Analyse
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Bild: imago

Abtreibungsverbot – schleift Ex-Sklavenstaat Alabama die USA zurück ins Mittelalter?

Der Senat des ehemaligen Sklavenstaats Alabama hat das bisher härteste Abtreibungsverbot abgesegnet. Republikaner und Evangelikale wollen das national gültige Gesetz, das Abtreibungen erlaubt, zu Fall bringen.

Philipp Löpfe / watson.ch

Alabama hat den Ruf, der konservativste aller konservativen Südstaaten der USA zu sein. In der Hauptstadt Montgomery weigerte sich einst die Schwarze Rosa Park, einen für Weiße reservierten Sitz im Bus zu verlassen. In Selma führte Martin Luther King den berühmten Marsch für die Rechte der Schwarzen an.

Nun ist der ehemalige Sklavenstaat seinem Ruf einmal mehr gerecht geworden. Am Dienstag hat der Senat von Alabama eine Gesetzesvorlage verabschiedet, die besser ins Mittelalter als in die digitale Gesellschaft des 21. Jahrhunderts passt. Es geht um Folgendes:

Die Abtreibung wird generell verboten, selbst wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung oder einen Inzest erfolgt ist. Einzig wenn die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist, bleibt der Eingriff erlaubt. Ärzte, welche eine Abtreibung vornehmen, müssen bis zu 99 Jahre in den Knast.

Die Vorlage ist ganz nach dem Geschmack der härtesten Hardliner unter den konservativsten Republikanern. Sie macht keinerlei Kompromisse mehr. Greg Reed, der republikanische Mehrheitsführer, erklärt denn auch unumwunden:

"Die Gesetzesvorlage nimmt schlicht Rücksicht auf die Tatsache, dass ein ungeborenes Kind Schutz verdient – und allen Anstrengungen der Abtreibungsbefürworter zum Trotz wird diese Gesetzesvorlage ein gültiges Gesetz werden, denn die Menschen in Alabama stehen entschlossen auf der Seite des Lebens."

So schnell wird die Vorlage allerdings nicht umgesetzt werden können. Zuerst muss sie von Kay Ivey, der republikanischen Gouverneurin Alabamas, abgesegnet werden. Tut sie das, dann muss eine noch viel höhere Hürde übersprungen werden, der Oberste Gerichtshof.

Abtreibung wird in den Vereinigten Staaten national geregelt. 1973 hat das Oberste Bundesgericht eines der wichtigsten und umstrittensten amerikanischen Gesetze der Nachkriegszeit verabschiedet: Roe vs. Wade. Dieses Gesetz besagt, dass Frauen grundsätzlich das Recht auf eine Abtreibung haben.

Sämtliche Bundesstaaten müssen sich diesem Gesetz unterordnen, auch das konservative Alabama. Weshalb also der ganze Ärger?

Konservative kämpfen seit Jahrzehnten erbittert gegen Roe vs. Wade. Mehrere Angriffe sind gescheitert, weil keine Mehrheit im neunköpfigen Gremium des Obersten Gerichtshofs zustande kam.

Das hat sich geändert. Präsident Trump konnte zwei Vakanzen besetzen, und er hat dies mit zwei sehr konservativen Männern getan: Neil Gorsuch und Brett Kavanaugh. Damit gibt es nun eine konservative Mehrheit im Obersten Gerichtshof. Deshalb wittern Abtreibungsgegner ihre Chance.

Nicht nur in Alabama, sondern in weiteren 16 konservativen Bundesstaaten sind härtere Abtreibungsgesetze verabschiedet worden. So hat der Gouverneur von Georgia, Brian Kemp, soeben ein Gesetz unterzeichnet, das eine Abtreibung verbietet, wenn der Fötus einen Herzschlag hat. Das ist nach etwa sechs Wochen der Fall. Die meisten Frauen wissen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, dass sie schwanger sind.

