Coronavirus
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Friedrich Merz hat seine Coroana-Erkrankung überwunden und will nun Kanzler werden. bild: Screenshot ARD

Merz über seine Corona-Erkrankung: "Ich habe richtig Glück gehabt"

Dirk Krampitz

Eigentlich war Sandra Maischberger schon im März mit Friedrich Merz für ihre Sendung verabredet. Doch dann kam Corona dazwischen. Der CDU-Politiker erkrankte als einer der ersten Prominenten an Covid-19. "Ich habe mich bei einem ihrer Kollegen angesteckt", erzählt der Bewerber um den CDU-Parteivorsitz und die Kanzlerschaft nun im Gespräch mit Maischberger.

Am Mittwoch, dem 11. März hielt er seine letzte Rede in Frankenberg. Zu diesem Zeitpunkt war er schon infiziert, wusste es allerdings noch nicht. Er besuchte danach noch seine Eltern, die beide über 90 sind. Zum Glück hätten sich beide allerdings nicht angesteckt. Freitags hatte er die ersten Symptome, am Sonntag hat er sich testen lassen und die Namen von 81 Kontaktpersonen hinterlassen. "Von diesen 81 Personen hat sich keiner infiziert."

Seine Frau hat er hingegen angesteckt. Sie spürte allerdings keine Symptome, hat von der Erkrankung erst im Nachhinein durch einen Antikörpertest erfahren. Merz selbst hatte acht Tage lang leichte bis mittlere Grippesymptome, kein Fieber, er sei ein bisschen müde gewesen, habe Hals und Ohrenschmerzen gehabt und "drei Tage richtig unangenehmen Schnupfen". Nun ist er geheilt.

"Es gibt keine Nachwirkungen, keine Folgeschäden, toioioi. Ich habe richtig Glück gehabt."

Friedrich Merz

Nun also ist Friedrich Merz bereit, die politische Bühne zu betreten. Es war sehr ruhig um ihn in der Corona-Krise. Während sich Armin Laschet, sein Mitbewerber um den CDU-Parteivorsitz, als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen profilieren konnte, war von Merz in den vergangenen Wochen keine Silbe zu hören.

Das hindert ihn aber nicht daran, staatsmännisch die Situation zu beurteilen: "Deutschland ist gut durch die Krise durchgekommen bisher, daher sind die Maßnahmen angemessen gewesen", bilanziert er. Und hat auch gleich noch einen Tipp parat: "Aus heutiger Sicht wäre es wichtiger, mehr zu testen."

Merz ist für Lockerungen

Merz wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. So bringt er das eigentlich schon abgeschlossene Thema Immunitätsausweis wieder auf. Er hätte nämlich gern einen. Außerdem ist er für Lockerungen. "Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir vielleicht schneller und besser lockern müssen. Ich sage das insbesondere für die Kitas und Schulen." Ob er da keine Bedenken hat? "Das ganze Leben ist ein einziges Restrisiko. Dann dürften wir gar nicht mehr vor die Tür gehen."

"Verdeckte Arbeitslosigkeit"

Mehr Sorgen macht sich der Wirtschaftsexperte um die Zukunft von Deutschland. "Wir sind Zeitzeugen eines ganz grundlegenden Machtwandels auf der Welt", sagt Merz. Wer zukünftig eine Rolle spielen wolle, müsse sich neu orientieren. "Wir brauchen diesen Sprung nach vorn – die Digitalisierung hinkt hinterher." Die Lufthansa-Unterstützung durch den Bund findet er gut. Allerdings solle die Fluglinie, wenn sie aus der Krise raus ist, wieder so privatwirtschaftlich arbeiten wie bisher.

Und was ist mit Konsum-Prämien? Merz ist dagegen, das löse keine Probleme. "Langfristig schaffen sie damit keine wettbewerbsfähigen Unternehmen." Und die Diskussion um den Mindestlohn müsse man nicht gerade jetzt führen. Schwieriger seien die 10 Millionen Kurzarbeiter, die Merz als "verdeckte Arbeitslosigkeit" sieht.

Merz sieht sich vorn als Kanzlerkandidat

Alles in allem versucht Merz, sich wieder als Kanzlerkandidat in Erinnerung zu rufen. Er sieht sich noch nicht abgeschrieben. Aktuelle Umfragen scheinen ihm recht zu geben: Zwar liegt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder dank Corona-Profilierung mit 45 Prozent meilenweit vor Merz (17 Prozent), aber Söder wolle ja gar nicht kandidieren. Das Duo Armin Laschet und Jens Spahn kommt zusammen auf 13 Prozent, Norbert Röttgen auf gerade mal 3 Prozent. Für Merz ist die Sache klar:

"Ich liege in den Umfragen vorn und habe den Eindruck, dass ich in der CDU Unterstützung habe. Ich will gewinnen."

Friedrich Merz

Auch das Verhältnis zu Angela Merkel sei besser geworden in der Krise. Am 4. Dezember wird über den CDU-Parteivorsitz entschieden.

Riemann verhaspelt sich mit KZ-Vergleich

Nach Merz Gast begrüßt Sandra Maischberger die Schauspielerin Katja Riemann im Studio, die die Aufmerksamkeit auf die verheerenden Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern lenken will. In Moria und anderen Lagern. "Was sagen wir unseren Enkeln einmal?" stellt sie die Verantwortungsfrage.

"Wir haben eine super Entschuldigung für alles und die heißt Corona", sagt sie ironisch. Aber für sie steht fest, dass man die Flüchtlinge aus den Lagern retten muss: "Ich finde, dass die Europäische Gemeinschaft das leisten kann und muss."

Wortreich beschreibt Riemann die unerträglichen hygienischen Zustände im Lager Moria, wo aktuell knapp 19.000 Menschen ausharren müssen. Die Schauspielerin spricht dabei auch von der Flugbereitschaft, einer Initiative, die Geflüchtete, die da "ganz dringend" rausmüssen, aus dem Lager mit Charterflugzeugen ausfliegen möchte. Dabei soll die NGO Ärzte ohne Grenzen vor Ort entscheiden, wer diese Hilfe am dringendsten nötig hat – und wählt dafür in ihrer sichtbaren Begeisterung für das Thema einen arg schrägen Vergleich. Es sei eine schwierige Sache, zu entscheiden, wer gehen dürfe. "Wie so ein Reverse-Mengele."

Damit spielt sie auf den SS-Arzt Josef Mengele an, der zwischen 1943 und 1945 im deutschen Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt war und dort unter anderem an der sogenannten Rampe entschied, wer sofort nach Ankunft in die Gaskammern geschickt wurde und wer im Lager Arbeitsdienst verrichten musste.

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Katja Riemann war ihre Begeisterung für Menschenrechts-Themen anzusehen. Bild: Screenshot ARD

Der brachiale Vergleich entlockte Maischberger ein überraschtes kurzes Lachen – und Riemann schiebt in ihrem Redefluss schnell ein "Entschuldigung" hinterher. Wie unpassend ein Vergleich von Mengele und Ärzte ohne Grenzen ist, dürfte der Schauspielerin wohl schnell selbst aufgefallen sein.

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