Frankreich
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Notre-Dame in Flammen

Dombaumeisterin über Brand in Notre-Dame: "Ich kann das Feuer kaum begreifen"

Die Bilder von der brennenden Kathedrale in Paris haben die Dombaumeisterin Regine Hartkopf entsetzt – und verwundert: "Holz entzündet sich nicht so schnell."

Lars Wienand

Die Architektin Regine Hartkopf ist Dombaumeisterin in Merseburg und Naumburg sowie Schriftführerin der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister. "Alle in unserem Verein leiden mit", sagt sie t-online.de. Im Interview spricht sie über Brandschutz, die Tragweite des Feuers von Notre-Dame und über Wiederaufbau. 

t-online.de: Frau Hartkopf, was haben Sie bei den Bildern gedacht?
Eine Katastrophe. Man weiß gar nicht, was man dazu sagen soll, außer, dass einen das blanke Entsetzen erfasst. Man sieht, wie fragil plötzlich Dinge werden, die so selbstverständlich erscheinen. Ich bin erschüttert.

Kann das denn an jeder Kirche passieren? Der Kölner Dom zum Beispiel hat einen Dachstuhl aus Stahl aus dem 19. Jahrhundert?
Wenn es richtig brennt, dann verformt sich auch ein Stahldachstuhl und kann einstürzen, aber dort brennt es natürlich schwerer. Ein alter Dachstuhl in einer Kirche mit Jahrhunderte altem Holz brennt jedoch auch nicht so schnell. Das Holz ist natürlich sehr trocken, aber mit der Zeit entwickelt es auch einen Schutz. Holz ist nicht leicht entzündlich, es braucht eine gewisse Zeit. Viele Dämmstoffe brennen da sehr viel schneller. Aber wenn Holz brennt, ist kaum etwas zu machen.

Wie meinen sie das?
Ich will damit keinesfalls sagen, dass es Brandstiftung gewesen sein könnte. Man muss aber davon ausgehen, dass es eine andere Zündquelle gegeben hat. Einfach so entsteht im Holzdachstuhl nicht so ein Brand. Ich kann es aber auch deshalb kaum begreifen, weil ich daran denke, was dieses Gebäude alles überstanden hat.

Es war erschütternd zu sehen, dass die Feuerwehr zunächst so wenig ausrichten konnte.
Wir Menschen sind Ameisen im Verhältnis zu solchen Bauten. Im Falle eines Brandes kommen wir an unsere Grenzen. Es gibt natürlich Begehungen und Übungen, die Feuerwehr ist nicht unvorbereitet. Die wissen, wo die Wege sind.

Notre-Dame gilt als einzige Schatztruhe. Was ist der größte Verlust?
Jeder hat seine eigene Verbindung mit dem Gebäude. Der Punkt ist wohl, dass die Kathedrale ein Symbol über die Zeiten hinweg war. Nach den Anschlägen in Paris war es ein Zufluchtsort, die Monumentalität und die Größe haben eine derartige mentale Ruhe verbreitet. Es ist die Verletzlichkeit, die hier deutlich wird.

Auch wenn man die Kirche wieder aufbauen wird?
An der Grundstruktur ist sehr viel erhalten, das ist keine Frage. Und bei einem solchen Bau ist sicher auch jedes Detail hervorragend dokumentiert, alles wird genau so wieder aufgebaut werden können. Aber es ist etwas anderes, ob man unter einem Jahrhunderte alten Dachstuhl steht oder einem rekonstruierten. Es ist die Frage, wie viel Originalität zu retten ist.

Über die Ursache wird spekuliert. Es soll womöglich etwas mit Bauarbeiten zu tun gehabt haben.
Ich kann dazu natürlich nichts sagen, aber in einer Kirche gibt es viele Möglichkeiten, wie ein Brand entstehen kann. Staubauflagen und Hitze, Chemikalien, die zu hochentzündlichen Prozessen führen können – auch wenn solche Stoffe bei Bauten dieser Bedeutung mit ganz besonderer Vorsicht eingesetzt werden. Auch Elektroleitungen und alte Kabel sind ein Problem. Technik bringt uns aber nicht nur Brandmeldeanlagen, sie bringt auch neue Gefahren. Früher lagen nur Axt und Säge auf dem Gerüst. Davon ging keine Feuergefahr aus.

Zurück zu den Bauarbeiten am Dachstuhl, die die Ursache gewesen sein könnte. Bekommt man ein ungutes Gefühl, wenn am Dach gearbeitet wird?
Kein ungutes Gefühl. Es ist eine schöne Sache, mit Holz zu arbeiten, und es gelten auch besondere Vorschriftsmaßnahmen. Da sind nur hochspezialisierte Fachfirmen am Werk mit Gerät, das in immer wieder überprüft wird.

Und Brandschutz wird ernst genug genommen?
Ja, auf jeden Fall. Aber es ist schwierig umzusetzen in Gebäuden, die zum Teil vor Jahrhunderten gebaut wurden und unter ganz anderen Umständen, die mit heutigen Brandschutzvorkehrungen wenig zu tun haben. Elektroinstallationen in Kirchengebäuden sind auch gerne mal 56, 60 oder noch mehr Jahre alt. Man geht auch nicht alle 20 Jahre hin und erneuert die komplette Elektrik, das ist nicht zu schaffen. Finanzen für Unterhalt fließen auch spärlicher als für neue Projekte. Man muss genau hinschauen, ob für unsere Kirchengebäude genug getan wird.

Das führt der Brand von Notre Dame auch vor Augen?
Für mich war jetzt schon die Frage, wie es meinen Domen geht, ob ich auch an alles denke. Wo sind Zündquellen, wo muss man genauer hinsehen? Das wird bei uns im Verein jetzt jeder denken, wir Dombaumeister kennen uns ja und haben die gleichen Probleme.

Was wird vorbeugend getan?
Es gibt regelmäßig Revisionen, bei bedeutenden Bauten mit Weltkulturerbe-Status häufiger. Die Faustformel ist einmal im Jahr. Aber man muss sich nichts vormachen: Man kommt nicht in jeden Winkel und kann nicht alles bedenken.

(Dieser Text ist zunächst auf t-online.de erschienen)

Notre-Dame in Flammen

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