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Warum dieser Fox-News-Moderator Trump gefährlich werden kann

Tucker Carlson gilt als schlimmster Wadenbeißer bei Fox News. Doch gelegentlich beißt er auch die Hand, die ihn füttert.

Philipp Löpfe / watson.ch

Der Star des inoffiziellen Staatssenders Fox News heißt Sean Hannity. Er brüstet sich damit, regelmäßig mit dem Präsidenten zu telefonieren. Ein kritisches Wort über ihn ist ihm noch nie über die Lippen gekommen. Hannity sei Trump so ergeben, dass er, sollte der Präsident furzen, umgehend erklären würde, er sei es gewesen, witzelt der Comedian Bill Maher.

Von Montag bis Freitag hat zwischen acht und neun Uhr vor Hannity jeweils Tucker Carlson seinen Auftritt am Murdoch-Sender. Er hat sich den Ruf eines fiesen Interviewers und eines Rassisten gemacht. So hat er beispielsweise behauptet, Immigranten würden die USA dreckiger machen.

Im Gegensatz zu Hannity erlaubt sich Carlson jedoch hin und wieder eine eigene Meinung, selbst wenn sie von der Trump-Hannity-Doktrin abweicht. Beim in letzter Minute abgeblasenen Angriff auf den Iran war dies wieder einmal der Fall.

Hannity hat im Verbund mit den Hardlinern Trump angefeuert. "Wir werden die Sch… aus euch herausbomben", soll er an die Adresse der Iraner gejubelt haben. Carlson hingegen hat genau das Gegenteil getan. In einem rund fünfminütigen Monolog hat er den Präsidenten gelobt, noch zur Vernunft gekommen zu sein.

Die Neocons im Weißen Haus

Vor allem aber hat er eine Attacke auf den nationalen Sicherheitsberater John Bolton geritten, wie sie selbst von weit links nicht hätte schärfer ausfallen können. Das ist aus zwei Gründen erstaunlich: Trump hält sehr viel von seinem Sicherheitsberater und Bolton war bis zu seiner Ernennung ein regelmäßiger Gast und gut bezahlter Analyst bei Fox News.

Bolton gehört zu den so genannten Neocons. Dabei handelt es sich um eine Gruppe einst marxistischer Studenten, die später das Lager wechselten und glühende Konservative wurden. Deshalb wurde ihre Stimme bald im Weißen Haus gehört.

Neocons waren wichtige Berater, zuerst von Ronald Reagan und später von George W. Bush. Bei Trump sind sie gespalten: Ihr langjähriger Vordenker Bill Kristol beispielsweise ist ein dezidierter Trump-Kritiker.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion war die Sternstunde der Neocons. Sie sahen sich in ihren Überzeugungen bestätigt, "böse" Regierungen nicht einfach in Schach zu halten, wie dies die Pragmatiker forderten, sondern aktiv einen "regime change" anzustreben. Mit anderen Worten: Beihilfe zu einem Umsturz zu leisten.

"Diese Leute verlangen nun einen neuen Krieg"

"Regime change" war auch der Leitgedanke, der zum zweiten Feldzug gegen Saddam Hussein führte. Geplant war dabei ein kurzer militärischer Schlag, dem der Aufbau eines demokratischen Staates folgen sollte. In der Folge wurde daraus ein jahrelanger Kleinkrieg, der Billionen von Dollar verschlang. Anstatt zur Geburtsstunde einer Demokratie führte dies zur Entstehung des "IS".

John Bolton verteidigt den Irak-Krieg bis heute. Darauf hat Carlson den Präsidenten mit Nachdruck hingewiesen. "Die gleichen Leute – in einigen Fällen wortwörtlich die gleichen Leute, die uns vor 16 Jahren in das Schlamassel des Irak-Krieges gelockt haben – verlangen nun einen neuen Krieg, diesmal mit dem Iran", erklärte er und verwies darauf, dass die Hardliner um Bolton und Außenminister Mike Pompeo mehr als zweifelhafte Beweise für ihr Anliegen vorzuweisen hätten.

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Tucker Carlsons Abrechnung mit John Bolton. Video: YouTube/Fox News

Carlson erinnerte Trump auch daran, dass er im Wahlkampf nicht nur den Irak-Krieg scharf verurteilt, sondern auch versprochen hatte, die US-Truppen so rasch wie möglich aus dem Nahen Osten abzuziehen. Stattdessen steure er nun auf einen Krieg mit dem Iran zu. Für ehemalige Neocons wie Bolton wäre das, "wie wenn Weihnachten, Thanksgiving und Geburtstag auf einen Tag fallen würden".

Der Fox-News-Moderator legt damit den Finger auf den wunden Punkt. Das Engagement der amerikanischen Truppen im Nahen Osten und in Afghanistan ist bei Johnny Sixpack und Steve Hillbilly äußerst unbeliebt. Mit einem Krieg mit unberechenbaren Folgen gegen den Iran würde Trump seine Basis vor den Kopf stoßen.

Trump in der Falle

Der Präsident befindet sich in einer Falle, die er sich selbst gestellt hat. Einst hatte er Barack Obama als Weichling verhöhnt, weil dieser vor einem Angriff gegen Syrien zurückgeschreckt war, obwohl Syriens Diktator Bashar al-Assad die von Obama definierte "rote Linie" überschritten und einen Giftangriff gegen Zivilisten lanciert hatte.

Nun steht Trump selbst als Maulheld da, als einer, der sich als Macho aufspielt, im letzten Moment jedoch den Schwanz einzieht. Gleichzeitig verwirrt er Freund und Feind. Einerseits versichert er, keinen Krieg zu wollen, und unternimmt andererseits alles, was einen Krieg immer wahrscheinlicher macht.

Beim Scheitern seiner Pläne zur Abschaffung von Obamacare hat Trump gejammert: "Wer hätte gedacht, dass das Gesundheitswesen so kompliziert ist." Jetzt ist er im Begriff herauszufinden, dass auch die Geopolitik ihre Tücken hat – und Tucker Carlson erinnert ihn schmerzlich daran.

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