Musik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bataclan

Bild: imago/twitter montage

Ein Skandal-Rapper will ins Bataclan und Frankreichs Rechte rasten aus

14.06.18, 10:40 15.06.18, 12:43
Julia Dombrowsky
Julia Dombrowsky

Ein muslimischer Skandal-Rapper, das Bataclan und Marine Le Pen – klingt wie die perfekten Zutaten für einen Skandal? Ist auch so. 

In Frankreich ist diese Woche ein Streit darüber entfacht, ob der Rapper Médine, der mit seinen Texten seit Jahren provoziert und sich selbst "Islam-Abschaum" nennt, im Oktober im Bataclan auftreten darf – dem Konzerthaus, in dem 89 Menschen durch IS-Terroristen ums Leben kamen.

Wir erklären dir die Debatte in vier Punkten.

Was ist das Problem mit Rapper Médine?

Médine Zaouiche ist ein französischer Rapper mit algerischen Wurzeln. Der 35-Jährige beschäftigt sich in seinen Songs vor allem mit dem Islam und Vorurteilen, die ihm begegnen.

Drei Auszüge aus "Don't Laïk"

"Kreuzige die Laizisten wie auf Golgatha. Polygame sind immer noch besser als Strauss-Kahn."

"Wenn ich dich in meinen Träumen umlege, entschuldige ich mich, sobald ich aufwache und berufe mich auf den Heiligen Koran."

"Ich spreche Fatwas gegen diese Trottel aus. (...) Am Tag der Frau trage ich Burkini."

Mit diesen Provokationen schaffte es Médine regelmäßig in die Medien. In Interviews blieb er jedoch immer dabei, dass seine Texte zwar provokant seien, er jeglichen islamischen Fundamentalismus aber verurteile.

Was hat er mit dem Bataclan zu tun?

Diesen März hat Médine einen neuen Song herausgebracht, in dem er darüber fantasiert, ausgerechnet im Konzerthaus Bataclan auftreten zu dürfen.

Sein Song "Bataclan"

Video: YouTube/Medine

In dem Pariser Konzertsaal waren 2015 im November 89 Menschen bei einem Anschlag von IS-Terroristen ermordet worden, weitere 39 Menschen starben bei Folgeangriffen in der ganzen Stadt. 

Screenshot Bataclan

Bild: www.bataclan.fr

Nun wird der Wunsch des Skandal-Rappers Wirklichkeit: Im Oktober wird er zwei Konzerte im Bataclan geben – das erste davon ist jetzt schon ausverkauft. 

Und was will Marine Le Pen jetzt machen?

Die rechte Partei "Rassemblement National populaire" hat es sich auf die Fahne geschrieben, beide Konzerte zu verhindern. "Kein Franzose kann es akzeptieren, dass dieser Typ seinen Müll am Ort des Bataclan-Blutbads verbreiten darf", postete Parteichefin Marine Le Pen auf Twitter.

Ein weiteres Parteimitglied rief sogar eine Petition ins Leben, die Médines Auftritte verhindern soll. Inzwischen haben über 20.000 Menschen diesen Aufruf unterschrieben.

Aber auch die gemäßigt-rechten "Les Républicains" sind auf den Empörungs-Zug aufgesprungen. Parteivorsitzender Laurent Wauquiez verkündete, die Konzerte seien "ein Sakrileg" und eine "Schande für Frankreich".

Médine selbst äußert sich zu der Debatte nicht. Sein Promoter Eric Bellamy sagte der Zeitung "Le Monde" aber, dass sie optimistisch sind, dass die Konzerte im Bataclan stattfinden.

Wie sehen das die jungen Franzosen? 

Auf Twitter verbreitet sich derzeit der Hashtag #PasDeMédineAuBataclan (Kein Médine im Bataclan), auf dem einige Franzosen ihrem Unmut über die Konzerte Luft machen. So wie "AngryBarby": "Diesen Typen im Bataclan singen zu lassen, heißt auf den Opfern herumzutrampeln... es ist, als ob man sie ein zweites Mal töten würde."

Viele sehen das aber anders – selbst Betroffene. "Médine ist nicht mein Style, mir sind seine Texte zu brutal", sagt zum Beispiel Jérémie im Gespräch mit watson.de. Der Anfang 30-Jährige hat früher in Paris gewohnt und einen engen Freund durch den Anschlag verloren.

Trotzdem warnt er davor, vorschnell zu urteilen. "Das Team des Konzerthaus war direkt betroffen und das sind vernünftige Menschen, die Médines Texte kennen", sagt er.

"Wenn das Bataclan ihn trotzdem auftreten lässt, vertraue ich dieser Entscheidung."

Jèrèmie zu watson.de

Ganz ähnlich sieht das auch die Opferhilfe "Life for Paris", die vor einer Zensur warnte und auf Twitter deutliche Worte fand:

"Wir erinnern daran, dass dieses Konzerthaus ebenfalls Opfer der Attentate vom 13. November 2015 war und sie frei über ihr Programm entscheiden dürfen. (...) Wir werden niemanden das Andenken der Attentatsopfer für politische Zwecke instrumentalisieren lassen, wie es in diesem Fall passiert."

