selbstverteidigung unserer Streitkräfte sowie der afghanischen Sicherheitskräfte vor. Der beste Weg, das Leiden Zivilisten zu beenden ist, die Kämpfe durch eine vereinbarte Reduzierung der Gewalt auf allen Seiten zu beenden."

Für einige enthüllt der UN-Bericht nichts Überraschendes. Emran Feroz, ein österreichisch-afghanischer Journalist schrieb auf Twitter: "In Afghanistan töten Luftangriffe, Drohneneinsätze und brutale Nachtangriffe in diesen Tagen mehr Zivilisten als jede aufständische Gruppe. Für diejenigen, die sich schon länger auf diesem Feld recherchieren, ist das keine Überraschung."

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