Die Taktik der Abtreibungsgegner läuft darauf hinaus, den Obersten Gerichtshof zu einer Neubeurteilung von Roe vs. Wade zu zwingen, in der Hoffnung, dass die neue Mehrheit dieses Gremiums das verhasste Gesetz umstoßen wird. "Bisher hat es keine Aussicht darauf gegeben, Roe zu revidieren", bekennt Eric Johnson von der Pro-Life-Organisation offen.

Die Abtreibungsgegner legitimieren ihre Aktionen mit religiösen Gründen und wollen sich für die Anliegen der Frauen einsetzen. Tatsächlich geht es ihnen darum, die Emanzipation der Frauen rückgängig zu machen. Linda Greenhouse, Professorin an der Yale University, erklärt im Magazin "New Yorker":

"Etwas Seltsames geht hier vor. Gesetze wie diese haben kaum etwas mit dem Fötus, dem Embryo oder dem befruchteten Ei zu tun. Es geht um die Rolle der Frauen in der heutigen Gesellschaft. Es geht um die Würde der weiblichen Hälfte der Bevölkerung."

Der Aufschrei der Frauen ist denn auch gewaltig. "Es ist ein schrecklicher Tag für uns Frauen" erklärt etwa die bekannte Frauenrechtlerin Cecile Richards. Sie macht aber auch klar, dass eine Abschaffung von Roe vs. Wade von den US-Frauen niemals mehr akzeptiert werden wird.

Unter dem Hashtag #YouKnowMe berichten Frauen nach der Entscheidung in Alabama von ihren Erfahrungen mit einer Abtreibung. Die Aktion startete Busy Philipps.

Zahlreiche Frauen folgten ihrem Aufruf.

Ich war 18 Jahre alt, ungebildet in Sachen Verhütung und in einer Beziehung, in der mein Partner Gewalt ausübte. Und dann war ich 23 (mit der Pille) und mein jetziger Mann hatte gerade zugegeben, dass er ein Alkoholiker war. Sein Nüchternwerden zu gefährden, war keine Option. Beide Entscheidungen waren Entscheidungen, die ich nicht bereue.

Nebst der Mauer und der Panik vor einem vermeintlichen Sozialismus der Demokraten wollen die Republikaner den Kampf gegen die Abtreibung zu einem zentralen Thema des Wahlkampfes 2020 erheben. Das könnte sich als Rohrkrepierer erweisen. Bei den Midterms haben die Frauen der Vorstädte den Demokraten zu einer komfortablen Mehrheit im Abgeordnetenhaus verholfen. Im November 2020 könnten sie Trump aus dem Weißen Haus verjagen.

Trumps Twitter-Tiraden: So begann @realdonaldtrump

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Geht am Sonntag wählen, weil wir nicht dürfen – fordern junge Klima-Demonstranten

Link zum Artikel

Dagi Bee, Alexi Bexi und Unge: Mehr als 80 Youtube-Stars fordern Boykott von Union und SPD

Link zum Artikel

Hier sind alle Retro-Referenzen, die ihr in Rins "Vintage" verpasst habt

Link zum Artikel

Live-Hochzeit bei "GNTM": Das Peinlichste, was Prosieben je gezeigt hat

Link zum Artikel

Das "GNTM"-Finale war ein Feuerwerk der Absurditäten. 13 spektakuläre Highlights

Link zum Artikel

Youtuber Rezo greift die CDU an – so wehrt sich die Partei

Link zum Artikel

"Grenze überschritten": GNTM-Vanessa wehrt sich gegen ProSieben – Simone schaltet sich ein

Link zum Artikel

Im "GNTM"-Finale trifft Heidi Klum auf Tom Kaulitz – und es gibt feuchte Küsse

Link zum Artikel

Capital Bra versucht sein Glück bei Helene Fischer – das ist ihre Reaktion

Link zum Artikel

Daenerys wer? Die 17 fatalen Probleme des "Game of Thrones"-Finales

Link zum Artikel

Oops, they did it again: Fans entdecken peinlichen Fehler im "GoT"-Finale

Link zum Artikel

"GoT": Doku zeigt, wie Kit Harington am Set in Tränen ausbrach – jetzt wissen wir, warum

