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Die AfD nimmt eine Trans-Soldatin ins Visier – aber die Truppe wehrt sich

AfD-Mann Thomas Rudy möchte das noch einmal richtig stellen: "Das ist ein blödsinniger Artikel der links-grünen Systempresse", schreibt der Thüringer Landtagsabgeordnete auf Facebook. Dann fügt er hinzu: "Ich werde wieder als Homohasser dargestellt (...) Ich habe sicherlich nichts gegen Tunten, Homosexuelle oder Transen."

Rudy ist seit 2014 im Thüringer Landtag und gehört zum völkischen Flügel der AfD. Mit "Systempresse" meint er in diesem Fall das LGTBQ-Magazin Queer.de aus Köln.

Deren Autoren hatten zuvor über eine AfD-Kampagne gegen eine Bundeswehr-Soldatin berichtet. Die Trans-Offizierin hatte bei einem Stand der Verbrauchermesse "Ostbayernschau" im bayerischen Straubing eine Frauenuniform getragen.

Das aber entspricht offenbar nicht dem Bild eines Bundeswehr-Soldaten, wie man ihn sich bei bei der AfD vorstellt. Allen voran teilten deshalb die Mitglieder des Deutschen Bundestages Jan Nolte und Corinna Miazga online gegen die Frau aus.

Miazga zeigte sogar ein Bild von ihr mit den Worten: 

"Ist das euer Ernst!?"

Die Autoren von Queer.de haben es erst nachträglich verpixelt, das ursprüngliche Bild des AfD-Posts zeigte die trans Soldatin unverpixelt.

Hier die Posts:

Bild

Queer.de

Dazu kommt: "Bei der tagelangen Kampagne arbeiteten einige AfDler auch mit dem Hetzportal 'PI News' zusammen", schreibt Queer.de.

So reagiert die AfD darauf

Seinen Facebook-Post hat Nolte mittlerweile gelöscht. Kurz darauf erklärte er auf Facebook erneut, dass er trotzdem im Recht sei. Er habe gelöscht, weil unter seinem Kommentar Einzelpersonen angegriffen und vorgeführt worden seien. Das wolle er nicht mehr hinnehmen. 

Ähnlich ist es mit Rudy, dessen Kommentar ebenfalls verschwunden ist. Hier ein Screenshot:

Bild

queer.de

Rudy macht in diesem Post noch einmal deutlich: Transgender-Soldaten sind für ihn: "Kommandeure mit Lippenstift" und "schön geschminkt" mit "Rock, Stöckelschuhen und Pferdeschwanz".

So reagiert das Verteidigungsministerium

Beim Verteidigungsministerium möchte man nicht über den Einzelfall sprechen, weil "der Persönlichkeitsschutz der Soldatin Vorrang" habe.

Dennoch bezog eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber watson.de Stellung gegen die Aktion der AfD. 

Die Sprecherin sagte:

"Diskriminierung ist weder innerhalb noch von außerhalb der Bundeswehr tragbar, egal woher sie kommt."

In einer Stellungnahme heißt es weiter:

"Im Sinne der Gleichbehandlung duldet die Bundeswehr keinerlei Diskriminierungen jedweder Art. Die Qualität der militärischen Aufgabenerfüllung wird nicht an der sexuellen Orientierung oder Identität des Einzelnen gemessen"

Verteidigungsministerium

So reagieren die Soldaten

Der Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr (AHsAB) zeigt sich entsetzt von der AfD-Kampagne.

AHsAB-Sprecher Jens Marschner sagte zu watson:

"Das ist blinder Populismus ohne irgend eine sachliche Grundlage."

Die Eignung eines Soldaten habe nur mit dessen fachlicher Leistung und dessen Erfahrung zu tun und nichts mit der Wahl seines Geschlechts.

Marschner weiter:

"Es entsteht der Eindruck, dass die AfD vor allem Vorurteile bei Älteren in der Bundeswehr bedienen will."

In der Tat gehört es schon seit langem zur Strategie der Partei, die Bundeswehr als "verweichlicht" darzustellen. Marschner glaubt aber, die AfD stoße hier vor allem beim Bundeswehr-Nachwuchs auf Widerstand.

"Die neuen Rekruten sind gegenüber sozialen Themen wesentlich offener, deshalb werden solche Wut-Kampagnen gegen Einzelne nicht aufgehen", sagt Marschner. "Unser Zusammenhalt stärkt unser Selbstverständnis als Soldaten."

Auch die bekannte Transgender-Offizierin Anastasia Biefang fand deutliche Worte für die Kampagne. Persönlich kann man sie gerade nicht erreichen, weil sie auf einem Auslandseinsatz für Deutschland ihren Dienst leistet.

Das aber twitterte Biefang:

Hier ein Kurz-Porträt der Offizierin:

abspielen

Video: YouTube/DerTagesspiegel

Zum Schluss bleibt festzuhalten: Jeder der von der AfD kritisierten angeblich "verweichtlichten" Soldatinnen und Soldaten hat einen Eignungsleistungstest hinter sich gebracht, der sie für die Bundeswehr befähigt. "Vielleicht bräuchte es so etwas auch für manchen AfD-Parlamentarier im Bundestag", scherzt Marschner.

Die Bundeswehr stand in der Vergangenheit nicht immer zu ihren Soldaten:

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    Alle Leser-Kommentare
  • Yannek Schilke 23.08.2018 07:57
    Highlight Highlight Moin !

    Also zu Frau Anastasia Biefang möchte ich mich hier gar nicht äußern, ich habe unter ihrem Kommando gedient und sie ist eine absolut fähige und Bemerkenswerte Persönlichkeit.

    Zur AFD braucht man nicht's sagen

    Zum letzten Abschnitt möchte ich mich aber äußern “Jeder Soldat hat einen Leistungstest .... “

    Das ist Falsch ! Schlicht und ergreifend.
    Ich habe Soldaten in der Ausbildung die aufgrund von körperlichen Gebrechen T6 gemustert sind !
    Zu meiner Zeit wurde T3 bereits in den meisten Fällen ausgemustert.Und jetzt T6 ! Um es mal böse auszudrücken der Koma-Patient kann Soldat werden
  • Clemens Hellmann 22.08.2018 08:53
    Highlight Highlight Über den Auftritt der Bundeswehr bei der Ostbayernschau wurde schon an anderer Stelle berichtet: https://www.mimikama.at/allgemein/der-bundeswehrsoldat-mit-rock/
    Aber kann es sein, dass das jemand anderes ist und dass dieser Auftritt deshalb nichts direkt mit der erwähnten transsexuellen Offizierin zu tun hat?
    • Max Biederbeck 22.08.2018 12:39
      Highlight Highlight @Clemens Hellmann: Moin, Danke für den Link! So wie ich die Fotos sehe, ist das die selbe Person. Und um die Kollegen von Mimikama zu bestätigen: Ja, das Foto ist echt. Das sagten zumindest Ministerium und AHsAB zu mir.

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