Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Bild: felix huesmann/watson

"Nicht links gegen rechts, sondern oben gegen unten" – "Aufstehen" in bunten Westen

Seit dem vergangenen Sommer gibt es die von Sahra Wagenknecht initiierte linke Sammlungsbewegung "Aufstehen". Laut eigenen Angaben hat sie deutlich über Hundert Ortsgruppen, einen richtigen Durchbruch hat die Bewegung bislang allerdings nicht geschafft. Anders die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich. Mit Massenprotesten bestimmen die "Gilet Jaunes" dort seit mehreren Monaten die politische Agenda. Daran will nun auch "Aufstehen" in Deutschland anknüpfen.

An der Basis der Bewegung ist in Mecklenburg-Vorpommern eine Idee entstanden: Als "Buntwesten" wollen sie auf die Straße gehen. Nicht nur in einer Stadt, sondern möglichst in allen Landeshauptstädten Deutschlands – mit jeweils eigenen inhaltlichen Schwerpunkten.

In Berlin folgen dem Aufruf am Samstagmittag rund 500 Menschen. Die Sonne strahlt, Jacken sind optional. Westen auch, trotzdem tragen die meisten Teilnehmer eine. Wie in Frankreich steht gelb hier hoch im Kurs.

Bild

Sogar ein Teil der Polizisten hat gelbe Westen an. Das hatte aber nichts mit dem Anlass zu tun und ist auf Demos fast immer so. Bild: Felix Huesmann/Watson

Gelbwesten-Solidarität und Medienkritik

In Frankreich war eine geplante Erhöhung der Kraftstoff-Steuern der Auslöser für die Proteste, längst geht es jedoch um viel mehr. Auch in Berlin ist es eine Vielfalt an Themen, die die Menschen zu Demonstranten macht. Ungleichheit, Niedriglöhne, hohe Mieten, Kinderarmut und Hartz 4 sind Schlagworte, die immer wieder fallen. Außerdem geht es den Berlinern um das französische Vorbild.

Bild

Bild: Felix Huesmann/Watson

"Wir wollen auf die brutale Gewalt gegen die französischen Gelbwesten aufmerksam machen", erklärt ein Redner, der als Mitglied einer Berliner "Aufstehen"-Basisgruppe vorgestellt wird, in seiner Rede. In den deutschen Medien werde viel über die Gewalt berichtet, die von den französischen Protesten ausgeht, zu wenig jedoch über die Gewalt der Polizei.

Bild

Die Demonstranten haben Fotos von Menschen mitgebracht, die bei den französischen Protesten von der Polizei verletzt wurden. Bild: Felix Huesmann/Watson

Auch sonst geht es viel um Kritik an den deutschen Medien. Die Vorwürfe, die in mehreren Redebeiträgen anklingen: Die Medien seien zu interessensgeleitet, Journalisten zu nah an Politikern und Wirtschaft.

Medienkritik, und vor allem laute Kritik an den öffentlich-rechtlichen Medien ist bei "Aufstehen" nicht neu. Im Januar sorgte die "Sammlungsbewegung" mit einem populistischen Tweet für aufsehen. Darin wurden die Öffentlich-Rechtlichen als "Regierungsrundfunk" bezeichnet und Kritik am Gehalt des ARD-Vorsitzenden geäußert. In Inhalt und Stil erinnerte der Tweet an die Linie der AfD.

Rinks oder Lechts?

Die Unterscheidung zwischen Links und Rechts ist einigen der "Buntwesten"-Demonstranten überhaupt fremd. "Wenn wir es wagen, aufzustehen, werden wir sofort gefragt, ob wir links sind, oder rechts sind – oder ob wir auch schön in der Mitte stehen. Aber darum geht es überhaupt nicht", ruft ein Redner ins Mikrofon. Die Demonstranten seien ein "Querschnitt aus einfachen Bürgern dieses Landes", sagt er.

"Wir lassen uns nicht mehr spalten, wir lassen uns nicht mehr ausspielen. Es geht nicht um rechts oder links. Es geht um oben gegen unten."

Dieses Umarmende, das sowohl Linke, als auch Rechte einschließen und in ihrer Wut auf "die da Oben" vereinen will, hat maßgeblich zum Erfolg der Gelbwesten in Frankreich beigtragen. Und auch an Sahra Wagenknecht wird der Vorwurf, sich nach rechts hin nicht abgrenzen zu wollen, immer wieder herangetragen.

Bild

Es gehe nicht um links und rechts, sondern um oben gegen unten, sagt dieser Redner. Bild: Felix Huesmann/Watson

Die Gemeinschaft der Unzufriedenen

Ob sie sich selbst als Links betrachten, oder nicht: Wer bei Aufstehen mitmacht, wer mit den "Buntwesten" auf die Straße geht, der ist unzufrieden. Unzufrieden mit der Verteilung des Wohlstands in unserer Gesellschaft, und in vielen Fällen auch mit dem Funktionieren unserer Demokratie.

Bild

Politiker, die das Volk an die Finanz-Eliten verkauft haben. Solche Vorwürfe werden auch auf rechten Demonstrationen regelmäßig geäußert. Bild: Felix Huesmann/Watson

Auf der Berliner Demonstration fragt eine Rednerin, die als Vertreterin der "Aufstehen-Gruppe Demokratie" vorgestellt wird, etwa ob "unsere sogenannte Demokratie" überhaupt noch demokratisch sei, oder sie uns nur als solche Verkauft werde. Leben wir nicht längst in einer "feudalistischen Kapitaldiktatur"? Als sie in die Demo-Runde fragt, ob die Menschen sich noch von "unseren sogenannten Volksvertretern vertreten" fühlen, schallt ihr im Chor ein lautes "Nein!" entgegen. Das Volk werde übergangen und aus den Entscheidungsprozessen verdängt, erklärt sie – "von allen Parteien".

Ihre Lösungsideen: Abgeordnete sollten nur noch einmal wiedergewählt werden können, Richter direkt gewählt werden, damit es eine "wirklich unabhängige Judikative" gebe. Abschließend bringt sie sogar "die Erarbeitung einer vom Volk zu beschließenden Verfassung" ins Spiel.

Was bei "Aufstehen" gefordert wird, kommt oft einem Systemwechsel gleich. Nur ist längst nicht immer klar, in welche Richtung sich das politische System genau verändern soll.

Bild

Auf Plakaten und in einem Redebeitrag solidarisierten sich Demo-Teilnehmer mit dem Regime des venezolanischen Präsidenten Maduro. Bild: Felix Huesmann/Watson

Das könnte dich auch interessieren:

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Hetze gegen Lehrerin – Wie Rechte eine Grundschule bei Reutlingen terrorisieren

Am Freitagmittag erreichen die ersten Hass-Mails die Uhlandschule im baden-württembergischen Wannweil. Darin stehen neben heftigen Beleidigungen auch Anschuldigungen und Drohungen. Einmal heißt es etwa: "Ich komme am Montag in deinem Unterricht vorbei, dann wirst du schon sehen". Die Schreiben zielen auf die Leitung der Grundschule sowie eine evangelische Religionslehrerin.

2016 hatte sie ihren Schülerinnen und Schülern in einer Klassenarbeit eine Erörterungs-Frage gestellt. "In deiner Straße …

Artikel lesen
Link zum Artikel