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Schwan will Vorsitz: Lanz erwähnt SPD-Kritiker – bei Gabriel muss sie lachen

Gesine Schwan will die Macht: Zusammen mit Ralf Stegner kandidiert die erfahrene SPD-Politikerin für eine Doppelspitze. Nach der Verkündung ihrer Kandidatur für den Parteivorsitz vergangene Woche stellte sich Schwan am Dienstagabend den Fragen von ZDF-Moderator Markus Lanz.

Lanz beschäftigte sich erstmal mit Schwans Aussehen – und fragte: "Die Frisur ist immer Thema, oder?" Schwan: "Nicht immer. Nur bei denen, die was gegen mich haben." Und sie fügte über ihre auffällige Frisur hinzu: "Mein Mann sagt ja immer, er hat mich geheiratet wegen der Frisur. Weil dann erkennt er mich immer direkt."

Dann sprach Lanz sie auf die Reaktion von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak an, der sich abfällig über Schwans Kandidatur geäußert hatte. Ziemiak hatte in der vergangenen Woche getwittert: "Stegner hat nun doch eine Frau gefunden... Wenn beide noch den Kevin adoptieren, könnten wir eine Neuauflage von 'Eine schrecklich nette Familie' aufführen."

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Schwan dazu: "Also diesen Paul Ziemiak kann ich nicht so ernst nehmen, ich kenne ihn aus Talkshows." Und weiter: "Kevin wird sich nicht erziehen lassen, das ist das Problem." Auch auf die Kritik von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil reagierte Schwan. Weil habe sich bei Stegner für die Äußerung entschuldigt, berichtete die Politikerin.

Weil hatte bei einer Veranstaltung vorige Woche die zahlreichen Absagen von SPD-Spitzenpolitikerin im Bewerbungsverfahren kritisiert und gemeint, die Zurückhaltung führe zu Bewerbungen wie jener des Duos Schwan und Stegner. Er bekannte auch offen, beide nicht wählen zu wollen.

Schwan meinte dazu: "Ich vermute, dass er ganz gerne (das Amt des SPD-Parteivorsitzenden, Anm. d. Red.) gewollt hätte." Schwan forderte eine ernsthafte Auseinandersetzung um den SPD-Parteivorsitz: "Man hatte den Eindruck: Es will niemand diese SPD leiten. Das hat mich so bedrückt, das ist so ein Affront gegen diese Partei."

Lanz erinnerte in dem Zusammenhang an den früheren SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, der den Spitzenposten im Willy-Brandt-Haus kürzlich als "infektiöses Kleidungsstück" bezeichnet hatte. "Naja, Sigmar Gabriel... gut", meinte Schwan und begann zu lachen, als Lanz aufgeregt nachfragte, was sie über den Niedersachsen denke.

Politik SPD Parteivorsitz Gesine Schwan und Ralf Stegner Die SPD-Mitglieder Gesine Schwan, Politikwissenschaftlerin (rechts im Bild) und Ralf Stegner, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag (links im Bild) erklaerten am Freitag den 16. August 2019 in Berlin ihre gemeinsame Kandidatur zum Parteivorsitz als Doppelspitze. 16.8.2019, Berlin *** Politics SPD party chair Gesine Schwan and Ralf Stegner The SPD members Gesine Schwan, political scientist on the right and Ralf Stegner, chairman of the SPD parliamentary group in the Schleswig Holstein state parliament on the left declared their joint candidacy for party chair 16 8 2019 in Berlin on Friday, 16 August 2019.

Am Freitag erklärten Schwan und Stegner ihre Kandidatur in Berlin Bild: ChristianDitsch/imago

Schwan bemühte sich, die Wogen zu glätten. "Ich habe viel mit ihm kooperiert, als er Chef war, da habe ich viel mit ihm kooperiert." Lanz setzte nach: "Aber er schätzt Sie sehr, das wissen Sie..."