Link zum Artikel

Diese 13 Memes über Bran in "Game of Thrones" bringen dich trotz allem zum Lachen

Link zum Artikel

Das "GoT"-Finale war meine allererste Folge der Show – das habe ich über die Serie gelernt

Link zum Artikel

ESC: Peinlich! Sisters geben zu, wo sie bei der Punktevergabe waren

Link zum Artikel

Herzzerreißende "GoT"-Szene mit Daenerys und Jon – Fans sind erschüttert

Link zum Artikel

So emotional nehmen die "GoT"-Stars nach dem Finale Abschied von der Serie

Link zum Artikel

"GoT": 8 Fehler, die dir genauso entgangen sind wie der Kaffeebecher

Link zum Artikel

Achtung, Spoiler! Die besten Reaktionen zum "Game of Thrones"–Finale

Link zum Artikel

Vanessa rechnet nach "GNTM"-Aus mit ProSieben ab – jetzt antwortet der Sender

Link zum Artikel

So sehen BTS als alte Männer aus – und wir haben Fragen

Link zum Artikel

Darum ist das neue Album nur zu 80 Prozent Rammstein – eine (kleine) Enttäuschung

Link zum Artikel

ESC 2019: Dieter Bohlen über Luca Hänni: "Ich hätte den Mut dazu nie gehabt"

Link zum Artikel

Der neue Song von Shirin David ist eine Abrechnung mit ihrem Vater

Link zum Artikel

Samra und Capital Bra: Neuer Song Wieder Lila ist schon jetzt ein Hit

Link zum Artikel

16 Cartoons, die unsere Gesellschaft auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Strache-Skandal in Österreich – Kanzler Kurz soll Neuwahlen wollen

Link zum Artikel

"Zweifel, Ängste, schlaflose Nächte" – Das sagen "die Lochis" zu ihrem Aus

Link zum Artikel

Lena Meyer-Landrut macht Fan mit Post bei Instagram glücklich

Link zum Artikel

Falscher Professor? Vorwürfe gegen einen AfD-Europakandidaten

Link zum Artikel

Pressekonferenz in Sonnenbrille: Loredana streitet Betrug ab und wird laut

Link zum Artikel

Warum sind wir manchmal traurig nach dem Sex?

Link zum Artikel

Ed Sheeran und Justin Bieber: "I Don't Care" kann der Song des Sommers werden

Link zum Artikel

16 peinlichen Instagram-Werbungen, die nach hinten losgegangen sind

Link zum Artikel

180 Staaten bekämpfen jetzt den Plastikmüll – mit einem globalen Pakt

Link zum Artikel

Dieser seltsame Vogel ist ausgestorben ... kommt aber immer wieder zurück von den Toten

Link zum Artikel

Ariana Grande und BTS: Insider verrät, dass gemeinsamer Song "nur eine Frage der Zeit" ist

Link zum Artikel

Sie soll ein Paar um 614.000 Euro betrogen haben – Rapperin Loredana festgenommen

Link zum Artikel

Helene Fischer lief weg und schrie: Luxus-Makler plaudert über den Hauskauf mit Flori

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Am 8. März wird watson zur Frau. Und das 24 Stunden lang. Am Internationalen Frauentag werden wir ausnahmslos Frauenabbilden, thematisieren und porträtieren. Trump, Hoeneß oder Kollegah haben dann Pause. Und ja, das wird auch Zeit. Auch auf watson.de sind Frauen in der Regel unterrepräsentiert. Und das liegt nicht nur an der Welt, in der wir leben, sondern auch an uns. Aber wir wollen besser werden. Heute ist ein guter Tag, um dafür ein Zeichen zu setzen.

Sie stieg aus dem Wasser und ihre Haare …

Artikel lesen
Link zum Artikel