Analyse
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Das Feuerinferno nach dem Anschlag auf eine der beiden Erdölanlagen in Saudi-Arabien. AP Al-Arabiya

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Die neusten Entwicklungen um die Attacken in Saudi-Arabien werfen 3 Fragen auf

Milan Marquard / watson.ch

Am vergangenen Samstag wurde die größte Erdölraffinerie Saudi-Arabiens mit Drohnen angegriffen. Zwischen drei und vier Uhr morgens kam es zu mehreren Explosionen in Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Churais und Abkaik.

Die Attacken schlagen politische und wirtschaftliche Wellen: Die Beziehung zwischen den USA und dem Iran wird erneut auf die Probe gestellt und in Folge der kurzfristigen Verknappung des Erdölangebots stieg der Ölpreis.

Die neuesten Entwicklungen rund um die Attacken werfen derzeit vor allem 3 Fragen auf: Wer steckt tatsächlich hinter den Anschlägen? Von wo wurden die Anschläge ausgeführt? Wie wird die Reaktion auf die Anschläge ausfallen? Die Beantwortung der Fragen ist insofern sehr zentral, weil sie für die Zukunft einer ganzen Region entscheidend sein können.

Wer steckt tatsächlich dahinter?

Nur wenige Stunden nach den Angriffen übernahmen die Houthi-Rebellen im Jemen die Verantwortung. US-Außenminister Mike Pompeo war sich bereits am Samstag jedoch sehr sicher, dass der Iran hinter diesen Attacken stecken muss. Via Twitter ließ er verlauten, dass "der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Energieversorgung der Welt gestartet" hat.

Auf das Bekennen der Houthi-Rebellen reagierte Pompeo folgendermaßen:

"Es gibt keine Beweise dafür, dass die Angriffe aus dem Jemen kamen."

Aggressivere Töne schlug Präsident Donald Trump an. Er verkündete auf Twitter, dass die USA "locked and loaded" seien. Damit meinte Trump, die USA seien bereit zum militärischen Angriff. Er sprach jedoch noch nicht davon, wer angegriffen werden soll. Saudi-Arabien sollte jedoch zuerst die Täter eindeutig identifizieren.

Am Montag äußerte sich der US-Präsident dann etwas deutlicher: "Sie sagen, dass sie nichts mit dem Angriff auf Saudi-Arabien zu tun haben. Wir werden sehen?"

Auch Saudi-Arabien erklärte, dass der Iran hinter den Attacken steckt. Am Montag ließ ein saudischer Militärsprecher verlauten: "Alle praktischen Beweise und Indikatoren und die bei beiden Angriffen verwendeten Waffen zeigen vorläufig, dass es sich um iranische Waffen handelt".

Die Frage lässt sich bisher nicht eindeutig beantworten. Sicher ist jedoch, dass sich der Verdacht gegenüber dem Iran immer mehr erhärtet.

Von wo wurden die Anschläge ausgeübt?

Bereits am Sonntag veröffentlichen US-Beamte Satellitenbilder, die beweisen sollen, dass der Angriff aus dem Norden kamen. Der Jemen liegt jedoch südlich von Saudi-Arabien. Zudem wurden in Abqaiq 17 Einschlaglöcher gezählt – die Houthi-Rebellen sprachen jedoch von zehn gesandten Drohnen.

A satellite image showing damage to oil/gas Saudi Aramco infrastructure at Abqaiq, in Saudi Arabia in this handout picture released by the U.S Government September 15, 2019.  U.S. Government/DigitalGlobe/Handout via REUTERS     NO RESALES. NO ARCHIVES

Die Satellitenbilder der US-Beamten. Bild: US Government/Handout

Die Beamten sprachen die Vermutung aus, dass sowohl Drohnen als auch Raketen aus dem Iran oder dem Süd-Irak gestartet seien. Im Süd-Irak sind iranische al-Quds-Truppen stationiert. Auch die Saudis dementierten, dass die Angriffe aus dem Jemen gestartet worden seien. Sie gaben jedoch nicht an, von wo die Attacke sonst geführt worden sein könnte.

Auch diese Frage lässt sich derzeit noch nicht mit Sicherheit beantworten. Die vorgelegten Satellitenbilder weisen jedoch nicht auf den Jemen – was wiederum gegen einen Angriff durch Houthi-Rebellen spricht.

Wie wird die Reaktion der USA auf die Anschläge ausfallen?

Derzeit hängt die weitere Entwicklung in der Angelegenheit davon ab, ob die US-Geheimdienste zusammen mit Saudi-Arabien wasserfeste Beweise finden werden.

Falls sich herausstellen sollte, dass tatsächlich der Iran hinter den Angriffen steckt, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Vergeltungsschlägen kommen. Es könnte quasi der berühmte Tropfen gewesen sein, der das Fass zum überlaufen bringt – die Beziehung zwischen den USA und dem Iran ist sowieso schon sehr angespannt.

Es ist sehr schwierig einzuschätzen, wie Donald Trump reagieren wird. Auf der einen Seite hat er bereits des öfteren große Drohungen ausgesprochen, die sich als leer herausstellten. Auf der anderen Seite muss irgendwann mal auf eine Drohung eine Tat folgen, da sonst die Glaubwürdigkeit verloren geht.

Hinzu kommt, dass Trump keinen Krieg möchte, da ein Krieg seiner "America First" Philosophie widerspricht und im Hinblick auf die 2020 Wahlen nicht gut für ihn wäre.

Der Iran hat noch einen weiteren Vorteil: Das Land hat im Jemen, im Libanon und im Irak Verbündete. Vergeltungsmaßnahmen könnten dazu führen, dass nicht nur die Situation im Iran selbst, sondern weit über die Grenzen hinaus eskalieren könnte.

Die Chancen für eine militärische Antwort durch die USA sind demnach eher gering, zumal seit kurzem auch der Hardliner und Trumps Berater in der Iran-Frage, John Bolton, nicht mehr im Weißen Haus sitzt.

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