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Democratic presidential candidate Sen. Elizabeth Warren, D-Mass., waves to the audience during a campaign stop, Saturday, May 11, 2019, in Cincinnati. (AP Photo/John Minchillo)

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Vergesst Joe, Bernie oder Pete: Elizabeth hat einen Plan

Elizabeth Warren rollt das Feld der demokratischen Präsidentschaftskandidaten von hinten auf. Sie tut dies mit einer Methode, die im Twitter-Zeitalter anachronistisch erscheint: mit Beharrlichkeit und konkreten Vorschlägen.

Philipp Löpfe / watson.ch

Tucker Carlson ist der bissigste der bissigen rechtspopulistischen Kläffer bei Fox News. Am vergangenen Mittwoch attackierte er einmal nicht Hillary Clinton oder die sozialistischen Fake-News-Medien. Er lobte einen Plan für eine neue Ordnung der amerikanischen Wirtschaft.

Lobt Warren in den höchsten Tönen: Tucker Carlson.

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Video: YouTube/Fox News

Der Plan sieht vor, dass die schweren Kollateralschäden, welche die Globalisierung hinterlassen hat, mit einem vernünftigen Maß an Schutz der nationalen Wirtschaft behoben werden können und der US-Mittelstand endlich wieder zu vernünftigen Löhnen kommt. Carlson überschlug sich geradezu vor Begeisterung über den Plan. Er stammt von Elizabeth Warren.

Zur gleichen Zeit veranstaltete auf MSNBC Chris Hayes mit Warren eine Townhall (eine Veranstaltung, an der Wähler Fragen stellen dürfen) in einem erzkonservativen Kaff im von den Republikanern dominierten Bundesstaat Indiana. Die Teilnehmerinnen verabschiedeten die liberale Senatorin aus dem Bundesstaat Massachusetts mit einer stehenden Ovation. Dabei zählt sie zum linken Flügel der Demokraten.

Was geht hier vor? Normalerweise bewegen sich Fox News und MSNBC auf zwei verschiedenen Planeten. Normalerweise werden Linke in Indiana ausgebuht oder gar bedroht. Und normalerweise meiden Präsidentschaftskandidaten in einer frühen Phase des Wahlkampfs konkrete Vorschläge wie der Teufel das Weihwasser. Sie könnten damit ja potentielle Wähler vor den Kopf schlagen.

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Bild: imago images / ZUMA Press

Warren stellt stattdessen die vermeintlichen Erfolgsrezepte auf den Kopf – und hat damit Erfolg. Die jüngsten Umfragen zeigen, dass sie beharrlich und stetig das demokratische Kandidatenfeld von hinten aufrollt. Inzwischen hat sie gute Chancen, in einem Jahr zur Herausforderin von Donald Trump gekürt zu werden.

Dabei hat Warren ihre Kampagne miserabel gestartet. In einem Gentest wollte sie ihre angebliche indianische Abstammung beweisen. Das Resultat des Tests fiel jedoch blamabel aus: Sie ist nicht mehr Indianerin in ihren Genen als jede Durchschnittsamerikanerin. Trump hatte noch mehr Grund, sie als falsche Pocahontas – eine legendäre amerikanische Häuptlingstochter – zu verspotten.

Ihr erstes Wahlkampf-Video war – milde ausgedrückt – ungeschickt. Elizabeth Warren hatte als abgeschrieben gegolten, bevor sie überhaupt richtig warm gelaufen war: tüchtig, aber nicht medientauglich, zu alt und vor allem zu altmodisch, lautete das allgemeine Verdikt.

Spürt Warrens Atem im Nacken: Bernie Sanders.

Democratic presidential candidate Sen. Bernie Sanders, I-Vt., speaks at a campaign event, Thursday, May 30, 2019, in Las Vegas. (AP Photo/John Locher)

Bild: AP

Wie also sollte Warren gegen die alten Haudegen Bernie Sanders und Joe Biden oder gegen die glamourösen Aufsteiger wie Beto O’Rourke, Pete Buttigieg oder Kamala Harris bestehen können?

Doch eine Warren wirft nicht so schnell die Flinte ins Korn. Die Rolle des Underdogs ist ihr zudem auf den Leib geschnitten. Sie ist keine klassische Linke, sondern war ursprünglich Republikanerin. Sie stammt nicht von der Ost- oder Westküste, sondern aus dem staubigen Bundesstaat Oklahoma. Und sie kommt aus einer verarmten Mittelstandsfamilie und musste sich ihr Jura-Studium selbst erarbeiten.

Skandale wie der Konkurs des Hedge Funds Long Term Capital Management und Enron erschütterten das Weltbild Warrens. Aus der konservativen Republikanerin wurde allmählich eine progressive Demokratin. Dank ihrem Fleiß und ihrer Intelligenz machte sie eine blendende akademische Karriere, die sie mit einer Professur an der Harvard University krönte.

Warren kämpft für ihre Überzeugungen.

Democratic 2020 presidential candidate Elizabeth Warren makes one of a series of local visits in Salem, Iowa, U.S. May 26, 2019. Picture taken May 26, 2019. REUTERS/Rachel Mummey

Bild: X06942

Dabei vergaß Warren weder ihre Herkunft noch ihre Prinzipien: "Sie war zwar Juristin und Professorin, doch ihre Sätze waren schlicht wie ihre Frisur. Sie rückt keinen Millimeter von ihrem Standpunkt ab und versucht nicht, sich beliebt zu machen", beschreibt sie George Packer in seinem Buch "Die Abwicklung".

Das gilt auch für ihren Wahlkampf. Während andere Kandidaten vollmundige Versprechen über eine Einheitskrankenkasse für alle oder einen Green New Deal abgeben oder Donald Trump beschimpfen, hat Warren für alles eine Lösung. Diese Woche hat sie einen Zwei-Billionen-Dollar-Plan für die Wirtschaft vorgestellt, vor ein paar Tagen einen detaillierten Plan gegen die Klimaerwärmung.

Ob hohe Immobilienpreise, Verschuldung der Studenten, die Heroin-Krise, höhere Steuern für die Superreichen oder die Reform der Krankenversicherung – für alles hat sie wohl überlegte und vernünftige Vorschläge.

In der Fake-News-Welt der sozialen Medien mag das zunächst überholt erscheinen. Doch Warrens vermeintlich altmodische Kampagne nimmt Fahrt auf. "In den Umfragen schießt sie wie eine Rakete hoch, und sie bekommt allmählich die Medienaufmerksamkeit, die vorher Männern zukam, die sie weit weniger verdient haben", schreibt die "New York Times".

Für alle, die den Glauben an die Aufklärung und die Rolle der Vernunft noch nicht ganz aufgegeben haben, ist Elizabeth Warren daher eine Hoffnungsträgerin geworden. So stellt der "New York Times"-Kolumnist Farhad Manjoo fest: "Die einzige Art, wie wir den Trumpismus überwinden können, ist, wenn wir uns über die Trump’sche Dummheit erheben. Wir müssen uns bei Elizabeth Warren bedanken, dass dies möglich geworden ist."

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