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Bei "Hart aber Fair" durfte der "Fridays for Hubraum"-Gründer unwidersprochen Falschinformationen verbreiten. ard-screenshot

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"Hart aber Fair": Wieso der "Fridays for Hubraum"-Gründer doppelt falsch lag

Bei "Hart aber Fair" war in der ARD am Montagabend das Klima vergiftet: In der Talkrunde von Frank Plasberg rund um die Klimakrise ging es um die Frage der Öko-Revolution. Wie extrem dürfen die Forderungen von Klimaaktivisten ausfallen? Welche Verantwortung trägt Deutschland?

Alle? Nein, nicht ganz: Denn das Team von Frank Plasberg hatte auch Christopher Grau, den Gründer von "Fridays for Hubraum", eingeladen. Die Facebook-Gruppe und Gegenbewegung zu "Fridays for Future" erfuhr Ende September große Aufmerksamkeit, als sie innerhalb von wenigen Tagen mehrere hunderttausend Mitglieder sammelte.

Darunter waren auch zahlreiche rechte und rechtsextreme Fans, die in der Gruppe mit übler Hassrede gegen Klimaaktivisten hetzten. Mehrere AfD-Facebook-Seiten warben für die Gruppe. Der Auto-Mechaniker Grau verstand "Fridays for Hubraum" bei "Hart aber Fair" vor allem als Ventil für die von der Klimapolitik frustrierten Bürger.

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Christopher Grau, seines Zeichens Auto-Tuner, bei "Hart aber Fair". ard-screenshot

Mit Parteien, und damit auch mit der AfD, will Graus Gruppe "erstmal gar nichts zu tun haben". Die rechten Kommentatoren habe man mittlerweile entfernt.

Die Gruppe, die ursprünglich als Witz gegründet worden war, verfolge, so Grau, eine "Lenkungswirkung zur Rationalität". Diese gewünschte Wirkung hat Grau selbst noch nicht erreicht: Stattdessen verbreitete der "Fridays for Hubraum"-Gründer in der ARD-Sendung Falschinformationen aus dem rechten Spektrum.

Nein, Habeck will kein Verbot des deutschen Einfamilienhauses

Schon bald behauptete Grau, der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck wolle Einfamilienhäuser verbieten. Eine Polemik, die vor allem auf rechten Blogs wie "Tichys Einblick" oder "Epoch Times" populär wurde. ARD-Moderator Plasberg warnte: "Das klingt so ein bisschen nach Facebook." Grau erwiderte, er habe von Habecks Plan aus der Zeitung erfahren.

Auf Nachfrage war sich der Hubraum-Fan dann aber nicht mehr sicher, ob die angebliche grüne Ächtung des deutschen Eigenheims tatsächlich von der Partei beschlossen worden ist.

Wir können helfen: Tatsächlich wurde auf dem Grünen-Parteitag in Bielefeld ein Beschluss verabschiedet, der einen ökologischeren Wohnungsbau vorsieht.

Ein Verbot von Einfamilienhäusern enthält der Beschluss jedoch nicht. Ihr Bau dürfte – etwa aufgrund der im Beschluss enthaltenen Forderung nach einer CO2-Bepreisung von Baustoffen – jedoch teurer werden, wenn es nach den Grünen geht.

Hier kannst du dir den Beschluss ansehen.

Nein, die deutschen Autos sind nicht besonders sauber

Wenn er nicht rechte Verschwörungstheorien in der ARD verbreitet, dann schraubt Grau in seiner Werkstatt an einem Auto, das einmal 1000 PS haben soll. Der aufgemotzte Wagen sei jedoch nicht als Provokation für Klimaaktivisten gedacht, sondern vielmehr als Symbol für eine sich immer weiter entwickelnde deutsche Autoindustrie zu verstehen, erklärte Grau in der ARD-Sendung am Montagabend.

Grau berichtete von Entwicklungen in der deutschen Autoindustrie, "die die Effizienz steigern, was in den letzten Jahren auch wirklich passiert ist". Grau sprach von "doppelten Zulassungszahlen, aber nur ganz wenig mehr CO2-Ausstoß."

Abgesehen davon, dass "ganz wenig mehr" eine wirklich putzige Formulierung ist, ist Graus Darstellung des Verkehrssektors auch falsch: Tatsächlich wächst die Anzahl der PKW-Zulassungen in Deutschland um wenige Prozentpunkte weiter leicht an – im vergangenen Jahr wurden 3,44 Millionen Autos hierzulande neu zugelassen. (Statista)

Wie das Kraftfahrtbundesamt für das Jahr 2017 berichtet, stieg dabei die durchschnittliche CO2-Emission um 0,5 g/km auf 127,9 Gramm für den gefahrenen Kilometer. Lediglich 11,4 Prozent der Neuwagen waren dabei besonders sauber, sie stammten aus der Effizienzklasse A+.

Grau bekam für seine Darstellungen vom Studiopublikum der ARD kräftigen Applaus. Ein Moderator, der Grau an die Realität erinnerte, hätte der Sendung gut getan. Später kam ein "Hart aber Fair"-Zuschauer in der Sendung zu Wort: "Dieser Klima-Mist ist eine große Lüge. Nichts weiter, als den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist das."

Auch das blieb in der Sendung unkommentiert. Der "Faktencheck" der Redaktion erscheint stets erst am Tag nach der Sendung. Fest steht: Er wird weniger Menschen erreichen als "Hart aber Fair" selbst.

So reagiert "Hart aber Fair"

Auf Anfrage von watson teilte "Hart aber Fair" mit, dass der Faktencheck "ein etabliertes Zusatzangebot der hartaberfair-Redaktion ist, das von den Zuschauern gerne angenommen werde." Es sei nur eines von mehreren Instrumenten, mit dem die Sendung möglichen Falschinformationen begegne, so Redakteur Markus Zeidler.

Darüber hinaus werden mit den Teilnehmern im Vorfeld lange Gespräche geführt, "um herauszufinden, wie sie argumentieren und welcher Zahlen, Daten und Fakten sie sich dabei bedienen." Diese werden dann von der Redaktion geprüft, so Zeidler weiter.

In Bezug auf falsche Fakten teilte Zeidler mit: "Der Moderator kennt alle zentralen Fakten und kann bei Bedarf vorbereitete Einspielfilme abrufen, um mögliche Falschinformationen direkt in der Sendung wieder auf eine Faktenbasis zu stellen."

Er merkte jedoch auch an, dass die Redaktion "auch bei bester Vorbereitung nicht alle Aussagen von Gästen vorhersagen kann". Als letzte Instanz greife dann der Faktencheck.

(lin)

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