Gesundheit
19.02.2019, Russland, Moskau: Der Vollmond steht hinter einem Kreuz der Basilius-Kathedrale am Roten Platz. Foto: Bai Xueqi/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: XinHua

Du schläfst schlechter, weil heute Vollmond ist? 7 Vollmond-Mythen im Faktencheck

Daniel Huber / watson.ch

Es ist ein beeindruckender Anblick, wenn der Mond voll und rund am nächtlichen Himmel steht. So auch wieder in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, guckt mal nach oben!

Dem Trabanten unseres Planeten sagte man wohl schon vor undenklichen Zeiten einen enormen Einfluss auf das irdische Geschehen und die Befindlichkeit der Menschen nach. Heute füllen esoterische Ratgeber zum Mondkalender ganze Regale in den Buchhandlungen. Besonders wirksam – und dies oft in destruktiver Weise – soll dabei der Vollmond sein. Schon Shakespeare ließ Othello unter dessen Einfluss stehen:

"Da liegt die Schuld am Mond;
Er kommt der Erde näher als gewöhnlich,
Und macht die Menschen rasend."

Während einige Behauptungen über die Auswirkungen des Vollmonds geradezu Gemeingut geworden sind, gelten andere höchstens als Schauermärchen – oder glaubt etwa tatsächlich jemand an die Existenz von Werwölfen? Sieben Beispiele aus der ersten Kategorie unterziehen wir hier einem Faktencheck:

Der Vollmond stört den Schlaf

Dies ist der populärste Vollmond-Mythos. Zahlreiche Leute glauben, dass sie bei Vollmond weniger gut einschlafen können oder unruhiger schlafen. Dafür wird nicht selten das Licht verantwortlich gemacht; schließlich sind die drei Nächte um Vollmond zwölf mal so hell wie eine Halbmondnacht. Und es ist bekannt, dass Licht über die Zirbeldrüse den Pegel des Schlafhormons Melatonin beeinflusst. Ein anderer möglicher Grund ist psychologischer Natur: Wer sich sorgt, bei Vollmond schlechter schlafen zu können, schläft eventuell tatsächlich schlechter – gewissermassen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Wissenschaftliche Studien konnten bisher aber keinen kausalen Zusammenhang zwischen Vollmondnächten und Schlafstörungen nachweisen – mit einer Ausnahme: Eine Studie von Schweizer Forschern der Universität Basel stellte 2013 fest, dass die Testpersonen im Schlaflabor bei Vollmond fünf Minuten länger brauchten, um einzuschlafen. Zudem verkürzte sich die Schlafdauer insgesamt um 20 Minuten und die Tiefschlafphasen waren um 30 Prozent kürzer.

Allerdings weist die Studie einige Schwächen auf, wie die Forscher selbst einräumten. So war die Anzahl der untersuchten Vollmondnächte sehr gering, es gab nur 33 Probanden und die Untersuchung dauerte für die einzelnen Testpersonen nur dreieinhalb Tage. Auch wurden sie nicht befragt, ob sie selber an eine Auswirkung des Vollmonds glaubten oder nicht. Nach wie vor ist deshalb ein Einfluss des Vollmonds auf den Schlaf nicht nachgewiesen.

Fazit: falsch

Bei Vollmond kommen mehr Babys zur Welt

Bei Vollmond kommen mehr Kinder zur Welt. Diese Vorstellung, die erst Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, ist weit verbreitet. Doch die Statistiken zeigen: Es ist nichts dran. Zu diesem selben Schluss kommen sowohl der Astronomie-Professor Jean-Luc Margot von der University of California wie auch der Soziologe Edgar Wunder von der Universität Heidelberg. Margot führt den Mythos in seiner Studie aus dem Jahr 2015 vornehmlich auf die Voreingenommenheit mancher Berufsleute in den Entbindungsstationen der Krankenhäuser sowie mangelhafte statistische Methoden zurück. Studien, die einen Zusammenhang zwischen Vollmond und Geburtenhäufigkeit postulieren, hätten nie reproduziert werden können.

Dagegen vermochte die klare Mehrheit von großangelegten Untersuchungen und Meta-Studien zum Thema keinen solchen Zusammenhang nachzuweisen. Dazu gehört auch die in Bezug auf die Anzahl der untersuchten Mondzyklen bisher umfangreichste Studie, die an der Universität Halle-Wittenberg durchgeführt wurde und mehr als vier Millionen Geburten analysierte. Auch sie fand keinerlei Korrelation zwischen Mondphasen und Geburtenzahl.