Schwan über Gabriel: "Klug, vielleicht nicht"

Schwan sagte dazu: "Ja, ich weiß. Wir schätzen uns beide. Ich mag ihn auch. Aber was er in den letzten Monaten gemacht hat, oder im letzten Jahr, das fand ich so unfair. Das geht nicht." Gabriel habe sehr wohl Verantwortung für die Lage der SPD.

Schwan führte aus: "Er hat natürlich eine Verantwortung dafür. Er ist einerseits ein charismatischer, und sehr kluger – naja, klug vielleicht nicht. Aber intelligent sehr stark." Das Publikum und Lanz brachen in Gelächter aus.

Und Schwan feuerte weiter: "Wenn man wirklich klug ist, macht man solche Sachen nicht." Lanz interessierte sich in der Folge für Schwans Verständnis von Klugheit, und fühlte bei der SPD-Kandidatin nach. Schwan ließ sich auf das Spiel ein: "Zu klug gehört, dass man wirklich weitsichtig und auch mit einer gewissen Weisheit die Dinge tut. Und dazu darf man zum Beispiel nicht immer hin und her machen, und andere fertig machen."

"Er ist einfach nicht verlässlich genug.", meinte Schwan.

Schwan schmunzelt über Co-Kandidat Stegner

Über ihren Kandidatur-Partner Ralf Stegner, der in der Öffentlichkeit meist als spröde wahrgenommen wird, sagte Schwan: "Mein Trainingsprogramm mit ihm ist ja: Lächeln." Bei der Pressekonferenz am Freitag sei er für seine Verhältnisse "recht fröhlich" gewesen.

Schwan meint über Stegner: "Den finde ich klug – auch wenn das manche nicht so sehen." Stegner sei ein fairer Politiker und sehr verlässlich. Und: "Er hat auch Selbstironie."

An ein Bündnis mit Juso-Chef Kevin Kühnert habe sie nie gedacht, meinte die 76-Jährige: "Dafür ist er noch zu jung, da braucht man schon zwischenmenschliche Erfahrung." Immer wieder wird spekuliert, ob sich der junge Juso-Chef um den Vorsitz bewerben will.

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Gesine Schwan am Dienstagabend bei Lanz: Im Hintergrund der SPD-Finanzminister Olaf Scholz und Familienministerin Franziska Giffey – der eine will SPD-Chef werden, die andere verzichtet. zdf-screenshot

Deutlich wurde aber auch: Stegner war nicht Schwans Traumpartner, er bewarb sich bei ihr um ein Bündnis. "Es ist für mich interessant gewesen, dass sich viele diese Aussage nicht zugetraut haben, weil sie Sorge hatten, dass sie unter die Räder kommen."

Auch Schwan habe man gewarnt: "Du wirst geschreddert werden." Vor den Männer-Zirkeln der SPD habe sie keine Angst. Finanzminister Olaf Scholz, der ebenfalls für den Vorsitz antritt, hält Schwan für untauglich. Über einen SPD-Parteivorsitzenden Olaf Scholz sagte Schwan: "Ich glaube wirklich nicht, dass es gut geht."

Die Bewerbungsfrist bei der SPD läuft noch bis 1. September. An diesem Tag muss die SPD zugleich herbe Verluste bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen fürchten. Die neue SPD-Spitze soll dann in einer Mitgliederbefragung faktisch bestimmt und auf einem Parteitag Anfang Dezember gewählt werden.

(pb/mit dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Habenichts 21.08.2019 09:14
    Highlight Highlight Für eine Trendwende in der SPD sollten sie nicht die alten Köpfe immer wieder präsentieren. Die Alten sollten abtreten. Dazu gehört auch der Kevin!
  • ern ey 21.08.2019 08:43
    Highlight Highlight Um was ging es eigentlich bei diesem Gespräch...
    Typisch Lanz ...Völlig überflüssig...wer sich auf den einlässt ... Na ja ...

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