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David Luiz und Marcos Alonso steht die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Bild: imago sportfotodienst

Wie Pep Chelsea austrickste – und was beim 6:0-Sieg von ManCity sonst noch los war

Philipp Reich / watson.ch

Chelseas Waterloo

0:6 bei Manchester City – Chelsea erlebte am Sonntag sein nächstes Auswärts-Waterloo. Für die "Blues" war es die höchste Niederlage der Premier-League-Geschichte. Vor zwei Wochen ging das Team von Trainer Maurizio Sarri schon beim AFC Bournemouth 0:4 unter. Zuvor hatte der sechsfache englische Meister in 26 Jahren Premier League nur einmal mit vier Toren Unterschied verloren – 1996 beim 1:5 in Liverpool. Kein Wunder, gerät Chelsea-Trainer Maurizio Sarri nach sieben Monaten bereits unter Druck.

Die höchsten Chelsea-Niederlagen:

1990/91: 0:7 bei Notthingham Forrest
1974/75: 1:7 bei den Wolverhampton Wanderers
2018/19: 0:6 bei Manchester City
1985/86: 0:6 bei den Queens Park Rangers
1978/79: 0:6 bei Nottingham Forest
1977/78: 0:6 bei Everton
1978/79: 2:7 bei Middlesbrough​

Chelsea hat nun drei der vier vergangenen Liga-Spiele verloren und ist auf Rang sechs abgerutscht. Sarri soll nach dem 0:2 im Derby gegen Arsenal ziemlich laut geworden und mit seinen Spielern hart ins Gericht gestiegen sein. Die englische Presse ist sich sicher, dass der kettenrauchende Italiener seither "die Kabine verloren" hat. Von den Reportern über seine Zukunft befragt, gab sich Sarri nicht gerade auskunftsfreudig:

"Ich weiß es nicht. Sie fragen mich etwas, was nicht mein Job ist. Ich mache mir Sorgen um unsere Leistungen, nicht um den Verein. Sie müssten den Verein fragen. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber im Moment sind wir in Schwierigkeiten. Es ist schwierig, diese Leistung zu beschreiben und zu verstehen. Wenn mich Präsident Abramowitsch anruft, freue ich mich, weil ich eigentlich nie etwas von ihm höre."

Maurizio Sarri

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Die Highlights der Partie. Video: YouTube/DAZN Premier League

Sarris Verweigerung

Schon unmittelbar nach der Partie war Sarri ziemlich zerknirscht. Der Italiener verweigerte Trainer-Kollege Pep Guardiola nach dem Schlusspfiff den Handschlag. Ohne den Katalanen eines Blickes zu würdigen, ging er schnurstracks in die Kabine. Co-Trainer Gianfranco Zola musste sich bei Guardiola für seinen Chef entschuldigen.

Manchester City v Chelsea - Premier League - Etihad Stadium Chelsea manager Maurizio Sarri (left) and Manchester City manager Pep Guardiola watch match action from the touchline EDITORIAL USE ONLY No use with unauthorised audio, video, data, fixture lists, club/league logos or live services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xRichardxSellersx 41127386

Angespannte Stimmung bei Sarri und Pep. Bild: imago sportfotodienst

Sarri erklärte den Vorfall an der Pressekonferenz so: "Ich habe Pep schlicht nicht gesehen. In diesem Moment wollte ich einfach nur in die Garderobe. Ich habe kein Problem mit ihm. Natürlich werde ich später zu ihm gehen und ihm wie üblich zum Sieg gratulieren."

Guardiolas Taktik

Gegen das ähnlich spielstarke Chelsea griff Guardiola zu einem taktischen Kniff. Anders als sonst ließ der ManCity-Trainer sein Starensemble so tief verteidigen wie sonst nie. Die Gäste wurden erst in der eigenen Hälfte attackiert, womit nach der Balleroberung mehr Platz zum Kontern da war. Blitzschnell ging es dann über Kevin De Bruyne, Raheem Sterling und Bernardo Silva nach vorne.

Manchester City v Chelsea - Premier League - Etihad Stadium Manchester City s Sergio Aguero celebrates scoring his side s fifth goal of the game with teammates EDITORIAL USE ONLY No use with unauthorised audio, video, data, fixture lists, club/league logos or live services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xRichardxSellersx 41128963

Manchester Citys Spieler nach dem Torjubel. Bild: imago sportfotodienst

City war zu Beginn überaus effektiv: Von den ersten fünf Torschüssen fanden vier den Weg ins Netz. So war Chelseas Widerstand spätestens nach dem 3:0 in der 18. Minute gebrochen. "Das war eine großartige Leistung unseres Teams. Der Trainer hat uns perfekt ein- und aufgestellt", lobte Doppeltorschütze Sterling nach der Partie seinen Chef Guardiola.

