FILE - In this Oct.16, 2020 file photo German Minister for Family Affairs, Senior Citizens, Women and Youth, Franziska Giffey, speaks during a joint press conference with German Health Minister Jens Spahn in Berlin, Germany, (AP Photo/Michael Sohn, file)

Die ehemalige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. Bild: ap / Michael Sohn

Täuschung in Abschlussarbeit: Universität entzieht Giffey Doktortitel

Die Freie Universität Berlin entzieht der ehemaligen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) den Doktortitel. Das Präsidium habe dies nach umfassender Beratung einstimmig beschlossen, teilte die Hochschule am Donnerstag nach einer Überprüfung der Dissertation der Berliner SPD-Landesvorsitzenden mit. Der Doktorgrad sei durch "Täuschung über die Eigenständigkeit ihrer wissenschaftlichen Leistung" erworben worden, so die Hochschule zur Begründung. Es seien Texte und Literaturnachweise anderer Autorinnen und Autoren übernommen worden, ohne dass dies hinreichend gekennzeichnet worden sei.

Giffey akzeptiert die Entscheidung der Freien Universität Berlin. "Nach wie vor stehe ich zu meiner Aussage, dass ich die im Jahr 2009 eingereichte Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst habe", teilte die ehemalige Bundesfamilienministerin am Donnerstag mit. Fehler, die ihr dabei unterlaufen sind, seien weder beabsichtigt noch geplant gewesen.

Giffey will trotzdem Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden

Nach langen Diskussionen um ihre Doktorarbeit und den Plagiatsvorwürfen gab Giffey im Mai das Amt der Bundesfamilienministerin auf. Sie machte damals bereits öffentlich, dass sie auch bei einem Entzug des Doktortitels an ihrer Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin im September festhalten will. Giffey will als Nachfolgerin von Michael Müller Regierende Bürgermeisterin werden.

Im Herbst 2019 hatte die FU Giffey wegen Mängeln in ihrer Dissertation eine Rüge erteilt, ihr aber den Titel nicht entzogen. Nach Kritik an diesem Verfahren kündigte die FU eine erneute Prüfung durch ein neues Gremium an. Die Rüge sei aufgehoben worden, teilte die Hochschule am Donnerstag weiter mit.

Giffey hatte wiederholt erklärt, sie habe die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. "Ich bedauere, wenn mir dabei Fehler unterlaufen sind." Im vergangenen November – noch während des Prüfverfahrens an der FU – hatte sie entschieden, den Doktortitel nicht mehr zu führen.

(pas/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alter Mann 10.06.2021 22:06
    Highlight Highlight Laut Welt vom 02. 06. 21 (Die Affäre um den Ehemann von Ex-Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hat nach mehr als einem Jahr ihr vorläufiges Ende erreicht) ist auch Herr Karsten Giffey ein Schlauer. Er hat vor dem Rausschmiss als Beamter selbst gekündigt und dann vor Gericht EUR 10'000 bezahlt damit das Verfahren wegen Betrugs eingestellt wird. Damit ist er wahrscheinlich einer Verurteilung und einer Vorstrafe entgangen. Wirklich ein clevere Familie!
  • Alter Mann 10.06.2021 20:04
    Highlight Highlight Man wird sehen ob dies sie Wähler genauso sehen, besonders da die Familie Giffey schon vor einem Jahr aufgefallen ist. Ihr Ehemann ist aus kuriosen Gründen aus dem Beamtenstatus entlassen worden wie es damals hiess. Ob Frau Giffey nach bestem Wissen oder aus Absicht gehandelt hat, das sollen andere beurteilen. Absicht war bestimmt der Rücktritt vom Ministerposten um Zeit für die Vorbereitung der Berlin Wahl zu gewinnen. Absicht war auch das Geschenk "Kinderkrippe" an Berliner Eltern. Mal sehen ob die Wähler das wirklich als gut ansehen.

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