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"Unglaublich hässliche Szenen" – Seenotretterin berichtet Lanz über Mittelmeer-Krise

Der Dauer-Talker der Nation ist zurück: Am Dienstagabend beendete Markus Lanz seine Sommerpause – und diskutierte mit seinen Gästen die Seenotrettung im Mittelmeer. Am Dienstag hatte Lanz die "Sea Watch 3"-Kapitänin Pia Klemp, den Grünen-Politiker Cem Özdemir, den "Welt"-Journalisten Robin Alexander und die Neurowissenschaftlerin Maren Urner eingeladen.

Urner erklärte Lanz zunächst, wieso sich Fake News in den Köpfen der Gesellschaft so festklammern würden – Grund dafür sei das "Steinzeitgehirn", das sich vor allem an besonders bedrohliche Szenarien besonders gut erinnern könnte. Für Lanz offenbar der geeignete Anlass, den Grünen-Politiker Özdemir zu fragen, ob er sich das Amt des Verkehrsministers vorstellen könnte.

Özdemir war da nicht ganz abgeneigt: "Das Amt kommt zum Manne oder zur Frau." Und erklärte dann, was ein grüner Verkehrsminister in Deutschland alles anstellen könnte. CSU-Verkehrsminister Scheuer plane ständig Projekte, "wo man widersprechen muss."

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Özdemir bei Lanz. zdf

Bei einem Verkehrsminister Özdemir dürfte es für SUV-Fahrer hart werden. Fahrer der Geländewagen würden bei ihm eine höhere Kfz-Steuer zahlen müssen. Özdemirs Vision: "Ich würde das Diesel-Privileg abschmelzen."

Auch aus der Talkrunde gab es Kritik: Der Journalist Robin Alexander nannte Özdemirs Erklärungen den "Standardaufsatz", den "auch ein Unionspolitiker sagen könnte."

Seenotretterin spricht bei "Markus Lanz" von dramatischen Szenen auf dem Mittelmeer

Brisant wurde es dann, als Lanz die Seenotretterin Pia Klemp ins Gespräch holte. Am Dienstagabend berichtete Klemp über ihre Rechtsstreitigkeiten mit den italienischen Behörden. Und den Preis, den sie dafür zahlen wird: "Wir denken, dass wir etwa 500 bis 600.000 Euro brauchen werden." 2017 wurde Klemps Schiff, die "Iuventa" von italienischen Behörden beschlagnahmt – Klemp droht der Prozess wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung.

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Die Seenotretterin Pia Klemp am Dienstagabend bei Markus Lanz. zdf

Klemp berichtet bei Lanz über einen Einsatz mit dem Schiff "Sea Watch 3": Dabei habe ein Schiff der libyschen Küstenwache ein Schlauchboot mit Migranten so angefahren, dass dies gekentert sei.

Mitglieder der Küstenwache hätten einige Migranten dann an Bord gezerrt und dort ausgepeitscht, berichtet die Aktivistin bei Lanz. Klemp und ihr Team hätten versucht, die ins Wasser gestürzten Migranten zu retten. In der Nähe hätten sich italienische und französische Kriegsschiffe befunden, die jedoch nicht eingegriffen hätten.

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Diese Szenen der "Sea Watch"-Aktivisten sollen den Vorfall zeigen, den Klemp am Dienstagabend bei Lanz schilderte. zdf

Klemp meinte: "Die europäische Union lässt Menschen wissentlich ertrinken." Das Schicksal der Migranten machte auch Moderator Lanz betroffen. Lanz sprach von "unglaublich hässlichen Szenen" auf der Insel Lampedusa.

Klemp widersprach bei Lanz der These von einem "Pull-Effect" – die These geht davon aus, dass durch Nachrichten der Rettung von Migranten in Seenot weitere Migranten in Afrika motivieren würden, sich auf die gefährliche Fahrt nach Europa zu begeben. Die Seenotrettung sei die Antwort auf Migranten in Seenot gewesen, und nicht die Ursache.

Lanz mit überraschend fatalistischer Aussage, als es um die Rolle der Medien geht

Bis auf Lanz schienen sich die anderen Diskussionteilnehmer um das Thema Seenotrettung nicht allzu groß zu scheren, der Journalist Robin Alexander glitt dann mit der Neurowissenschaftlerin Maren Urner in eine Mediendiskussion ab. Urner fragte: "Wie viel Fokus legen wir darauf, dass die Taten (gemeint sind die Vorfälle in Frankfurt und Stuttgart, bei denen Menschen mit Migrationshintergrund als mutmaßliche Täter gelten, Anm. d. Red.) dafür sorgen, dass durch dieses Land ein Riss geht?"

Alexander entgegnete: "Die Aufgabe des Journalismus ist, 'Sagen, was ist' – auch in einer aufgewühlten Gesellschaft."

Lanz meinte dazu über die Rolle der Medien: "Wir sind Getriebene."

"Wir treiben uns mittlerweile in eine Spirale hinein, aus der wir nicht mehr hinauskommen."

Diese Aussage ist ist aus zwei Gründen überraschend. Erstens ist diese Prognose, die Lanz anstellt, sowie das Selbstbild, das dahinter steckt ("Wir sind Getriebene") ziemlich fatalistisch gerade für jemanden, der selbst in den Medien ist. Und zweitens ist der Appell dahinter ungewöhnlich: Ausgerechnet Lanz, der in seiner ZDF-Show bislang immer zuverlässig jedes Aufreger-Thema zerlegt hatte, wünscht sich nun mehr Unaufgeregtheit in der deutschen Medienlandschaft.

Immerhin hat Lanz auch in seiner ersten Sendung nach der Sommerpause somit beweisen: Er ist ein Moderator, der sich in Diskussionen einschaltet und seinen eigenen Input gibt – anstatt nur vorbereitete Fragen vom Zettel abzulesen.

(pb)

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