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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, SPD, gestikuliert waehrend eines Interviews in ihrem Buero. Berlin, 21.01.2019. Berlin Deutschland *** Federal Family Minister Franziska Giffey SPD gestures during an interview in her Berlin office 21 01 2019 Berlin Germany PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xThomasxTrutschel/photothek.netx

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. Bild: imago stock&people

"Einer betreut, einer zahlt?" – Alleinerziehende Mütter fühlen sich von Giffey verraten

Die Bundesfamilienministerin Fransziska Giffey möchte künftig Väter entlasten und deren Unterhaltsverpflichtungen reduzieren, wenn sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Alleinerziehende in ganz Deutschland sind richtig sauer.

In Deutschland bekommt ein Mann einen Preis für etwas, das für Frauen selbstverständlich ist: Ein Jahr Elternzeit machten den Ehemann einer Astronautin zum "Spitzenvater des Jahres". Diese Auszeichnung zeigt, wie selbstverständlich es immer noch ist, dass hauptsächlich Frauen sich um Kinder zu kümmern haben – und dafür auch finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen.

Auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD) wird nun vorgeworfen, die Care-Arbeit von Frauen als selbstverständlich – und die von Männern als belohnenswert zu sehen.

Das hat sie vor:

Die Familienministerin Giffey will die Väter finanziell entlasten, bei denen die Kinder zu Besuch kommen: Konkret gehe es nicht an, "dass der Vater weiterhin den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat", sagte Giffey gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

"Wir müssen das Recht hier der gesellschaftlichen Realität anpassen."

Franziska Giffey noz

Giffey will damit die in Deutschland allgemein herrschende Vorstellung von getrennten Eltern – Mutter betreut, Vater bezahlt – beenden.

In Deutschland ist die Erziehung vor allem nach einer Trennung immer noch zum Großteil Frauensache:

Im Jahr 2017 waren 84,12 Prozent der alleinerziehenden Elternteile Mütter. Das geht es einer Zählung des Statistischen Bundesamtes hervor. Etwa 450.000 Alleinerziehende sind jährlich von Unterhaltsprellung betroffen, das heißt: Das andere Elternteil zahlt keine Alimente für das gemeinsame Kind. Solche Zahlen gelten unter anderem als Gründe für die erhöhte Altersarmut bei Frauen. Das Problem ist dem Staat bekannt, denn immerhin muss er jährlich 850 Millionen Euro an Unterhaltsvorschuss leisten.

Für viele Mütter ist dieser Vorstoß eine Verkennung der Lebensrealitäten in Deutschland. Denn auch, wenn der Vater sich regelmäßig mit dem Kind trifft und ihnen einen Übernachtungsplatz bietet, lastet auf den Müttern der größte Teil der finanziellen Ausgaben. Bei ihnen lebt das Kind, wächst heran und für dessen Fürsorge sind die Mütter großteilig allein verantwortlich.

Für Vollzeit bleibt da keine Zeit:

Bild

Arbeitende Eltern von minderjährigen Kindern: Väter machen Vollzeit, Frauen Halbzeit. Wer hat da wohl meist mehr Geld zu Verfügung und wer muss sich mehr um die Kinder kümmern?! Statista, 2019

Auf Twitter teilen alleinerziehende Mütter nun ihre Erfahrungen und äußern ihr Unverständnis über den Vorstoß der Familienministerin:

Eine Bloggerin zählt auf, was sie als Alleinerziehende aus der Portokasse zu zahlen hat:

Eine Mutter berichtet, wie sich die Abwesenheit des Vaters und der Unterhaltszahlungen auf ihr Leben auswirken:

Eine Betroffene erzählt, dass ihr Ex-Partner auf das Wechselmodell besteht (eine Woche Vater, eine Woche Mutter) und sie dennoch finanziell den Großteil der Last zu tragen habe:

Protest als Petition

Die Politikerin und Bloggerin Christine Finke ist ebenfalls alleinerziehende Mutter. Nachdem die Forderung von Giffey öffentlich wurde, startete sie eine Petition. Darin fordert sie unter anderem, dass es keine Entlastung von Umgangs-Elternteilen (also solche, bei denen die Kinder nicht leben) zulasten der betreuenden Elternteile und damit der Kinder geben darf.

Außerdem soll das Armutsrisiko von Alleinerziehenden allgemeinen gesenkt werden:

Der Kern der Kritik ist: So, wie der Plan bisher dargestellt wird, würden darunter hauptsächlich Alleinerziehende leiden.

Dass dieser Vorschlag von einer Mutter und Sozialdemokratin wie Giffey genau einen Tag nach dem Weltfrauentag kommt, macht viele Mütter wütend. Mal sehen, wie sich Giffey die Umsetzung ihrer politischen Idee vorstellt und ob sie für die Sorgen der Kritiker Ohren hat...

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