Wunder nahm, wie er in einem Interview mit der "Süddeutschen" schildert, mehrere Studien aus verschiedenen Ländern unter die Lupe, die jeweils einen winzigen signifikanten Effekt gefunden hatten – jedoch in unterschiedlichen Mondphasen. So zeigte eine französische Studie aus den 80er-Jahren, dass die meisten Geburten vor dem Neumond stattfanden. Auch Wunder weist darauf hin, dass Voreingenommenheit und Wahrnehmungsverzerrungen bei betroffenen Berufsleuten den Glauben an einen Zusammenhang mit dem Vollmond festigen.

19.02.2019, Bayern, Mittenwald: Der Vollmond geht hinter dem Karwendel auf. Foto: Angelika Warmuth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: dpa

Fazit: Falsch

Bei Vollmond gibt es mehr Unfälle und Verbrechen

Wenn Vollmond ist, gibt es in Krankenhäusern und auf Polizeiposten mehr zu tun als sonst – das glauben viele. Unter dem Einfluss des vollen Mondes seien eben manche Leute zerstreuter und gereizter, deswegen gebe es mehr Unfälle und Verbrechen. Doch auch hier – genau gleich wie beim Mythos der steigenden Geburtenzahl bei Vollmond – stützen die Fakten die Annahme nicht. Margots bereits erwähnte Studie hat auch diesen vermeintlichen Zusammenhang widerlegt: In Vollmondnächten werden im Durchschnitt nicht mehr Patienten in Notaufnahmen eingeliefert als sonst.

Wunder räumt ein, dass viele Polizisten davon überzeugt sind, es komme bei Vollmond häufiger zu Unfällen und Gewalttaten. Auch hier verweist er aber auf die Mechanismen der selektiven Wahrnehmung: Wir speichern in unserem Gedächtnis nicht alle Vorfälle aus dem Alltag gleich ab, sondern laden jene eher mit Bedeutung auf, die uns aufgefallen sind. So werde ein Polizist einen Unfallort, über dem ein Vollmond hängt, eher als etwas Besonderes wahrnehmen und sich entsprechend eher daran erinnern, während er einen Vorfall ohne Mond eher wieder vergessen werde. Dies verzerre seine subjektive Statistik. Hinzu komme, dass auch die Medien in der Berichterstattung über ein Unglück oder Verbrechen dazu neigen, einen Vollmond als Umstand zu erwähnen – kaum aber einen Halbmond.

Fazit: falsch

Der Vollmond holt Schlafwandler aus dem Bett

Dem Vollmond wird vieles nachgesagt – auch dass er Schlafwandler dazu bringe, ihr Bett zu verlassen. So nannte man die Schlafstörung Somnambulismus einst auch "Mondsucht" (Lunatismus). Das Körnchen Wahrheit in dieser Vorstellung liegt darin, dass Schlafwandler sich in der Tat generell in Richtung einer Lichtquelle bewegen. Und früher war eben nachts der Mond meist die einzige Lichtquelle, und der Vollmond ganz besonders.

Heute ist das längst nicht mehr so; der Mond ist nur noch eine unter vielen Lichtquellen. Gleichwohl nimmt – da der Vollmond wie eingangs erwähnt sehr viel heller scheint als der Halbmond – in Vollmondnächten die Wahrscheinlichkeit ein wenig zu, dass zu Somnambulismus neigende Leute auch tatsächlich schlafwandeln. Als Gegenmittel bietet sich an, das Schlafzimmer mittels Storen oder Vorhängen gut abzudunkeln.

Fazit: ein kleiner Funke Wahrheit

19.02.2019, USA, Jersey City: Der Vollmond steht hinter dem World Trade Center. Foto: J. David Ake/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: AP

Operationen sind riskanter bei Vollmond

In esoterischen Ratgebern ist mitunter zu lesen, dass planbare medizinische Eingriffe bei Vollmond besser zu unterlassen seien. Die Gefahr eines besonders starken Blutverlusts und das Komplikationsrisiko seien dann höher. Besser sei es, sich bei abnehmendem Mond operieren zu lassen. Dahinter steckt die allgemeine Vorstellung, dass in der abnehmenden Mondphase Entleerung, Befreiung von Ballast und dergleichen besser verliefen – während umgekehrt bei zunehmendem Mond Aufbau, Wachstum und Ähnliches intensiver seien.

