Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Image

Bild: Stefan gregorius/RTL/Imago/Montage: watson

Willkommen im Dschungel der Weltpolitik

Die hilflose Art, wie Trump mit der Affäre Khashoggi umgeht, ist ein Zeichen, wie brüchig die liberale Weltordnung geworden ist. Aber hat es diese liberale Weltordnung überhaupt je gegeben?

Philipp Löpfe / watson.ch

Donald Trump glaubt zwar inzwischen auch, dass Jamal Khashoggi ermordet worden ist. Doch er weigert sich, die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen und harte Sanktionen gegen das Regime von Mohammed bin Salman (MBS) zu ergreifen.  Zu viel steht für ihn auf dem Spiel: Waffenexporte in der Höhe von mehr als 100 Milliarden Dollar und die Achse USA-Israel-Saudi-Arabien gegen den Iran im Nahen Osten.

"Es gibt nach wie vor Hitlers und Stalins unter uns, die nur auf ihre Chance warten."

Robert Kagan

Nicht zufällig hat Trump Riad als erste Station als Präsident besucht. Saudi-Arabien ist ein autoritäres Königreich, das Gegenteil eines liberalen, demokratischen Rechtsstaates wie den Vereinigten Staaten. Doch Trump hat bekanntlich eine Vorliebe für Diktatoren wie Wladimir Putin oder Kim Jong-un.

U.S. Secretary of State Mike Pompeo meets with the Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman in Riyadh, Saudi Arabia, Tuesday Oct. 16, 2018. Pompeo also met on Tuesday with Saudi King Salman over the disappearance and alleged slaying of Saudi writer Jamal Khashoggi, who vanished two weeks ago during a visit to the Saudi Consulate in Istanbul. (Leah Millis/Pool via AP)

Verstanden sich bestens: US-Außenminister Mike Pompeo (links) und Mohammed bin Salman. Bild: Leah Millis/ap

Auch mit MBS versteht er sich bestens, nicht nur, weil der junge saudische Herrscher gerüchteweise geschäftlich mit ihm verbunden ist. Das Schicksal der Weltgemeinschaft hingegen kümmert ihn nicht. "Sagt Hello zum Zusammenbruch der liberalen Weltordnung, welche die USA einst gesichert haben", klagt daher der Historiker Robert Kagan in der "Washington Post".

Die These der liberalen Weltordnung lässt sich wie folgt zusammenfassen: Auf den grauenhaften Ersten Weltkrieg und die noch schrecklicheren Verbrechen von Hitler und Stalin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgte nach dem Zweiten Weltkrieg eine lange Friedensphase unter der Schutzschild der Amerikaner. Der Harvard-Politologe Joseph Nye schreibt dazu:

"Der nachweisliche Erfolg dieser Ordnung, in den letzten sieben Jahrzehnten die Welt sicherer und stabiler zu machen, hat zu einem starken Konsensus geführt, sie auch zu verteidigen. Diese Ordnung zu vertiefen war und bleibt eine zentrale Aufgabe der US-Außenpolitik."

June 28, 2017 - Washington, DC, U.S - ROBERT KAGAN speaking at the Center for a New American Security s annual conference in Washington, DC on June 28, 2017. Washington U.S. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAb161 20170628_zap_b161_002 Copyright: xMichaelxBrochsteinx

June 28 2017 Washington DC U S Robert Kagan Speaking AT The Center for a New American Security S Annual Conference in Washington DC ON June 28 2017 Washington U S PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAb161 20170628_zap_b161_002 Copyright xMichaelxBrochsteinx

michael brochstein/imago

Zu diesem Schluss kommt auch Kagan, denn er ist überzeugt, dass es auch heute noch genügend totalitäre Herrscher mit bösen Absichten gebe. "Wir wollen glauben, dass Hitler und Stalin bloß bizarre Produkte einer anderen Ära waren", so Kagan. "Aber es gibt nach wie vor Hitlers und Stalins unter uns, die nur auf ihre Chance warten. Wir wissen beispielsweise, dass Wladimir Putin große Ambitionen hat, die er bisher noch nicht umsetzen konnte. Er verehrt Stalin, aber er ist nicht Stalin. Aber wie wird ein Putin sein, der nicht mehr kontrolliert wird (will heißen, von einer Schutzmacht wie die USA in Schach gehalten wird, Anm. d. Red.)?"