Trotz des 0:4-Rückstands nach 25 Minuten zeigte Chelsea durchaus Moral. Die "Blues" bemühten sich um einen ordentlichen Spielaufbau und kamen bis zum Ende auf 47 Prozent Ballbesitz. Insgesamt zeigten sie sich defensiv aber zu anfällig und es fehlte ein Plan, nachdem klar war, dass Sarris 4-3-2-1-System gegen dieses City nicht funktionieren wird.

Agüeros Rekord

Mann des Spiels ist mit drei Treffern Sergio Agüero. Erst treibt der 1,72 Meter kleine Stürmer Guardiola mit einem Fehlschuss alleine vor dem Tor zwar fast zur Verzweiflung, dann folgt aber seine große Show: Mit einem Schuss in den Winkel, einem Abstauber nach einer verunglückten Chelsea-Rückgabe und einem Elfmeter-Treffer zerlegt der 30-jährige Argentinier die "Blues" fast im Alleingang. Vor allem in wichtigen Spielen trifft Agüero ganz gern: In 60 Spielen gegen die Konkurrenten der Top-Six hat er nun bereits 43 Mal getroffen.

Sergio Aguero of Manchester City celebrates scores the third goal during the Premier League match at the Etihad Stadium, Manchester. Picture date: 10th February 2019. Picture credit should read: Andrew Yates/Sportimage PUBLICATIONxNOTxINxUK _AY29001.JPG

Hoch die Hände, Wochenende! Bild: imago sportfotodienst

Mit 17 Saisontreffern führt Agüero die Torjägerliste zusammen mit Liverpools Mohamed Salah an. Es waren seine Premier-League-Treffer Nummer 158, 159 und 160. Damit liegt Citys "Neuner" auf Rang acht der ewigen Bestenliste. Bis zu All-Time-Leader Alan Shrearer fehlen Agüero aber immer noch 100 Tore. In einer Kategorie hat er aber schon zur englischen Torjäger-Legende aufgeschlossen: Dank seinem elften Hattrick liegt er in dieser Kategorie zusammen mit Shearer an der Spitze.

Rüdigers Fan-Zoff

Nach dem 0:6-Debakel sitzt der Frust bei Chelseas Fans natürlich tief. Als sich Innenverteidiger Antonio Rüdiger nach dem Schlusspfiff dem eigenen Anhang stellte, drohte die Situation kurzzeitig zu eskalieren. Als ein aufgebrachter "Blues"-Fan seine Saisonkarte vor die Füße von Rüdiger warf, brannten bei diesem die Sicherungen durch. "Ich bin hergekommen, um mich zu entschuldigen – stell dich vor mich hin, wenn du etwas zu sagen hast", schrie der deutsche Nationalspieler zurück. Security-Mitarbeiter mussten schließlich dazwischen gehen, um einen handfesten Streit zu verhindern.

Dass sich Rüdiger nach der bitteren Niederlage im Etihad als einer der wenigen Chelsea-Spieler den Fans stellte, wurde von einigen Fans aber auch geschätzt. "Rüdiger"-Sprechchöre waren aus dem Chelsea-Block zu hören und ein Twitter-User postete ein Video, in dem er Rüdigers Auftritt vor den Fans lobt: "Immerhin kümmert es ihn".

Carraghers Kurzanalyse

Wie in England üblich, kamen nach dem deutlichen Resultat auch die Experten sofort zu Wort. Liverpool-Legende Jamie Carragher nahm bei "Sky" mal wieder kein Blatt vor den Mund:

"City war hervorragend, aber Chelsea spielte so schlecht wie noch nie in dieser Saison. Das Schlimmste, was ich sagen kann, ist, dass es so aussieht, als hätte Sarri Chelsea in Arsenal verwandelt. Das Arsenal, das in großen Spielen stets verprügelt wurde."

Jamie Carragher

Sky Sports presenter Jamie Carragher looks on during the premier league match at the London Stadium, London. Picture date 24th November 2017. Picture credit should read: David Klein/Sportimage PUBLICATIONxNOTxINxUK

Liverpool-Legende und harter Kritiker Jamie Carragher.  Bild: imago sportfotodienst

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