Familie
Bild

zdf-screenshot

Dagmar Michalsky wurde mit 58 schwanger – bei Lanz spricht sie von "neun Monaten Horror"

Dagmar Michalsky wollte ein Kind. Sie hatte nur ein großes Problem: Sie war bereits über 50. Mit der Hilfe einer Eizellspende bekam die Autorin dann mit 58 doch noch ihr erstes Kind – eine vernünftige Entscheidung? Michalsky, die am Mittwochabend bei Markus Lanz im ZDF zu Gast war, hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben.

Lanz meint: "Sie sind der unwahrscheinlichste Fall einer Elternschaft." Michalsky nahm das locker: "Aber wir waren auf Augenhöhe." Der ZDF-Moderator zeigte sich kritisch: "Das kann man so sagen. Aber in keinem guten Sinne."

Die umstrittene Eizellspende:

Die Eizellspende ist in Deutschland verboten, in einigen europäischen Ländern aber erlaubt. Das Verfahren kann angewandt werden, wenn in den Eierstöcken einer Frau keine Eizellen mehr heranreifen – etwa aufgrund fortgeschrittenen Alters oder aufgrund einer Erkrankung. Das Verfahren hat mit Fehlbildungen beim Kind bis zu teilweise tödlichen Schwangerschaftsvergiftungen eine Reihe von Risiken. Der Gynäkologe Kay Löbbecke warnte bei Lanz: "Das Risiko ist da doppelt so hoch wie bei einer normalen Schwangerschaft." Das Verfahren hat auch ethische Komplikationen: Bei dem Eingriff werden der Frau, die schwanger werden möchte, Eizellen einer Spenderin eingesetzt. Jedoch ist bei den derzeitigen Praktiken im Ausland den Empfängerinnen der Spende nicht bekannt, wer die Spenderinnen genau sind. Die späteren Mütter können also ihren Eizellspenden-Kindern später nicht ihre Herkunft erklären. Darauf haben Kinder ein Anrecht.
Eine Arbeitsgruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften forderte im Juni die Politik dazu auf, die Eizellspende in Deutschland zu legalisieren. Das in den 90er-Jahren verbotene Verfahren sei inzwischen sicher genug. Zudem sei es eine Ungerechtigkeit, dass Männern die Samenspende erlaubt ist – und Frauen die Eizellspende nicht. In Deutschland werden Ärzte, die ein solches Verfahren durchführen, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft.

Bild

zdf-screenshot

Auch wenn bis heute wissenschaftlich nicht abschließend geklärt ist, ob Frau Michalsky überhaupt einen Anteil an der Genetik ihrer Tochter hat, ist das für Michalsky klar: Das hätten ihr die Ärzte vor dem Eingriff versichert.

Der Arzt Löbbecke mahnt zur Vorsicht: "Es ist schon so, dass die Kliniken im Ausland den Patienten das vorgeben, damit die mit einem besseren Gefühl in die Behandlung gehen." Die Mutter ist sich ihres Daseins als genetische Mutter sicher: "Ich habe einen Embryo in mir aufwachsen lassen, ich habe ihn genährt, in meiner Gebärmutter, mit meiner Nabelschnur – ich denk, da passiert schon eine Menge."

Bild

zdf-screenshot

Der sensible Eingriff hat viele diskussionswürdige Facetten: Ab wann ist eine Mutter tatsächlich Mutter? Wieviel Risiko dürfen Paare bei ihrer Suche nach der Erfüllung ihres Kinderwunschs für sich und das spätere Kind eingehen? Was dürfen Ärzte unterstützen? Fragen, die bei Lanz an diesem Abend nicht abschließend geklärt werden (können).

"Das war neun Monate Horror"

Die riskante Schwangerschaft hat auch Michalsky Sorgen gemacht. Komplikationen habe sie keine gehabt, dafür aber ständig Angst um ihre Gesundheit und die des Babys: "Das war neun Monate Horror", sagt sie.

Denn das ganze Prozedere an sich, die Ungewissheit, ob alles gut geht bei einer solch außergewöhnlichen Schwangerschaft, machten Michalsky zu schaffen: "Finden wir jetzt Spermien, erstmal bei meinem Mann? Dann: Nistet sich der Embryo ein? Dann: Stößt der Körper den Embryo nicht wieder ab? Dann: Entwickelt sich das Kind gut?" Die Herausforderungen während der Schwangerschaft waren offenbar so groß, dass Michalsky laut eigenen Angaben gar nicht mehr im Kopf hatte, dass das Baby ja noch irgendwann raus müsse.

Gerade einmal 1850 Gramm habe ihr Baby nach der Geburt gewogen, Michalskys Tochter verbrachte ihre ersten Tage im Brutkasten.

Lanz fragt: "Haben Sie nicht auch das Gefühl, wir sind da an moralische und ethische Grenzen gestoßen?" Michalsky ist von ihrem Weg felsenfest überzeugt: "Ich muss doch reif sein als Mutter, Herr Lanz. Und ich bin jetzt reif, und ich kann alles meinem Kind mitgeben."

(pb)

Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten

Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

Play Icon
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Hochfunktionale Depression: Wenn niemand merkt, wie krank du wirklich bist

Liliana Kröger (Name von der Redaktion geändert), 34, leidet an einer sogenannten atypischen Depression: Obwohl sie erfolgreich im Beruf ist und ihren Alltag gut bewältigt, ist sie depressiv. Ihre Form der Depression wird manchmal auch "hochfunktionale Depression" genannt. Lilianas Leiden wurde jahrelang nicht diagnostiziert – unter anderem auch, weil sie sich nicht zum Arzt traute, da sie sich nicht "krank genug" fühlte. So empfindet ein Mensch, der nach außen hin seinen Alltag meistert – und tr

Heute morgen wache ich auf und es ist schon hell, aber die Sonne scheint nicht. Zumindest fühlt es sich so an.

Ich drücke den Snooze-Button auf meinem Wecker, nur noch zehn Minuten. Ich fühlte mich wie gerädert, frage mich, wie ich aus dem Bett kommen soll. Die letzte Nacht habe ich wieder schlecht geschlafen, im Traum ist die Welt untergegangen. Das träume ich häufig, wenn es mir nicht gut geht.

Ich quäle mich aus dem Bett, ziehe mich an, lese die Nachricht einer Freundin, die mich heute Abend …

Artikel lesen
Link zum Artikel