Nur haben zahlreiche empirische Studien die Behauptung, Operationen seien bei Vollmond riskanter, auf ihren Wahrheitsgehalt hin abgeklopft – und sind ausnahmslos zum selben Ergebnis gekommen: Es tut nichts zur Sache, bei welcher Mondphase der Chirurg zum Messer greift. Ein Beispiel unter vielen ist eine 2011 publizierte Studie von Wissenschaftlern des Uniklinikums Saarland. Sie analysierte 27'914 Fälle von Patienten, die sich zwischen 2001 und 2010 einem chirurgischen Eingriff unterziehen mussten, und glich sie mit 111 Mondzyklen ab. Die Forscher konnten weder auffällige Blutverluste noch die Anzahl der Notfälle mit einer bestimmten Mondphase korrelieren.

Zum selben Ergebnis kam eine Studie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität aus dem Jahr 2009, die postoperative Komplikationen und die Mortalitätsrate bei 2411 Lungenkrebspatienten statistisch auswertete: Es ergab sich kein signifikanter Zusammenhang mit den Mondphasen.

Fazit: falsch

Frauen ovulieren bei Vollmond

Der weibliche Zyklus dauert im Schnitt 28 Tage – fast so lange wie ein Mondzyklus, der von Neumond zu Vollmond 29,5 Tage währt. Diese auffällige Koinzidenz hat wohl dazu geführt, dass die Auffassung, wonach der Mond den Menstruationszyklus beeinflusst, große Popularität genießt. Vor allem in esoterischen Zirkeln glaubt man, dass Frauen ohne den Einfluss von künstlichem Licht bei Neumond menstruieren und bei Vollmond ovulieren. In der Tat gibt es Tiere wie den Palolo-Wurm, der in Korallenriffen der Südsee lebt, die sich bei der Fortpflanzung nach dem Mond als Taktgeber richten. Doch bei Menschen ist kein solcher Zusammenhang nachgewiesen. So zeigten Daten von 1,5 Millionen Frauen, die über die Menstruationskalender-App Clue erhoben wurden, keine Korrelation zwischen lunarem und weiblichem Zyklus.

Auch die Anthropologin Beverly Strassmann von der Universität Ann Arbor im US-Staat Michigan konnte in ihrer 1997 erschienenen Studie keinen Zusammenhang zwischen Menstruationszyklus und Mondphase feststellen. Sie hatte 477 Menstruationszyklen von 58 Frauen untersucht – und zwar bei den Dogon in Mali, die ohne Empfängnisverhütung und ohne elektrisches Licht leben. Chemische und physikalische Einflüsse auf den Biorhythmus der Frauen konnte Strassmann daher ausschließen.

Fazit: falsch

19.02.2019, Bayern, Mittenwald: Der Vollmond geht hinter dem Karwendel auf. Foto: Angelika Warmuth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: dpa

Der Vollmond hilft gegen Warzen

In der Volksmedizin spricht man dem Vollmond heilende Kräfte zu – wenn es um Warzen geht. Diese von Viren verursachten Hautveränderungen können ungemein hartnäckig sein und sich in manchen Fällen schulmedizinischen Behandlungen widersetzen. Neben zahlreichen weiteren Hausmitteln teils höchst seltsamer Art gibt es auch einige, bei denen der Vollmond – manchmal auch der abnehmende oder zunehmende Mond – eine wichtige Rolle spielt.

So soll man Warzen bei Vollmond "besprechen", zum Beispiel mit diesem Spruch:

"Lieber Mondschein
ich bitt dich schön,
lass mir die Warz vergeh'n
steht mir so wild an,
mir wär lieber, sie wär nicht dran!"

Etwas elaborierter ist die Anweisung, nach einer Vollmondnacht eine Wiese aufzusuchen, auf der noch Tau liegt, dort eine Nacktschnecke zu finden und diese dann über die Warze kriechen zu lassen. Aus Russland kommt das Rezept, mit der Hand über eine vom abnehmenden Mond beschienene Wand zu fahren und mit dieser dann von oben nach unten über die Warze zu streichen. Diese Prozedur muss mehrere Nächte wiederholt werden.