Kagan fürchtet, dass der Zusammenbruch der liberalen Ordnung zu einer Welt im Sinne des Philosophen Thomas Hobbes führen wird, einer Welt, in der wieder jeder gegen jeden kämpft und alle nur ihren eigenen Vorteil suchen. Durch die Periode des langen Friedens nach dem Zweiten Weltkrieg verwöhnt, können wir uns im Westen die Schrecken dieser Welt nicht mehr vorstellen.

Nicht ganz die Welt, aber hier kommt die beste Bayern-Zusammenfassung:

Play Icon

Video: watson/Marius Notter

Doch hat es diese liberale Weltordnung überhaupt je gegeben? Nein, sagt der Harvard-Politologe Graham Allison. In einem Essay im Magazin "Foreign Affairs" demontiert er diese Vorstellung als Mythos. "Der 'lange Friede' war kein Resultat einer liberalen Ordnung, sondern das zufällige Produkt einer gefährlichen Machtbalance zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten während den 45 Jahren des Kalten Krieges und einer kurzen Periode einer amerikanischen Dominanz", so Allison.

Ferner sei das US-Engagement nie getrieben gewesen, "vom Wunsch, den Liberalismus in anderen Teilen der Welt zu fördern oder eine internationale Ordnung zu verteidigen. Es war getrieben von der Notwendigkeit, die liberale Ordnung zuhause aufrecht zu erhalten."

Zudem: So friedlich sei diese liberale Weltordnung auch nicht gewesen. Während des Kalten Krieges hätten die beiden Supermächte jede Menge Stellvertreterkriege führen lassen, so Allison weiter. Nur das atomare Gleichgewicht des Schreckens hätte einen heißen Krieg zwischen den beiden Supermächten verhindert.

Ist Trump nur ein Symptom?

Die Pfeiler der liberalen Weltordnung – Marshall-Plan, IWF, Nato – seien als Schutz gegen die Sowjetunion gegründet worden. "Jede dieser Initiativen diente als Baustein in einer Ordnung, die in erster Linie dazu diente, den sowjetischen Feind zu besiegen", so Allison.

Als Gegenpol zu den USA hat China die Sowjetunion abgelöst. Das, und nicht die Aussenpolitik von Trump, sei die eigentliche Bedrohung, stellt Allison fest. "Der Aufstieg Chinas, das Comeback von Russland und der Machtverlust der Vereinigten Staaten sind eine viel größere Herausforderung als Trump", so Allison. "Und wir können der Frage nicht ausweichen: Ist Trump mehr ein Symptom als die Ursache für diesen Umstand?"

Das könnte dich auch interessieren:

Grönemeyer fand beim Thema Flucht die falschen Worte – meint es aber gut!

Link to Article

Du musst für WG oder Smartphone deinen Perso kopieren? Mach das bloß nicht!

Link to Article

Der neue Poetry-Slam-Meister erklärt meisterhaft die "Hexenjagd auf Männer"

Link to Article

WhatsApp eroberte die Welt – und verriet seine Ideale

Link to Article

Dortmund bestraft schlafende Obdachlose – geht's noch?

