The new Thuringia State Premier Minister Thomas Kemmerich of Free Democratic Party (FDP) arrives for a meeting at the federal parliament in Erfurt, Germany February 7, 2020. REUTERS/Wolfgang Rattay

Der FDP-Landeschef von Thüringen, Thomas Kemmerich, wird zukünftig keine Unterstützung der Bundespartei mehr bekommen. Bild: reuters / WOLFGANG RATTAY

FDP-Spitze entzieht Thomas Kemmerich Unterstützung

Das Präsidium der Bundes-FDP hat dem thüringischen Landesvorsitzenden Thomas Kemmerich die Unterstützung entzogen. Das Gremium habe einstimmig beschlossen, "dass es keinerlei finanzielle, logistische oder organisatorische Unterstützung für einen Wahlkampf eines Spitzenkandidaten Thomas Kemmerich durch den Bundesverband geben wird", teilte Generalsekretär Volker Wissing am Freitag mit. Grund seien "aktuelle Äußerungen" von Kemmerich.

Damit bezieht sich die FDP-Bundesspitze auf einen Tweet des Thüringer Landeschefs. In diesem hatte Kemmerich seine Entscheidung, sich mit den Stimmen der AfD zum thüringischen Ministerpräsidenten wählen zu lassen, verteidigt. "Nicht die Annahme der Wahl war der Fehler (...), sondern der Umgang der anderen demokratischen Parteien mit der Situation", schrieb er am Donnerstag auf Twitter.

Parteichef Christian Lindner hatte seinerzeit erklärt, Kemmerich sei von den Ereignissen "übermannt" worden, sprich, er habe in der Aufregung kurz vergessen, dass man sich als Demokrat nicht von Faschisten zum Regierungschef wählen lassen sollte. Dieses Narrativ von einem mehr oder weniger harmlosen "Ausrutscher" stellt Kemmerich mit seiner trotzigen Äußerung nun infrage.

Die FDP reagiert darauf nun mit Liebesentzug. "Die Entscheidung über die Spitzenkandidatur trifft der FDP-Landesverband Thüringen", stellt sie auf Twitter knapp fest. Für das Präsidium der FDP stehe jedoch fest, dass es keinerlei finanzielle, logistische oder organisatorische Unterstützung für einen Wahlkampf eines Spitzenkandidaten Thomas Kemmerich durch den Bundesverband geben werde.

Die Vorgeschichte

Thomas Kemmerich wurde am 5. Februar überraschend zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt – mit Stimmen der AfD und ihres Fraktionschefs Björn Höcke, der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistische Führungsperson eingestuft wird. Kemmerich nahm die Wahl an und löste damit ein politisches Beben aus, das bis nach Berlin reichte.

FDP-Chef Lindner sowie sein Vize Wolfgang Kubicki hatten Kemmerichs Entscheidung, die Wahl anzunehmen, zunächst verteidigt und erklärt, er habe versucht, eine "bürgerliche" Alternative zum rot-rot-grünen Lager des Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) anzubieten. Später sprachen sie von einem Fehler, Lindner reiste extra nach Thüringen, um Kemmerich davon zu überzeugen, als Ministerpräsident zurückzutreten.

(om/mit Material von afp und dpa)

Exklusiv

SPD-Influencerin Lilly Blaudszun: "Politik ist defintiv etwas anderes, als über Kosmetik oder Kleidung zu sprechen"

Sie gehört zu den prominentesten Gesichtern der SPD in den Sozialen Medien. Im Interview mit watson erklärt Lilly Blaudszun, wie sie zur SPD kam, was Bodo Ramelow bei ihr im Clubhouse-Talk macht und was jungen Menschen auf dem Land fehlt.

Lilly Blaudszun ist 19 Jahre alt und SPD-Mitglied. So weit, so unspektakulär. Aber die junge Jura-Studentin ist noch weit mehr als das: Sie ist so etwas wie die Chef-Influencerin ihrer Partei. Mit ihren Kanälen in den Sozialen Medien erreicht die Mecklenburg-Vorpommerin mehr als 50.000 Follower und hat damit mehr Reichweite als die meisten gestandenen SPD-Politiker.

Diese Reichweite könnte ihrer Partei nun im Superwahljahr 2021 helfen. Denn in Umfragen pendelt die SPD zwischen 15 bis 16 Prozent …

Artikel lesen
Link zum Artikel