Interessanterweise sind diese Hausmittel bis zu einem gewissen Grad durchaus wirksam – allerdings dürfte der Einfluss des Mondes dabei kaum eine Rolle spielen. Vielmehr stimulieren die seltsamen Therapien durch Suggestion das Immunsystem, das Warzen zum Verschwinden bringen kann – dank dem Placebo-Effekt. Ohnehin bilden sich viele Warzen nach einiger Zeit von selbst zurück: In rund 60 Prozent der Fälle tritt eine Spontanheilung innerhalb von zwei Jahren ein.

Fazit: danke Placebo

Das könnte dich auch interessieren:

Intime Infos von Hartz-IV-Empfängern: Jobcenter muss Fehler zugeben

Link zum Artikel

Edeka kontert im Discounter-Streit: "Hallo ihr süßen Lidl-Mäuschen"

Link zum Artikel

An diesen 5 Features arbeitet Whatsapp wohl gerade: Eins hatten wir schon aufgegeben

Link zum Artikel

Rammstein: Das Internet liebt dieses Senioren-Fitness-Video

Link zum Artikel

Wut-Brief an Feuerwehr: Anwohner drohen wegen eines angeblich zu lautem Martinshorns

Link zum Artikel

Hier provoziert Niklas Süle mit frecher Ansage Rodrygo vor dessen Traum-Tor

Link zum Artikel

Hartz-IV-Empfängerin meldet sich bei Jobcenter krank – und wird trotzdem abgestraft

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Das Monster ist diese Promi-Frau und wir haben 5 Beweise

Link zum Artikel

Samu Haber flirtet bei "The Masked Singer" mit dem Monster: "Ich schlafe gerne mit dir!"

Link zum Artikel

"In meinen Kühlschrank geschaut": So dreist kontrolliert das Jobcenter Hartz-IV-Empfänger

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Star ist der Grashüpfer, und wir haben 7 Beweise!

Link zum Artikel

"Die Bachelorette": Die beklopptesten Sprüche der ersten 15 Minuten

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Mit seinem Helene-Fischer-Auftritt hat sich der Engel verraten

Link zum Artikel

Petition gegen beliebte dm- und Alnatura-Produkte: "Stoppt diesen ökologischen Irrsinn"

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Promi steckt im Kudu-Kostüm!

Link zum Artikel

"Bachelorette": Das Lustigste an Folge 1 waren die Memes, guck!

Link zum Artikel

Lidl provoziert Netto – und der Supermarkt kontert "a Lidl bit" später

Link zum Artikel

McDonald's- und Burger-King-Mitarbeiter packen über dreisteste Kunden aus

Link zum Artikel

9 Hochzeitsplaner erzählen, welche "tollen Ideen" sie nicht mehr sehen können

Link zum Artikel

Ein Helene-Fischer-Song war für Florian Silbereisen gedacht – doch es kam ganz anders

Link zum Artikel

Autofahrer weichen aus: Gelbe Teststreifen plötzlich auf der A4 aufgetaucht

Link zum Artikel

iPhone-Userin ruiniert besonderen Moment der Braut – so regt sich eine Fotografin auf

Link zum Artikel

Ein Bobby-Car im Parkverbot – so reagiert die Polizei

Link zum Artikel

Gleiches Produkt, dreifacher Preis? Jetzt reagiert Edeka auf die Vorwürfe

Link zum Artikel

"Masked Singer": Faisal Kawusi empört mit üblem Merkel-Witz – ProSieben reagiert patzig

Link zum Artikel

Whatsapp-Panne: Tochter schickt Eltern Urlaubs-Selfie – Wiedersehen dürfte peinlich werden

Link zum Artikel

Das denken Singles, wenn sie diese 5 Sprüche hören

Link zum Artikel

"Wo ist es nur geblieben?": Fans rätseln über angekündigtes Interview mit Helene Fischer

Link zum Artikel

Aldi startet neues Konzept in London – warum das in Deutschland nicht funktionieren würde

Link zum Artikel

Foodwatch kritisiert Edeka: Zwei Produkte, zwei Preise – trotz gleichen Inhalts

Link zum Artikel

Ein Fehler veranschaulicht, worum es Plasberg beim EU-Streit wirklich ging

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Quiz

9 Punkte im Erste Hilfe-Quiz und du rettest ein Leben (also rein theoretisch...)

Der Erste Hilfe Kurs ist für viele ein notwendiges Übel auf dem Weg zum Führerschein. Obwohl es dabei um die Rettung von Menschenleben gehen sollte. Höchste Zeit, dein Wissen zu testen!

Artikel lesen
Link zum Artikel