Link to Article

Sido, Nura, Frederick Lau und Co. protestieren mit Hashtag #unfollowme gegen Rechts

Link to Article

7 Musikfilme, die du gesehen haben musst (und die keine Musicals sind)

Link to Article

Diese 10 Mikrofon-Fails hätte niemand hören sollen 

Link to Article

In einem Punkt waren sich BVB- und Bayern-Fans einig

Link to Article

Was ist eigentlich Trumps Problem mit Regen und Schirmen? Der nächste Skandal

Link to Article

Ab heute werden bei WhatsApp eure alten Android-Bilder gelöscht

Link to Article

Seehofer geht jetzt "All In" – und das könnte sein Ende sein

Link to Article

Loot für die Welt! YouTuber streamen 48 Stunden live

Link to Article

Lewandowski, lass dieses blöde Schwalben-Theater – du hast es nicht nötig!

Link to Article

Jigsaw, Minions und Co: So feiern die Profis des 1. FC Köln den Karnevalsstart

Link to Article

Die letzten Tage: So endete vor genau 100 Jahren der 1. Weltkrieg

Link to Article

Söder bleibt Bayerns Ministerpräsident - bekommt aber nicht alle Stimmen seiner Koalition 

Link to Article

"Extrem schlecht gemacht" – dieser Deutsche ist der schwächste Spieler in FIFA 19

Link to Article

AfD hofft nach Merkels Rückzug auf Zusammenarbeit mit der Union

Link to Article

Dieser Trump-Werbespot ist selbst Fox News zu rassistisch

Link to Article

"Menschlich enttäuscht" – wie Seehofer das Maaßen-Aus begründet

Link to Article

Flop-Alarm! Apple produziert 100.000 iPhone XR weniger als geplant – pro Tag

Link to Article

"Ihr kauft euch die Welt, wie sie euch gefällt" – 13 Fanaktionen der Bundesliga

Link to Article

"Treffen sich ein Kölner und ein HSV-Fan" – 7 Flachwitze gegen den Zweitliga-Schmerz 

Link to Article

Wenn du in diesem Kölsch-Quiz versagst, wackelt der Dom!

Link to Article

Die Spice Girls sind zurück – aber leider nur zu viert

Link to Article

Darum löschte Lisa Müller die Fotos von Thomas Müller

Link to Article

Hans-Georg Maaßen geht als Spitzenbeamter – und ist längst der neue Kronzeuge der AfD

Link to Article

Helene Internationale – Sie verkauft mehr Tickets als Timberlake

Link to Article

"Der Fotowahn killt das Reisen" – dieser Experte weiß warum

Link to Article

Freundin serviert Italien-Minister auf Insta ab - das Schlussmach-Bild wird legendär

Link to Article

6 True-Crime-Serien, die zeigen: Die Realität ist krasser als jeder Hollywood-Film

Link to Article

"Mal kurz den Elephant in the Room adressieren" – Böhmermann zu Antisemitismus-Vorwürfen

Link to Article

Ouch! Was haltet ihr von Burger-King-Werbung mit echten Unfällen?

Link to Article

Video sorgt für Panik – warum es YouTube 2019 trotzdem noch geben wird 

Link to Article

Wetten auf seine Zukunft laufen schon: So hart ist der Spott über das Maaßen-Aus

Link to Article

Erratet ihr die verrückten Namen der Promi-Kids?

Link to Article

Vorbild Kurz, mal wieder: CDU-Widerstand gegen Migrationspakt wächst

Link to Article

Ich bin nicht einsam, weil ich alleine ins Kino gehe

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Alice Weidel will an englischer Elite-Uni Oxford sprechen – Studenten protestieren

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel ist es mittlerweile gewohnt, dass Menschen gegen ihre Auftritte protestieren. Wenn die Politikerin auf Kundgebungen in Deutschland spricht, scharen sich regelmäßig laute Gegendemonstranten um ihr Publikum. In der nächsten Woche will Weidel an der englischen Elite-Universität Oxford sprechen. Und selbst dort wird sie wohl auf lauten Gegenprotest stoßen.

Sie soll dort auf Einladung der Oxford Union sprechen – einem 1823 gegründeten Debattierklub. In der …

Artikel lesen
Link to Article