Kriminalität

Videoaufnahmen zeigen offenbar illegale Abschiebung an EU-Außengrenze

Vogelgezwitscher ist zu hören. Eine Gruppe Menschen mit Rucksäcken und Decken wird von einem uniformierten Mann hinter einen Grenzstein geführt. Die Szenen, die Reporter der TV-Sendung "Rundschau" (SRF/Schweiz) gefilmt haben, sollen eine illegale Abschiebung an der EU-Außengrenze dokumentieren. An der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien sollen an zwei Tagen vier dieser sogenannten Push-Backs stattgefunden haben.

Hier werden offenbar Flüchtlinge abgeschoben

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screenshot srf

An einem verlassenen Grenzabschnitt im Norden Bosniens entstehen die Videoaufnahmen. Die SRF-"Rundschau" will kroatische Polizisten dabei gefilmt haben, wie sie Flüchtlinge illegal abschieben. Eine Gruppe von rund 30 Personen wird über die grüne Grenze geschickt. An zwei Tagen werden insgesamt vier solcher Aktionen gefilmt, 70 Menschen werden über die EU-Außengrenze geschickt. Laut "Rundschau"-Reportern stammen die Flüchtlinge hauptsächlich aus Pakistan, Algerien und Afghanistan.

Ohne Verfahren zurück nach Bosnien

Direkt nach den Ausweisungen sprachen die Reporter mit den Flüchtlingen. Diese berichten übereinstimmend, dass sie von der kroatischen Polizei ohne Verfahren nach Bosnien zurückgeschafft worden seien. Und weiter:

"Sie zerstörten unsere Handys und gaben uns unser Geld nicht zurück. Dann schlugen sie uns mit Stöcken, traten uns und sagten: 'Go Bosnia.'"

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Bild: screenshot srf

Kinder berichten von Drohungen

Kinder einer afghanischen Familie erzählen, wie sie im Wald von der kroatischen Polizei mit Waffengewalt gestoppt worden seien. Die Polizisten sollen die Familie ausgelacht haben, als sie um Asyl baten. Das hat anscheinend System, wie Reporter der "Rundschau" im Gespräch mit mehr als hundert Flüchtlingen herausfanden.

"Sie richteten die Pistolen auf uns und sagten 'Stopp'. Wir hatten große Angst und weinten."

Das meinen Experten

András Léderer vom Hungarian Helsinki Committee (HHC), bezeichnet die Praxis gegenüber dem SRF als schwere Menschenrechtsverletzung. Bei Rückführungen brauche es immer ein offizielles Verfahren – auch bei illegalen Einreisen.

"Man darf Menschen nicht mitten im Wald oder auf einem Feld aus dem Land werfen."

Der deutsche Migrationsforscher Marcus Engler ist gleicher Meinung: "Es ist ein Verstoß gegen EU-Recht und Völkerrecht." Allerdings sei es kein Einzelfall: "Diese Praxis wird an der ganzen EU-Außengrenze angewendet."

(jaw/ts)

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