Analyse
October 07, 2020 - Salt Lake City, Utah, USA. - Screen grab of C-SPAN s coverage of the 2020 vice presidential debate held on the campus of the University of Utah between Democratic candidate KAMALA HARRIS and Vice President MIKE PENCE. Salt Lake City U.S. - ZUMAce6_ 20201007_zaf_ce6_020 Copyright: xC-Spanx

Das Duell zwischen Kamala Harris (l.) und Trump-Vize Mike Pence: Wer geht als Sieger aus der Debatte? Bild: www.imago-images.de / C-Span

Analyse

Obama-Stratege: Mike Pence hat das "rhetorisch gut gelöst"

Wahlkampf-Stratege Julius van de Laar analysiert die Debatte zwischen Trump-Vize Mike Pence und Herausfordererin Kamala Harris.

Nach der TV-Debatte zwischen Trump-Vize Mike Pence und Kamala Harris gibt es erste Reaktionen. Der US-Nachrichtensender CNN sieht Kamala Harris als Siegerin. In einer Blitz-Umfrage nach der Debatte hatten dort 59 Prozent der Testgruppe angegeben, dass Harris der Sieger sei. Nur 36 Prozent waren der Meinung, dass Pence gewonnen hatte.

Noch schlechter sieht es für Donald Trump und Mike Pence bei den Frauen aus. 69 Prozent sagten nach dem TV-Duell, sie würden Harris wählen. Nur 30 Prozent der Frauen sprachen sich für Pence aus. Der US-Präsident und sein Vize haben offensichtlich ein großes Problem, Frauen für sich zu gewinnen.

So weit die Zahlen. Aber wo konnten die Kandidaten punkten und wo nicht?

Wahlkampf-Stratege und ehemaliger Mitarbeiter der Obama-Kampagnen 2008 und 2012, Julius van de Laar, hat für watson das TV-Duell analysiert und bewertet.

Wie wichtig war das TV-Duell der Vize-Kandidaten?

Es war ein besonderes TV-Duell zwischen dem Vize-Präsidenten Mike Pence und seiner Herausfordererin Kamala Harris, denn: Beide werden bereits als mögliche zukünftige Präsidenten gehandelt. Außerdem verlieh die Corona-Erkrankung von Donald Trump dem Duell zusätzliche Brisanz, so van de Laar:

"Vize-Präsidentschaftsdebatten haben in der Vergangenheit nie eine wirklich große Rolle gespielt. Dieses Mal könnte es anders sein, weil die beiden Präsidentschaftskandidaten beide alt sind und Präsident Trump gerade im Krankenhaus war."

Julius van de Laar, Wahlkampf-Stratege.

Außerdem war es das inhaltlich gehaltvollere Duell. Beide Kandidaten konnten Inhalte liefern und auch verteidigen. Kein ständiges Unterbrechen und Niveau-Limbo mehr wie beim Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten vergangene Woche. Harris und Pence konnten Inhalte liefern:

"Was Kamala Harris insbesondere zu außenpolitischen Themen aber auch zum Klimaschutz gesagt hat, war das, was man sich von Joe Biden immer erhofft hat. Während Biden hauptsächlich die Alternative zu Trump war, hat Harris Substanz und auch eine positive Vision für die Zukunft geliefert."

Julius van de Laar.

Auch Mike Pence stand seiner Herausfordererin in nichts nach:

"Mike Pence hat es zum ersten Mal geschafft, die verschiedenen unterschiedlichen Aussagen von Trump zu sortieren und eine verständliche Message daraus zu formen."

Julius van de Laar.

U.S. Vice President Mike Pence speaks during debate with Senator Kamala Harris, Democratic vice presidential nominee, at the U.S. vice presidential debate at the University of Utah in Salt Lake City, Utah, on Wednesday, October 7, 2020. Republican Vice President Mike Pence and Democratic vice presidential nominee Sen. Kamala Harris debate only weeks before the election. Pool PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY SLCX20201007050 JustinxSullivan

Mike Pence kam eine wichtige Rolle beim TV-Duell zu. Bild: www.imago-images.de / Justin Sullivan

Hinsichtlich der Bedeutung für den Wahlkampf ist Julius van de Laar allerdings zurückhaltend. Er sieht keine größeren Auswirkungen auf das Rennen um das Weiße Haus:

"Die Debatte war kein Game-Changer, der die Dynamik des Rennens maßgeblich verändert."

Julius van de Laar.

Klimaschutz wird wichtiges Thema

Besondere Bedeutung hatte bei der Debatte das Thema Klimaschutz. Selbst Mike Pence erklärte, dass er den Klimawandel anerkenne (wenn auch nicht den menschengemachten) und unterstrich die Bedeutung der Wissenschaft für die Klimapolitik. Worte, die man von Donald Trump so noch nicht gehört hat. Beide Kandidaten versuchten beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu punkten, auch wenn Mike Pence das mit Aussagen wie "es gibt nicht mehr Hurrikans als vor hundert Jahren" immer wieder konterkarierte.

Für Julius van de Laar erklärt sich der Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit mit der gesellschaftlichen Entwicklung der USA in den vergangenen Jahren:

"Umfragen zeigen: Die Themen Klimaschutz und Klimawandel sind auch im Zentrum der US-amerikanischen Gesellschaft angekommen."

Julius van de Laar.

"Das zeigt, dass die republikanische Partei als solche nicht mehr existiert"

Äußerst bedenklich war hingegen, dass Mike Pence sich in zwei Punkten nicht von den Aussagen des US-Präsidenten distanzierte. Trumps Appell an weiße Bürgerwehren, "bereitzustehen", zog einige Kritik auf sich, da der US-Präsident sich nicht von Rassisten distanzierte, mehr noch, er die Spaltung der Gesellschaft weiter befeuerte. Darauf angesprochen lenkte Vize Pence vom Thema ab und bezichtigte die Medien, den US-Präsidenten falsch zitiert zu haben.

Für Julius van de Laar ein nachvollziehbares wie kluges Manöver:

"Rhetorisch hat er es so gut gelöst, wie er es nur lösen kann. Aber er kann nicht öffentlich dem Präsidenten widersprechen."

Julius van de Laar.

Auch Donald Trumps Andeutungen die Wahl im Falle einer Niederlage nicht anzuerkennen, kassierte sein loyaler Vize-Präsident nicht ein. Stattdessen gab er an, nicht damit zu rechnen, zu verlieren. Für einen demokratischen Rechtsstaat eigentlich eine unmögliche Position. Für Julius van de Laar zeigt das, wie weit die republikanische Partei sich von ihrer eigentlich staatstragenden Position weg entwickelt hat:

"Das zeigt, dass die republikanische Partei als solche nicht mehr existiert. Es ist heute die Partei von Donald Trump. Vor ein paar Jahren hätte es noch einen riesengroßen Aufschrei aus dem Partei-Establishment aber auch von der Basis gegeben. Heute ist die MAGA-Basis (abgeleitet von Trumps Parole 'Make America Great Again', Anm.) fast deckungsgleich mit der Republikanische Partei."

Julius van de Laar.

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