Auch in Berlin gibt es Gegenwind gegen Rechts: AfD wegbassen? Das geht so!

Video: watson/Felix Huesmann, Leon Krenz

Was die Musikbranche auch noch beschäftigt:

Eine kleine Kültürgeschïchte des Heävy-Mëtal-Ümlaüts

Das waren die 14 traurigsten Serientode – der watson-Tränen-Check

Christina Aguilera. kommt. zurück. Neues Musikvideo! Neues Album!

"It's Coming Home" – Englands Fußball-Kultsong in 10 Punkten erklärt

Dagi B. haut einen Diss-Track raus 👊– und die Ähnlichkeit mit Cardi B. ist verblüffend

Das Beste an Ed Sheeran ist das Instagram-Profil seines Bodyguards – Part 2!

4 Punkte, in denen Bushido sich mit Bushido nicht einig ist

Aviciis Familie richtet sich an Fans: "Dankbar für jeden, der Tims Musik geliebt hat"

Leute, 15 Jahre ist es her: Das wurde aus den "DSDS"-Stars der 1. Stunde

Diese Frau übersetzt Musik in Gebärdensprache: "Es gibt auch Taube, die das blöd finden"

"Weck' mich auf, wenn es vorbei ist": Aviciis Ex-Freundin nimmt Abschied

Ein für alle Mal – was ist der schlimmste Ohrwurm aller Zeiten? Das watson-Turnier

6 perfide Stilmittel, mit denen das Sprach-Genie Kollegah sich gerade wehrt

7 Songs, die wir früher gefeiert haben, aber erst heute verstehen

"Der Echo ist jetzt bei Chico" – die besten Reaktionen aufs Echo-Aus

Happy 20! 12 Momente, die jeder kennt, der auf dem Southside-Festival war

WDR setzt Kollegah und Farid Bang auf Index – Echo-Veranstalter reagiert auf Kritik

Kennst du Finnland besser als "Chasing Highs"-Sängerin Alma?

Die "Intro" verabschiedet sich – 3 Gründe warum uns das traurig macht😞 

Kollegah und Farid Bang werden zum "Grenzfall" für den Echo

Kollegah und Farid Bang wegen Volksverhetzung angezeigt? Polizei bestätigt das nicht

Gewalt, Sex und Pädophilie – 9 Musikvideos, die für einen Skandal sorgten

Helene Fischer äußert sich zur Farid Bang und Kollegah – BMG distanziert sich von Rappern

Der Echo ist tot – Alle Infos und Reaktionen zum Ende

11 Britney-Momente, die dir zeigen, wie alt du schon bist 😱

Exklusiv: Der jüdische Rapper Ben Salomo verkündet das Ende von "Rap am Mittwoch"

Das sind die 12 besten Eurovision-Songs EVER

Von wegen Internet-Meme – der "Yodeling Boy" ist auf dem Coachella aufgetreten

Für deine Jogging-Runde! Lauf-Sensation Klosterhalfen teilt ihre "Sportify"-Playlist

++ Steve Irwins Familie bekommt eigene TV-Sendung ++

Ein Wochenende in Ostritz – das ist die Bilanz des Nazifestivals

Eminem ist eine Legende! 8 Beweise für alle Ungläubigen

Zu diesen 30 Songs ist es unmöglich, Sex zu haben (du wirst es dir trotzdem vorstellen)

Adele feiert Geburtstag und bekommt einen Shitstorm

Antisemitismusbeauftragter fordert Bundesverdienstkreuz für Campino – zu Recht?

Ja, Otto, der Ostfriese hat sich aufs Wacken-Festival getraut – und das ist passiert

Haltet die Gläser bereit – hier kommt das Eurovisions-Trinkspiel!

Frauenrap = Schwesta Ewa? Dann schau dir mal diese Rapperinnen an 

Du brauchst nur diese Grafik, um den Echo-Antisemitismus-Streit zu verstehen

Spotify ändert sein Gratis-Angebot – das verbessert sich für dich

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Der Bundespräsident kuschelt nicht mit Linksextremen, er stellt sich gegen Nazis!

Wer sich gegen rechts positioniert, muss in diesen Tagen anscheinend besonders vorsichtig sein, dass er mit seinen Aussagen und Empfehlungen genau die Mitte trifft. Landet man nur einen einen Tick zu weit links, tobt schnell ein Shitstorm – wie gerade auf dem Facebook-Profil von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Dort wurde am Freitag der Aufruf zum Gratis-Konzert #wirsindmehr in Chemnitz geteilt. Bands wie K.I.Z., Kraftklub, Die Toten Hosen sowie Marteria & Casper setzen dort ein …

Artikel lesen